Samstag, 15. August 2009
Am 12. Juli erlag Dr. Peter Gunkel seinen Leiden. Eine komplizierte Operation, die er an seinem 81. Geburtstag erfolgreich überstand, ließ ihm leider doch nur noch wenige Wochen im Kreis seiner Familie und ausgewählten engsten Freunden.
Ich bin traurig, dass Peter Gunkel gehen musste. Ich bin traurig, weil er mir als Freund fehlt und als mein wichtigster Berater für die kommenden Projekte, die gerade Gestalt annehmen und die er kritisch und begeistert von Anfang an mitgetragen hat. Wo immer Gunkels Ich jetzt ist, wünsche ich ihm, dass er die Entwicklung auch in Zukunft aus einer anderen Dimension verfolgen kann, so wie er hoffte, dass das möglich sei.
Heute möchte ich Peter Gunkel danken für die tiefe Freundschaft , die uns fast zehn Jahre verbunden hat - mit den vielen offenen Diskussionen, ohne die vielleicht manche verlegerischen Entscheidungen länger gedauert hätten. Sein Engagement zeigte sich in Äußerungen wie „Haben wir unsere neue Fachzeitschrift schon gekauft?“ oder „Was machen unsere Umsätze in China?“ und „Diese Informationen habe ich in der Bibliothek gefunden; die könnten wichtig sein für uns!“.
Den erfolgreichen ersten Schritt eines neuen Projektes wollten wir unbedingt mit gemeinsamen Freunden im Garten feiern und dabei wieder zwei Enten grillen, wenn er erst wieder ganz gesund wäre. Peter Gunkel hatte sich so darauf gefreut. Wir werden es im stillen Gedenken leider ohne ihn tun.
Stilmittel Loyalität
Bewundert habe ich in diesen Jahren die Loyalität zum ZVA, die grundsätzlich nicht infrage gestellt wurde; und das trotz der Kränkungen durch den ZVA, die ihn mehrmals schwer getroffen hatten. So ist es trotz aller Unterstellungen von dieser Seite nie zu einer Konfliktsituation gekommen. Verständlich deshalb, warum er mit dem ZVA und den meisten Protagonisten dort, nichts mehr zu tun haben wollte. Das stillose Verhalten der Verantwortlichen aus der Stresemannstraße in Düsseldorf im vorigen Jahr zu seinem achtzigsten Geburtstag – und vorher das Hausverbot – bekräftigten seine tiefe Abneigung.
Es zeugt vom Stil und der Moral des ZVA und seiner Verantwortlichen, wie man mit diesem Mann im Alter umgesprungen ist, der fast 40 Jahres seines Lebens den Interessen der Augenoptiker geopfert hat. Fast 40 Jahre, von 1954 bis 1991 leitete er aktiv die Geschicke der Branche, meist im Hintergrund, dort aber umso intensiver. Nach seinem Studium der Volkswirtschaften und seiner Promotion übernahm er die schwierige Aufgabe, einen noch jungen Verband in der ebenso jungen Bundesrepublik zu formen und zu führen. Das Fahrwasser, durch das er diesen Verband führen musste, war selten ruhig, denn die Einflüsse von außen und die berufspolitischen Querelen mit den Augenärzten mit den bekannten juristischen Auseinandersetzungen forderten seine ständige Aufmerksamkeit.
Er wirkte im Sinne seines Verbandes und war dabei vielen Anfeindungen von innen und von außen ausgesetzt. Die berufspolitischen Anforderungen waren immens, als die ersten Filialunternehmen groß wurden und neue Vertriebsideen brachten, die mit dem konservativen Verständnis des Handwerks nur sehr schwer in Einklang gebracht werden konnten. Dazu der Druck der Politik auf die gesetzlichen Krankenkassen und die Begrenzungen der Leistungen für Brillen und Gläser.
Peter Gunkel war es schließlich mit Hartmut Schaedel, Dieter Baust und Ralf Tries, der die ältliche SOZ nach der Übernahme zur DOZ wandelte und sie zu der am meisten geachteten deutschsprachigen Fachzeitschrift machte, solange es um fachliche und fachtheoretische Inhalte geht. Wer sich fachtheoretisch weiterbilden will, kommt an der DOZ nicht vorbei.
In diesem Licht muss man den Affront sehen, den man Peter Gunkel angetan hat und der ihn tief erschütterte: Im Mai vorigen Jahres feierte Peter Gunkel seinen 80. Geburtstag. Hat das irgendjemand mitbekommen? Doch, doch, der Geburtstag wurde gemeldet; in der DOZ vom Mai stand der unter Journalisten berühmt-berüchtigte Fünfzeiler dazu.
Mehr Aufmerksamkeit war es den Verantwortlichen für den früheren Geschäftsführer des ZVA und in Personalunion Geschäftsführer der DOZ nicht wert. War ja auch bloß der Gunkel. Ein Fünfzeiler ist im Journalismus eine nebensächliche, lästige, kaum erwähnenswerte Meldung, um die man aber leider nicht herumkommt, die man aber am liebsten unter den Tisch fallen lassen würde.
Dagegen war der DOZ das Goldene Ehrenzeichen des ZVA für Jürgen Meyer sehr viel wichtiger – direkt neben dem Fünfzeiler – und sogar mit Bild! Dabei gehörte Jürgen Meyer vor etwa zehn Jahren zur Clique um Jürgen Matthies. Die wollten mit dem grandios ausgeklügelten System der Lehrlingsausgleichskasse (LAK) auf Kosten der mittelständischen Augenoptiker sehr privat Kasse machen.
Stilmittel Selbstbereicherung
Der FOCUS deckte das falsche Spiel in monatelanger Recherche bis ins Detail anhand von Fakten und Dokumenten auf, und trug letztlich dazu bei, dieses System der Selbstbereicherung und Korruption von Innungsvorständen zum Nachteil der Innungsmitglieder zu zerschlagen. Jürgen Meyer wusste damals, aus offensichtlich intensivem und vergleichendem Selbststudium, die „Sankt Pauli Nachrichten“ als seriöser einzustufen, als den FOCUS.
Diese Erkenntnis tat er auf einer Innungsversammlung kund, als die Mitglieder nicht auf die vom Innungsvorstand ausgelegten Leimruten gehen wollten. Für die jüngeren Augenoptiker sei erklärt: Bei dieser Hamburger Gazette handelte es sich um eins der widerlichsten Pornomagazine jener Zeit aus dem Nuttenviertel von Hamburg.
In der August-Ausgabe der ZVA-Postille DOZ vorigen Jahres stolperte der Leser dann auf Seite 15 über eine ganzseitige, pompöse und selbstgefällige Anzeige mit der Gratulation zum 60. Geburtstag des ZVA-Geschäftsführers und in Personalunion auch Geschäftsführers der DOZ. Die Geschäftsleitung gratuliert stand dort – er gratulierte sich selbst? Wer immer beim ZVA dafür verantwortlich ist: Das war stillos!
Kann ja jeder machen, wie er will, wenn er so was braucht. Die Redaktion des FOCUS wünschte auf ihre eigene Art höflich Glück zu diesem Geburtstag. Peter Gunkel war solches Gedröhne um seine Person immer zuwider.
Was für ein Stil!
Der Hintergrund der Missachtung von Dr. Gunkel ist leider darin zu suchen, dass er nach dem grundlosen und beschämenden Rauswurf aus dem ZVA nach seiner Pensionierung angeblich zum Feind übergelaufen ist. Feind? Ja, der ZVA betrachtet den FOCUS und den Autor dieses Beitrags als Feind – weil der FOCUS die ZVA-Propaganda und Desinformation regelmäßig als solche öffentlich dekuvriert.
Es stimmt, Dr. Gunkel war bis zu seinem Tod einer meiner engen Freunde – beruflich wie privat. Er war mein direkter Berater und Sparringspartner in Diskussionen um berufspolitische Fragen, berufspoltische Inhalte von Artikeln und strategische verlegerische Entscheidungen. Es war zunächst ein längerer Prozess des sich Annäherns – schließlich standen wir uns zwei Dekaden lang in der Betrachtung der Berufspolitik diametral entgegengesetzt gegenüber. Dieser Prozess wurde aber sehr vereinfacht, weil wir trotz unserer jeweiligen Positionen die Arbeit des jeweils anderen im Grundsatz anerkannten.
Bei solchem Treiben schauen der ZVA, dessen Geschäftsführer und das Präsidium nicht untätig zu und fackeln auch nicht lange. Der Abtrünnige muss bestraft werden! Und so kam man überein, dem pensionierten ZVA-Geschäftsführer Dr. Peter Gunkel im Jahr 2006 Hausverbot zu erteilen – das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen.
Was für ein Stil!
Stilmittel Hausverbot
Die Begründung wurde im Hintergrund offen genannt, und Thomas Nosch bestätigte sie später auch: Peter Gunkel könnte schließlich mit mir nach Feierabend in den ZVA eindringen und mir Schränke und Schubladen mit all den angeblich so wichtigen Geheimnissen der Berufspolitik öffnen. Nur derjenige, der etwas Unmoralisches oder Verwerfliches selbst sofort täte, böte sich ihm denn die Gelegenheit, kann sich vorstellen, auf welche Ideen andere möglicherweise kommen könnten; so wurde ich erzogen. Und es stimmt leider.
Dabei habe ich das Haus des ZVA bisher nur zweimal betreten: Einmal zu einem Interview mit Herrn Müller, dem ersten ZVA-Präsidenten, zu der Frage, was in der ersten Hälfte der 80er Jahre mit der 1 Mio. DM geschehen sei, die aus der Kasse der alten Leistungsgemeinschaft (= Budget im ZVA-Haushalt) als Bürgschaft für ein Darlehen der damals frisch gegründeten AMA bereitgestellt wurde.
Ein zweites Mal war ich dort, nachdem ich Thomas Nosch während einer Veranstaltung in Münster Ende der 90er, über alle Gegensätze hinweg, angeboten hatte, die DOZ aus ihrem damals redaktionellen und wirtschaftlichen Tief herauszuführen. Aus dem Angebot wurde nichts, weil ein so starr ausgerichteter Koloss wie der ZVA auf kreative Ideen gar nicht reagieren kann.
Während der Feier zum 125-jährigen Jubiläum von SPECTARIS sprach ich den ZVA-Präsidenten Thomas Nosch in Berlin auf das Hausverbot gegenüber Dr. Gunkel an und fragte, warum man einem, um den ZVA verdienten, alten Mann diese Schmach des Hausverbots zumuten muss. Nosch wusch seine Hände in Unschuld, indem er sagte, das sei nicht seine Idee gewesen und er habe dieses Ansinnen auch abgelehnt. Vielmehr hätten seine beiden Vizepräsidenten und der Geschäftsführer darauf bestanden, schließlich sei Gunkel mit mir befreundet. Das sei zwar nicht sein Stil, aber er, Nosch, könne auch nichts dagegen tun.
Stilmittel Unschuld
Auf meine Vorhaltung, er, Nosch, sei der Präsident des ZVA und entscheide, bekam ich zur Antwort: „Ich bin nur ein Gleicher unter Gleichen. Wenn Gunkel aber den Hausschlüssel abgibt, kann er ja klingeln, wenn er ins Haus möchte. Dann wird ihm selbstverständlich geöffnet und er wird hinein gelassen.“ Was für ein Stil!
Was für ein Stil!
Es ist wohl wahr, dass der Jubilar um diesen besonderen Geburtstag kein Aufhebens machen wollte: „Ich kann nichts dafür, dass ich so alt geworden bin.“ Und doch hätte es Stil gehabt, Dr. Gunkel in einer kleinen Feierstunde ähnlich zu ehren, wie es bei jedem beliebigen ehemaligen Obermeister üblich ist, egal ob er irgendetwas für seine Innung getan oder einfach nur auf seinem Posten geklebt hat.
Und so ging er auch seinen letzten Weg: Unabhängig, bescheiden und ausdrücklich allein im engsten Familienkreis.
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