Erwin Müller

16. Oktober 2017

16. Oktober 2017

Das ist der Versender für Bettwäsche, Handtücher und so. Alle kennen den Versender, aber niemand hat, soweit ich weiß, dort jemals bestellt, weil altmodisch im Auftritt und daraus abgeleitet, angeblich schlechte, billige Qualität. Es gibt diesen Versender aber schon eine Ewigkeit.

Das erinnert mich an die Bildzeitung, die, als ich noch ein Kind war, niemand las. Das war eine Zeitung nur für Malocher und andere ungebildete Menschen. Damals hießen die Luxusautos Opel Kapitän (1955) oder Opel Admiral (1965), und die Badewannen von Ford hießen Taunus 20 M und natürlich Mercedes-Benz 300 SE.

Zwischen Wackeldackel und umhäkelter Klopapierrolle auf der Hutablage lag in diesen Bonzenkarren sehr oft die tagesaktuelle Bildzeitung. Diese Luxusschlitten fuhr ganz bestimmt kein einfacher Arbeiter.

Das Gleiche bei McDonalds, als diese FastFoodKette nach Deutschland kam. Da geht niemand hin zum Essen: Einheitsessen ohne Geschirr. Nur wenn man in Düsseldorf an dem Laden an der Graf-Adolf-Str. vorbei kam (man ging um Himmelswillen nicht rein!), war es immer brechend voll. Alles nur gekaufte Statisten?

Heute können wir uns nicht vorstellen, dass es tatsächlich jemanden geben soll, der bei Mister Spex seine Brille kauft? Geht nicht, passt nicht – und die Zentrierung der Gläser, unmöglich! Aber irgendetwas ist passiert: Erst wurden Augenoptiker angeworben, die gegen ein Entgelt die Anpassung und die Messdaten für die Zentrierung aufnehmen sollten. Hach, wie haben wir gelacht, dass es solche Dummköpfe unter den Kollegen gibt, die sich dem Totengräber der Branche an die Brust werfen.

Inzwischen gründet das Unternehmen eigene Geschäfte mit dem Argument, man müsse die Anpassung und Abnahme der Zentrierdaten selbst, in eigener Regie, vornehmen, da die Optiker nicht den Qualitätsanforderungen der zentralen Fertigung entsprechen.

Bitte? So sprechen die über die mittelständischen Qualitätsoptiker? Dabei hat erst kürzlich ein Versender einsehen müssen, seine Werbung „in Optikerqualität“ einzustellen, weil ein Verbot dieser Aussage von einem deutschen Gericht unvermeidlich erschien.

Aber vor knapp vier Wochen gab der ZVA Gott sei Dank Entwarnung: Die Augenoptiker belegen im Kundenmonitor 2017 mal wieder einen Spitzenplatz mit der Note 1,7 (http://www.euro-focus.de/index.php/netnews/comments/zva-augenoptiker-sind-spitzenreiter). Der ZVA zu dieser Positionierung: Die Branche ist weiterhin auf einem guten Weg und muss die Online-Konkurrenz kaum fürchten.

Und die Warnung des ZVA gleich hinterher: Die Beschwerderate von 11,6 % zeigt allerdings, dass es in diesem Bereich durchaus Verbesserungspotenzial gibt. Denn selbst die Drogeriemärkte kommen in dieser Kategorie auf nur 3,3%.

Schließlich sollte man sich vor Augen führen, dass alle Welt von Überalterung der Bevölkerung in Deutschland spricht. Alle Augen weiteten sich vor 15 Jahren beim Gedanken auf einen Gleitsichtglasboom unvorstellbarer Umsatzgröße, der damit einhergehen wird. Und was ist daraus geworden? Der Boom ist ausgeblieben, es hat ihn nie gegeben!

Warum? Es gibt Lesehilfen an jeder Ecke für unter 10 €. Unglaublich, damit kann man sogar lesen, und zu Beginn wenigstens kann man sogar besser in der Ferne sehen und lesen. Und wenn tatsächlich jemand Kopfschmerzen bekommen sollte beim Lesen mit diesen Dingern, dann setzt man sie halt ab – und die Kopfschmerzen sind wie weggeblasen.

Was heißt das? Erstens kommt es anders als man zweitens denkt. Wie kommt es, dass die Stückzahlen verkaufter Brillen im Fachhandel sinken? Wenn Mister Spex tatsächlich so überdurchschnittlich wächst, ist dort und anderen ähnlichen Vertriebsform der Grund für sinkende Stückzahlen zu suchen? Zu viele Fakten werden in der Betrachtung ausgeblendet, weil sie nicht in das genehme und beruhigende Bild passen.

Das gilt insbesondere für die Berufspolitik. Die Selbstsicherheit, der erste Ansprechpartner sein zu wollen bei Problemen mit den Augen, ist anmaßend. Genauso anmaßend sind Screening und die Beurteilung des Augenhintergrundes und anderer möglicher Anomalien. Dabei wird übersehen, dass es Kräfte außerhalb des Einflussbereichs des ZVA gibt, die nur darauf warten dem Berufsstand ein Beinchen zu stellen.

Im HHVG kommt es daher. Während alle auf die Schlange Präqualifizierung starren, kommt der Schlag in den Nacken mit der Verfügung des BGA, Augenoptiker dürfen für Angehörige der Gesetzlichen Krankenkassen nicht refraktionieren – selbst nicht für die Ersatzbeschaffung. Jetzt haben die Verantwortlichen Schnappatmung, rufen nach dem Gesetzgeber, drohen mit gewichtigen Klagen.

Wird’s auf Dauer helfen? Ich denke nein. Augenoptiker sind Handwerker, darauf legt der ZVA großen Wert. Augenoptiker sind sogar Gesundheitshandwerker. Richtig, sie dürfen das gesunde Auge mit Korrektionsmitteln versorgen. Mehr nicht.

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Kommentare

  1. Benkhoff
    16.10.2017 um 16:27 Uhr

    “sie dürfen das gesunde Auge mit Korrektionsmitteln versorgen. Mehr nicht.”
    genau, und? reicht das nicht? will hier jmd wirklich noch “Augenarzt spielen”? Oder will wirklich noch jmd was mit den “kranken Kassen” zu tun haben? Präqualifizierung? Totgeburt. DIe Verarschen uns doch nach Strich und Faden!
    Und Mr.Spex wächst nur dank großzügiger Subventionen vom Wirtschaftsministerium. Von wegen “Standortförderung für strukturschwache Region”... crazy wahnsinn.
    Natürlich will unser Verband von Lobbyismus nichts wissen. Schade, und lächerlich.
    Eigene Filialen gründet Mr.spex (wow, welch radikal neues Geschäftskonzept!) nur, weil niemand mehr dessen Kunden die Brillen richten will. Viele Kollegen werfen die Spex-Kunden mittlerweile raus, denn aus Erfahrung lernt man! Sind trotzdem bei Spex weiterhin gelistet, damit es weiterhin für den Endverbaucher so aussieht, als ob Spex all diese Geschäfte besitzt!
    Es beschwert sich bei Drogeriemärkten übrigens niemand wg Kleinigkeiten und Nichtigkeiten wie bei uns, weil es in Dorgeriemärkten niemanden gibt, bei dem man sich “beschweren” kann. Manchmal gibt es eine Hotline!?! Aber interressiert es dort jmd? Nein, im Gegensatz zu uns Optikern, die auch völlig eindeutige Nicht-Garantiefälle in Selbstzerfleischung kostenlos regeln…
    nochwas: bei mir “boomen” die hochpreisigen Qualitäts-Gleitsichtbrillen mit Markengläsern, es gibt immer mehr “rich Rentner”!

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