Werbung Ollendorf.biz

Mehr Ehrlichkeit

15. Januar 2000

Während ich diesen Kommentar schreibe, greift jeder zur Harfe wegen des Weihnachtsfestes, aber auch, weil nächste Woche das alte Jahr(tausend) zu Ende geht und so alle bösen Gedanken aus dem Kopf getrieben und der Stress des Alltags vergessen gemacht werden sollen. Hohe Gefühle durchwehen Medien und Glückwünsche, allerhand Ultimatives ist zu lesen. Es ist die Zeit der Gewissenserforschung, soweit die private wie geschäftliche Hektik vor den Feiertagen dies überhaupt zulässt.

Denn leider ist festzustellen, dass die Brille bei den Verbrauchern immer noch keine Dramatik, Begehrlichkeit erzeugen kann. Daran ändert auch die Masse an Augenoptik-Geschäften nichts, von der man manchmal meint, es gäbe inzwischen mehr Optiker als Kneipen in der einen oder anderen Straße. Eine scheinbare Vielfalt, die sich beim näheren Hinschauen als Einheitsbrei im Angebot entpuppt. Und so wundert es eigentlich nicht, wenn statt moderner Brillenoptik Handys (bei den Kids) und in verfehlter steuerlicher Hast abgeschlossene Lebensversicherungen (bei den Älteren) die Gabentische füllen.



Auch die Millennium-Brille, eingedenk des Sofi-Booms erfunden, wird nicht der Brüller, den sich die Initiatoren gewünscht haben. Warum sollte sich das Millennium ausgerechnet in unserer Branche zu einem Frequenz- und Umsatzbringer entwickeln, wenn die meisten Millennium-Events und die daran geknüpften Erwartungen auf Umsatz- und Renditesprünge schon vor Wochen auf dem harten Boden der Tatsachen zerschellt sind. Den Menschen ist langsam klar geworden, dass der Sprung von einer Sekunde auf die andere nichts weiter bedeutet als den Wechsel zu einer neuen Jahreszahl.



Und schließlich ist in der christlichen Zeitrechnung sehr

zweifelhaft, in welches Jahr wir wirklich wechseln werden. Davon einmal abgesehen, besitzt unsere Zeitrechnung für Juden, Moslems, Hindus und Chinesen ohnehin nicht die mystische Relevanz, weil deren Zeitrechnung und Jahreswechsel mit unserem Neujahr nichts gemein haben.



Der unendliche Fortschrittsglaube, der zu Beginn unseres Jahrhunderts geherrscht haben soll, ist erlahmt. Die Entwicklungen überschlagen sich in der Elektronik, der Medienvielfalt, der Kommunikationstechnik u.a., so dass sie immer öfter eher hingenommen werden denn dass man sich noch interessiert zeigt. Ansonsten herrschen in der Welt eher Ängste und Zweifel vor. Dies weniger wegen der erwarteten Probleme der Computer als wegen der Berliner Politik. Die blauäugigen Phrasen eines Gerhard Schröder und die sorgenfaltig staatsmännisch getragenen Statements eines Joschka Fischer machen Gänsehaut. Da lässt man sich auch nicht vom Steuer-Weihnachtsgeschenk eines Finanzministers täuschen.



Und Angst kommt erst recht auf um die Zukunft unseres

demokratischen Systems, wenn man sich ausmalt, was sich hinter dem breiten Rücken des Helmut Kohl womöglich noch alles an steuerlichen und sonstigen Manipulationen verbirgt. Nicht dieses, aber so etwas grundsätzlich, das hätten wir übrigens alles längst ahnen oder wissen können - und mit welchem hämischen Blick haben wir auf die Regierungen Italiens geblickt, die ja von der Mafia abhängig sein sollen; davon sind wir fest überzeugt. Wie weit sind wir in Deutschland davon noch entfernt?

Nicht von ungefähr hat Richard v. Weizsäcker, also ein Insider, schon vor Jahren geschrieben, die Parteien hätten sich - völlig legal - den Staat zur Beute gemacht. Das sorgt dafür, dass die anderen Hunde nicht allzu laut bellen. Und es wird dazu führen, dass sich die Menschen noch mehr von der Politik abwenden. Es wird aber auch dazu führen, dass in den Menschen unseres Landes eine Sehnsucht aufkommt nach Ehrlichkeit - nach Ehrlichkeit auch was die Brille und Kontaktlinse angeht: Ehrlichkeit in Qualität und Preis.



Wir haben überhaupt keine an-

dere Wahl. Denn in den letzten Jahren dieses (wenn Sie es lesen: vergangenen) Jahrhunderts hat sich ein dramatischer Wechsel von der Produktions- hin zur Dienstleistungs- und Wissenschaftsgesellschaft vollzogen. Unsere Kunden rücken uns mental näher, ziehen Vergleiche darüber, welchen Service sie in ihrem Job selbst bieten müssen und welchen wir ihnen im Gegenzug angedeihen lassen. Dabei sollten wir nicht übersehen, dass die immer besser volks- und betriebswirtschaftlich ausgebildeten Kunden nachvollziehen können, wie das Spiel beim klassischen und vertikalisierten Augenoptiker funktioniert. Es nützt jetzt nichts, darüber zu räsonnieren, es gäbe in der Augenoptik bisher nur ein einziges vertikales System. Die Kunden glauben es nicht, weil diese Systeme mit ihren verbraucherfreundlichen Auswirkungen in fast allen Einzelhandelsbranchen üblich sind.

Deshalb sollten wir den Silvestervorsätzen nachträglich noch diesen anfügen: Ehrlichkeit in Qualität und Kalkulation.

Kommentieren