Licht und Schatten: Die Opti 2020

18. Februar 2020

14.02.2020

Zu Beginn des Jahres ist die Opti das erste große Messe­event im Kalender der Augenoptiker und der Industrie. Sie vereint die Branche auf deutschem ­Boden ohnegleichen. Deren gesamtes Abbild ist darin zu finden. Doch selten hat eine Ausgabe der Opti so polarisiert wie die jüngste vom 10. bis 12. Januar. „Eine Halle zu viel“, „zu weite Wege“, „ungerechte Verteilung der Plätze“ oder „zu teuer“, „unsere Belange wurden nicht gehört“… um einige Aussagen zu zitieren.

Dabei hatte die GHM im Vorfeld vieles getan, um gute Stimmung zu verbreiten, ihre Entscheidungen zu rechtfertigen und in positive Botschaften zu verpacken. Dass das nicht zwingend notwendig war, konnte man an den Hallen 1 bis 3 ablesen. Hier strömten die Besucher in gewohnter Manier durch die Gänge. Es wurde gut geordert und die Stimmung war hervorragend. Das gesamte Messegeschehen war hier vollmundig und laut. 

Betrachtet man nur die nackten Fakten zum Vorjahresvergleich, so blieben die Besucherzahlen mit rund 28.000 auf ungefähr dem gleichen Niveau, während die Ausstellerzahl von 631 auf 605 leicht sank. Und so kann die GHM diese ­Opti zweifelsfrei als Erfolg verbuchen. 

Der Besucherstrom ebbte erst in Halle 4 deutlich spürbar ab. Daran konnte auch die Platzierung des Opti-Forums und der Showcase-Area nichts ändern. Durch das diagonale Layout der Messestände wurde sicher Schlimmeres verhindert. In Halle 5 wiederum freuten sich die Glasanbieter weitgehend über viel Publikumsverkehr und großes Interesse an vollen Ständen. 

Die Besucher sollten bedingt durch die Schließung des Haupteingangs auf zwei Eingänge gelenkt werden. Eingang Nordwest über Halle 1 mit dem Schwerpunkt Brillenfassungen und Nordost über Halle 6 mit dem Schwerpunkt Kontaktlinsen, Software und Geräte. Diese Lösung ging nur in Teilen auf, zwar erhöhte sich die Besucherfrequenz vor der Halle 6, doch die Besucher mussten sich hier zunächst über eine gigantische Freifläche hinweg zum Einlass begeben. Da bog so mancher ab in Richtung Besuchermagnet Brillenfassungen. 

Dieser luftleere Raum – das sogenannte Opti-Vakuum –, der u. a. den fehlenden Messeständen von Alcon und Bausch + Lomb ­geschuldet war, wurde nicht etwa dazu genutzt, teilnehmende Aussteller nach vorne zu ziehen; hier erwartete die Besucher vor allem ein großes glänzendes Nichts. 

Ein sehr stylischer Presse- und VIP-Bereich schloss sich an, der, außer gut auszusehen, seinen Zweck jedoch nur mäßig erfüllte. Ruhige Gespräche in angenehmer Atmosphäre waren hier nicht wirklich möglich, egal wie sehr die Sofaecken dazu einluden. 

Für das kommende Jahr wird es für die GHM und die Opti noch einmal spannend: Wie wird die Opti in Stuttgart angenommen? Wird der Ortswechsel ein Problem für die Messe? Der sehr frühe Termin ist eine andere Geschichte. Er verlangt den Ausstellern bereits einiges in der Vorweihnachtszeit ab und bringt sie an den Tagen kurz vor der Messe an ihre Grenzen. Die Nähe zu den Weihnachtsferien ist insbesondere in Stuttgart kritisch, denn in Baden-Württemberg sind sie erst am 11. Januar 2021 wieder vorbei.

Eine Veränderung ist immer ein Risiko, ich bin sicher, dass die GHM einen so signifikanten Ortswechsel nicht auf die leichte Schulter genommen hat, ohne sich der Konsequenzen bewusst zu sein. Daher denke ich, es ist wichtig nicht in einen allgemeinen Chor einzustimmen, bevor nicht jeder für sich selbst einen Faktencheck bezüglich des Standorts Stuttgart gemacht hat. 

Wir haben uns bei einigen Ausstellern umgehört und sie ­befragt: Wie war die jüngste Opti 2020 und planen Sie eine erneute Teilnahme in Stuttgart? Die Antworten darauf finden Sie in dieser FOCUS-Ausgabe ab Seite 18.

Silke Sage
FOCUS-Chefredakteurin

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