Freitag, 15. Mai 2009
Don Quichotte: Da gibt es jemanden in Ober- schwaben zwischen Donau und Bodensee, der sich als einen der letzten aufrechten Recken (weiter nördlich erkennt man eher den Jecken) versteht im Kampf gegen die Feinde der reinen Augenoptik wie vermeintliche Discounter und Nicht-Innungsmitglieder. Klaus Nerlich als Don Quichotte von Bad Saulgau.
Über die Jahre ist er als Obermeister am Ende der Welt immer wieder mit wichtigtuerischen und vorlauten Eskapaden und Wortmeldungen aufgefallen und nervte so Kollegen und ZVAObere. Sein bis dato Gesellenstück als rechter Gutachter lieferte er vor wenigen Jahren, als er gegen jeden Widerstand darauf bestand, einen Kollegen zwingen zu müssen die Lieferscheine seines Glaslieferanten offenzulegen, sonst könne er die Rechtmäßigkeit der VK-Preise dieses Kollegen nicht begutachten.
Vermittlungsversuche des SWAV halfen nicht, Nerlich bestand auf Offenlegung der Lieferscheine und ganz besonders auch der Einkaufspreise. Erst nach einem Machtwort des ZVA, das auch im ZVA-Report veröffentlicht wurde, musste er klein beigeben und sich fügen. Was soll man davon halten, wenn sich so jemand in seinem jüngsten Rundschreiben vom 29. April so hochjubelt: „… seine wegweisenden Arbeiten im Betriebswirtschaftsausschuss der ZVA, auf den Gebieten der Kalkulation und der Begutachtung von Kostenvoranschlägen, haben Ihn zu dem Fachmann in der Preisfindung der Augenoptik werden lassen.“
Vor ziemlich genau einem Jahr, Anfang Juni, durchsuchte die Kriminalpolizei im Auftrag des Bundeskartellamtes die Büros des ZVA und der augenoptischen Industrie und beschlagnahmte alles was nicht niet- oder nagelfest war. Hinter der Aktion stand der Verdacht der branchenweiten Preisabsprachen zum Nachteil der Verbraucher (EuroFOCUS-NetNews und FOCUS berichteten und kommentierten ausführlich).
Wie die Ermittlungen ausgegangen sind und zu welcher Entscheidung das Bundeskartellamt gekommen ist, ist hinlänglich bekannt. Seit einem Jahr fragt sich die Branche, warum sich das Kartellamt plötzlich und so intensiv für die relativ kleine und relativ unbedeutende Branche interessiert. Jetzt scheinen wir der Sache nähergekommen zu sein.
Nach den der Redaktion vorliegenden Informationen scheint der Auslöser in Bad Saulgau bei dem vereidigten Gutachter und Bürger der Stadt Klaus Nerlich zu liegen. Der Hintergrund erscheint zunächst simpel. Ein Augenoptiker streitet sich mit einer Krankenkasse um die Höhe einer vergrößernden Sehhilfe. Im Rechtsstreit vor Gericht wird ein Gutachten zu der Frage des Preises angefordert.
Und hier kommt nach unseren Informationen Klaus Nerlich ins Spiel und schafft sein Meisterstück. Der Gutachter soll zu dem Schluss gekommen sein, dass die UVPs des Lieferanten in der Branche als Festpreise anzusehen sind. Das Ergebnis dieses Gutachtens muss den zuständigen Richter veranlasst haben, beim Bundeskartellamt nachzufragen, ob das alles mit rechten Dingen zugeht. – Die Folgen sind bekannt.
Das kann man mit einem Schulterzucken abtun und sich seinen Teil denken. Wenn aber derjenige versucht, dem die Branche diese Schwierigkeiten höchstwahrscheinlich tatsächlich zu verdanken hat, aus dieser für seine Kollegen absolut nachteiligen Situation Kapital zu schlagen, dann hört die Freundschaft wirklich auf. Statt sich still zu verhalten und abzutauchen, wittert er jetzt als alter HKKB-Einpeitscher Morgenluft und möchte die schnelle Mark auf Kosten seiner Kollegen und ihrer Misere machen; ich kann die Werbeschreiben gar nicht anders interpretieren.
Ich kann mir nicht vorstellen, ihm oder seiner Frau meine Daten aus meinem Unternehmen zur Verfügung zu stellen, um Gemeinkosten, Stundensätze oder Arbeitswerte ermitteln zu lassen; wüsste ich doch nie, wo meine Betriebsdaten auftauchen und ausgewertet werden, allen Beteuerungen zum Trotz.
Trifft man auf Augenoptiker aus der näheren und weiteren Umgebung von Bad Saulgau, dann kommt das Thema im Laufe des Gespräches unweigerlich auf die Eskapaden dieses Bürgers zu sprechen. Tragisch und erschütternd zugleich. Da möchte man ihn manchmal an die Hand nehmen und empfehlen sich intensiv ums eigene Geschäft zu kümmern, um es nach vorne zu bringen, auf dass es z.B. zwei Meister finanzieren kann. Mit dieser Aufgabe ist das Ego und Sendungsbewusstsein eines jeden Unternehmers voll ausgelastet.
Für Spielereien, anderen auf die Nerven zu gehen, ist dann einfach keine Zeit mehr. Vielleicht sollte sich die Gemeinschaft seiner wie im Roman annehmen, ein Autodafé veranstalten und ihm so die Möglichkeit geben, sich ausschließlich auf sein Fachgeschäft zu konzentrieren.
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