Eine Frage der Perspektive: Opti 2019

15. Februar 2019

15. Februar 2019

Wie der Füllstand eines Glases zu bewerten ist, ist bekanntermaßen eine Frage des Blickwinkels und der inneren Einstellung. Ebenso verhält es sich mit der Opti 2019.

Nach vielen Gesprächen kann man sicher sagen: Die Opti 2019 war für viele der 631 Aussteller ein großer Erfolg. Bei den ­Fassungen taumelten die Hersteller noch bis in den Sonntagnachmittag hinein vor Glück, dank voller Stände und prall gefüllter Auftragsbücher. An den großen Ständen in den ­ersten Reihen war kaum ein Durchkommen und das Angebot war überbordend. 

Während also bei vielen Ausstellern die Messestände vor Besuchern geradezu aus allen Nähten platzten, hätten in einigen Teilen der Hallen die Aussteller auch getrost ihre Yogamatten herausholen können. Vor allem in den hinteren Dritteln ­wurde dies deutlich. Ein Beispiel ist die Halle 4: Sie sollte eine Sandwichfunktion zwischen den Hallen bilden. Doch besuchermäßig bildete sich leider hier nicht die Creme zwischen den Keksscheiben ab. Einzig das Opti-Forum sorgte für ein wenig Verkehr in die hinteren Reihen, die sich die Fachmagazine mit ZVA, Hochschulen und den Pavilions der asiatischen Anbieter teilten.

Wo sich bei vielen Ausstellern deutlicher Unmut regte, war in der Halle 6. Wer diese vom Eingang aus erreichen wollte, durch den die meisten der 28.000 Opti-Besucher strömten, musste neben gutem Schuhwerk, viel Zeit auch den ­Willen mitbringen, überhaupt den weiten Weg von rund ­­ 700 m auf sich zu nehmen, um Kontaktlinsenaussteller und Glasanbieter besuchen zu wollen. Und genau darin lag das Problem. Der neue Eingang Nord-Ost war zwar vorhanden, doch diesen Weg nutzen im Vergleich zum Eingang Nord-West nur wenige Besucher. Auch der Flughafenshuttlebus endete dort nicht, sondern nur am bevorzugten Eingang Nord-West. 

An den Kontaktlinsenständen konnte man sich unterm Strich zwar über zahlreiche Besucher freuen, allerdings waren diese zumeist Bestandskunden. Ein Aussteller brachte es treffend auf den Punkt: „Wir hatten heute unseren Stand voll – mit guten Freunden.“

Ziehen wir kurz Bilanz: 
Die Opti wurde von der GHM (GHM Gesellschaft für Handwerksmessen mbH) vor zwölf Jahren mit dem Versprechen übernommen, mittelfristig die Fachmesse der Branche in ein angemessenes Konzept zu überführen. Dass dies gelungen ist, steht außer Frage. Stetig ist die Opti gewachsen und die Veranstalter haben vorausschauend ihre Themen und Perspektiven erweitert. 
Auch das immer enger werdende Platzangebot sollte vergrößert werden. Dazu war der Plan unter anderem: Wenn weitere Hallen fertiggestellt seien, würde auch der jährlich wechselnde Termin in einen feststehenden gewandelt. Nun sind die neuen Hallen mit großem Tamtam hingestellt ­worden. Die Opti hat sich binnen zwei Jahren von 4 über 5 auf 6 Hallen vergrößert. 
Und was wurde besser? Die 6 Hallen waren großzügig angelegt, die Gänge auffällig breiter, es gab verdächtigerweise erstmals mehr Ruhezonen und ein vergrößertes Forum. Doch weder die Besucherzahlen noch die Ausstellerzahlen haben sich vergrößert. Man wäre sicher hervorragend mit dem Platzangebot von 5 Hallen ausgekommen. 

Der Termin wird auch in Zukunft Jahr für Jahr hin- und ­hergeschoben wie es in die Messedaten größerer Mammutmessen am besten passt. Zu erkennen ist das u.a. an den Zeiten für den Auf- und Abbau. Die waren zumindest dieses Mal extrem kurz, so kurz, dass Tag und Nacht in den Opti-Hallen gebaut werden durfte. Den Ausstellern werden dabei die Kosten für Nachtschichten der Messebauer achselzuckend aufgebrummt. Hinzu kam, dass offensichtlich mit zweierlei Maß gemessen wurde und einige wenige Firmen sehr wohl den Aufbau früher beginnen durften. Eine Ausstellerin fasst es so zusammen: „Die Aufbauzeit war für die die meisten Messebauer und deren Personal unfair und unmenschlich.“ 

Die Idee, die Opti auf 6 Hallen zu vergrößern und damit ein Stückchen näher an die Messlatte der beiden anderen internationalen großen Fachmessen in Europa heranzureichen, ist sicher sinnvoll und anstrebenswert für den Standort Deutschland und die Augenoptikindustrie. Aber nicht auf Biegen und Brechen, sondern mit gewohntem Weitblick und entsprechender Kommunikation durch den Veranstalter. Denn das Glas war eben doch nicht richtig voll: Es gab noch Luft nach oben.

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