Das war‘s

9. Januar 2019

9.Januar 2019

Dieses junge Jahr 2019 liegt noch vor uns, wir starten es mit einer großen Leistungsschau der deutschen und internationalen augenoptischen Branche. Was wird dieses Jahr bringen? Welche Hoffnungen werden erfüllt – und viel wichtiger – welche werden nicht erfüllt?
 
Ein vergangenes Jahr wie 2018 braucht die Branche nicht noch einmal. Die Stimmung auf allen Ebenen war begrenzt zufriedenstellend. Der insgesamt positive Konsum des vorigen Jahres ging an dem augenoptischen Einzelhandel vorüber. Oder doch nicht wirklich?
 
Zum ersten Mal erlebte die Branche die ersten Auswirkungen von Versuchen alternativer Beschaffungswege zu einer neuen Brille. Man mag es als unseriös betrachten, wenn mittelständische Augenoptiker in einer Gemeinschaft komplette Brillen in China zu deutlich günstigeren Konditionen anfertigen lassen. Aber inzwischen gibt es auch schon weitere ähnliche Angebote. Und es bedarf keines Hellsehers, zu behaupten, dass dies erst der Anfang ist.
 
Auch hier wieder kommt die ganze Ignoranz der Branche zum Tragen, dass solche alternativen Vertriebsmodelle keine Chance haben, weil die Kunden doch auf einer langjährigen vertrauensvollen Beziehung zu dem Augenoptiker ihrer Wahl stehen. Sicher gibt es die, wenn es ein Augenoptiker schafft die Beziehung zu seinen Kunden über die vielen Jahre warm zu halten, in denen kein Kontakt besteht, weil man halt nur alle drei bis vier Jahre eine neue Brille kauft. Aber wie hoch ist der prozentuale Anteil an allen Kunden eines Augenoptikers?
 
Wie eigentlich immer in Zeiten eines Umbruchs wird es eine bestimmte Anzahl unseriöser Angebote geben, die darauf angelegt sind auf Kosten des nervösen Augenoptikers ein schnelles Schnäppchen zu machen. Das ist nicht schön, aber gehört zur freien Marktwirtschaft. Schließlich ist jeder Unternehmer selbst verpflichtet, sich ständig darüber zu informieren was sich in seiner Branche tut. Um es klar auszudrücken, die letzte halbe Prismendioptrie oder der letzte Grad der Zylinderachse von 0,25 dpt retten keinen augenoptischen Handwerksbetrieb.
 
Auch das Gequatsche der Handelsvertreter hilft nicht wirklich, wenn man sich informieren will. Das klingt alles toll. Aber was erzählen diese Menschen wirklich? Die sind draußen, damit man deren Produkte kaufen soll. Das ist erlaubt und auch korrekt. Nur derjenige, der zuhört, sollte sich immer fragen warum man ihm jetzt dies oder das erzählt wird und daraus seine Schlüsse ziehen.
 
Soweit die Nabelschau. Diese Branche besteht schließlich nicht nur aus Augenoptikern. Es gibt auch die optische Industrie und den Großhandel. Die Fassungsanbieter haben sich längst in einem sich kannibalisierenden Markt arrangiert. Sie leben mit Kopien von Originalen, mit Kopien von Kopien – und jeder kann es billiger, und die Endverbraucher können die Kopie vom Original nicht unterscheiden. Es hat einen Grund, warum es in München mehrere Hallen nur für Brillenfassungen gibt.
 
Die Glasindustrie steckt in einer tieferen Krise. Woran und wie kann ein Augenoptiker heute ein individualisiertes und personalisiertes Gleitsichtglas eines Markenherstellers von dem eines No-Name-Anbieterst unterscheiden? Dort liegt das Problem.
 
Zu Zeiten der Silikatgläser war der Investitions- und Organisationsaufwand immens, für die vielen benötigten Schleif- und Poliertöpfe. Von der schieren Unzahl an den Polierköpfen und deren sinnvolle Lagerung abgesehen. Nicht zu vergessen die monströsen Beschichtungsanlagen.
 
Das ist vorbei. Es gibt weltweit nur drei namhafte Hersteller von Maschinen zur Herstellung optischer Flächen. Sie sind alle drei in der Gegend um Wetzlar zuhause. Diese Maschinen sind nicht billig, aber für einen Investor bedeuten sie ein überschaubares finanzielles Budget. Die Algorithmen, um die Kurven eines modernen Gleitsichtglasdesigns zu produzieren, kann jeder kaufen. Es gibt genügend Designer, die solche Maschinenprogramme für einzelne Anbieter für deren Vorstellung entwickeln. Das sind Premiumprodukte, auch wenn sie nicht in einer Tüte stecken mit einem aufgedruckten Markenlogo.
 
Dieses wissend tüftelt die Glasindustrie verschiedene Kundenbindungsprogramme aus, um ihre Kunden bei der Stange zu halten. Sie schmeicheln dem Augenoptiker; man sollte aber nie vergessen, dass Lieferantenkredite die teuersten Kredite sind.
 
Auf dieser opti bietet Rodenstock seinen Kunden einen Service an, der allerdings revolutionär ist. Er wendet sich an den verantwortungsvollen Optometristen, der sich damit auf der sicheren Seite seiner Beobachtungen sieht und eine medizinisch versierte Dokumentation bekommt, ohne selbst die Grenzen der Optometrie zu überschreiten.

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Digital brauchen wir nicht

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