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Mittwoch, 15. Februar 2006

Na also, geht doch!

Von drei Versuchen klappt einer immer. Auf diesen Nenner kann man den zwei Mal missglückten Start der opti in München als Nachfolgeveranstaltung der gestorbenen optica in Köln bringen. Wenig bis gar kein Service von seiten des Veranstalters und seine Ignoranz gegenüber sachlich begründeten Beschwerden der Aussteller wie Besucher sowie auch das völlig unflexible und rigorose Verhalten während des Standaufbaus durch die Messe München erschwerten in der Vergangenheit eine positive Messe. Am ersten Messetag 2004 waren die Hallen bei Außentemperaturen von unter -10°C ungeheizt, unzumutbar für Besucher wie auch das Standpersonal.

Diese Arroganz und Verweigerung jeglicher Kundenfreundlichkeit der Veranstalter und der Unmut, besonders der großen Industrieunternehmen aus Deutschland, bewogen den ZVA letztlich den Versuch zu starten, eine Konkurrenzveranstaltung in Berlin zu proklamieren. Die sollte dort ab 2007 etwa zehn Tage vor der Mido stattfinden. Während einer Präsentation während der Mitgliederversammlung des Industrieverbandes Spectaris im Herbst 2005 wurde dieser Plan allerdings einhellig und brüsk zurückgewiesen.

Der Start der opti als deutsche Leitmesse litt 2003 und 2004 besonders unter den wirtschaftlichen Unwägbarkeiten des deutschen Marktes im Zuge der Gesundheitsreform. Seit dem 1. Januar 2004 ist die Anschaffung einer Brille in Deutschland reine Privatsache. Die Krankenkassen tragen die Kosten für Brillen und Kontaktlinsen nur noch für Kinder und in sehr wenigen weiteren Ausnahmefällen. Dieser grundsätzliche Wandel brachte der Branche in Deutschland 2004 einen Umsatzeinbruch von bis zu 20% ein. Auch 2005 war wirtschaftlich noch nicht wieder erfreulich.
Umso erstaunter waren Aussteller und Beobachter, dass die Stimmung auf der gerade beendeten opti grundsätzlich sehr positiv war – gleichermaßen bei Ausstellern und Besuchern. Der ZVA sprach im Vorfeld der opti, er erwarte für 2006 ein Umsatzplus von 6%, allerdings ohne nähere Begründung auf die er diese Prognose stützt. Allerdings ist die Stimmung im Land plötzlich tatsächlich voller Optimismus. Hat uns die Große Koalition einem Brainwashing unterzogen mittels einer Art Merkel-Münte-Speak?

Schon am Freitag, dem ersten Messetag, war ein subjektiv spürbar höherer Besucherandrang zu verzeichnen als in den Jahren zuvor. Ob der Grund dafür tatsächlich in der Großveranstaltung von Essilor zur Einführung des neuen Progressionsglases lag, wird kaum sachlich nachprüfbar sein. Immerhin hatte Essilor für den Abend vor der opti 1.200 Augenoptiker in das Eventcenter des Münchener Olympiaparks eingeladen.
Die Aufteilung der drei Messehallen kann als gelungen bezeichnet werden. Den Auftakt gaben in Halle 1 die Anbieter von Kontaktlinsen in der Frontline. Im hinteren Teil tummelten sich alle großen Glasanbieter. Die Halle 2 bot einen interessanten Mix aus Anbietern unterschiedlichster Provenienz, während in der Halle 3 hauptsächlich die großen internationalen Fassungsanbieter vertreten waren.

Der Veranstalter meldete gegenüber der Vorjahresveranstaltung ein Plus von 4% bei den Besucherzahlen auf 34.257. Diese Zahlen sind mit gewisser Vorsicht zu genießen, da der Besucherandrang 2004 nicht so hoch gewesen sein kann wie damals gemeldet. Die Zahlen jedenfalls sind nicht unabhängig geprüft.
Die opti ist eine fast rein deutsche Messe, auch wenn der Veranstalter mit Macht versucht eine Internationalität nachzuweisen. Korrekt ist allerdings, dass die Messe verstärkt Besucher aus den Staaten Osteuropas anzieht. Aussteller mit Produkten der Vorstufen wie auch Hersteller für Maschinen der Vorstufen für Brillenfassungen und Brillengläser fehlten gänzlich. Aber auch einige kleinere Ausrüster für augenoptische Fachgeschäfte hatten ihre Teilnahme zurückgezogen. Und selbst Luxottica hatte sich abgemeldet.

Insgesamt war es eine Messe ohne überragende Highlights, weder bei den Brillengläsern, noch bei Brillenfassungen oder Kontaktlinsen. Allerdings wurde allgemein die neue verbesserte schmutzabweisende Entspiegelungsschicht vorgestellt. Bei Zeiss gab es Business as usual, von dem Merger mit Sola/AO war auch in München nichts zu spüren.
Und doch tut sich etwas, wenn im Moment zwar nur im Verborgenen und von Insidern erkennbar, sieht man einmal von Essilor ab. WaveFront wird das Schlagwort der Zukunft. Mit der WaveFront-Technologie sollen die Koma und Aberrationsfehler zweiter und dritter Ordnung des optischen Systems Auge/Brille oder Auge/Kontaktlinse korrigiert werden. Diese punktgenaue Korrektur an der optischen Fläche eines Brillenglases ist erst seit wenigen Jahren technisch möglich. Es gibt schon erste Versuche, Brillengläser zu produzieren, die die Fehler im optischen System Auge/Brille korrigieren. Ein deutscher Augenarzt in Kalifornien arbeitet erfolgreich auf diesem Feld.

Jörg Spangemacher am 15.02.2006 um 09:01 Uhr
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