Lockdown

14. April 2020

15.04.2020

Es ist wie ein Tauchgang … die gesamte Menschheit hält für eine Weile den Atem an und wird nach dem ­Auftauchen aus diesem Vakuum etwas anders sein. Hoffentlich besser.* 

Wir haben in dieser historischen Zeit viel Neues erlebt, und wir werden am Ende mit Sicherheit viele Dinge gelernt haben. Beispielweise wie man den hygienischen Regeln nach korrekt Schlange steht, wie man einen Mundschutz korrekt anlegt oder wie man der Oma auf höfliche Weise im Geschäft sagt, sie möge doch bitte ihre nackten Finger nicht erst anlecken, bevor sie den Abholzettel überreicht. Man braucht außerdem weniger Klopapier in der Woche, als man denkt, Bihunsuppe braucht scheinbar kein Mensch (egal wie knapp Dosensuppen sind) und nein – grüne Nasenpads sind kein Notfall.

Eine wichtige Erkenntnis haben viele auf jeden Fall schon jetzt gemacht: Man wird zukünftig ganz sicher digital besser organisiert sein und „die Quarantäne“ hat selbst hartgesottene Homeoffice-Gegner in die Moderne katapultiert.  

Kamen die Schulunterlagen aus Grundschule und weiterführender Schule in der ersten Woche der Schulschließungen anfangs als schlechtkopierte Buchseiten, schief und scheel, als kaum lesbare JPEG-Datei daher, gab es in Woche zwei bereits hier und da ordentlich benannte PDFs mit nachvollziehbarem Inhalt und in Woche drei sogar schon eine Zoom-Konferenz.

In vielen Firmen wurden hektisch entsprechende Programme auf Privatrechner installiert oder sichere Lan-Kabel verlegt und tägliche Video-Konferenzen gehalten. Diese gaben auch unfreiwillig Auskunft über den langsam verlotterten Zustand vieler Wohnungen, was dem Umstand zu schulden ist, dass zu viele Menschen zeitgleich zu Hause sind.

Und als wäre es nicht genug, dass Netflix und Youtube ihre Streaming-Bandbreite zum Wohle der Menschheit und deren Homeoffice Aktivitäten reduziert haben, laufen derweil Whats­appgruppen über, und ein Meme jagt das andere zum Thema Coronavirus, Klopapier und Quarantäne. 

Der Lockdown betrifft uns alle, beruflich wie privat – und für die meisten von uns hängt das Eine mit dem Anderen eng zusammen. Ohne Kinderbetreuung ist Arbeiten schwierig, eingeschränkte Öffnungszeiten kommen dazu und ohne normalen Betrieb wird weniger verkauft. Weniger Verkauf: keine Bestellungen. Alles ist in dieser Zeit miteinander verwoben. Ich gebe es zu: Auch bei den Fachzeitschriften wurden Kampagnen und Anzeigen großer Glasanbieter storniert. So hat jeder sein Päckchen zu tragen.

Viele Großfilialisten haben früh reagiert und ihre Geschäfte teilweise geschlossen oder mit eingeschränkten Öffnungszeiten auf Notbetrieb umgestellt.

Mister Spex – wir ahnten es schon – hatte weniger Probleme, seine Geschäfte zu schließen. Kein Wunder, bei einem geölten Online-Shop ist es leicht, 21 analoge Filialen dichtzumachen. Kurz darauf kam prompt der gefürchtete Online-Sehtest. Eine Studie mit N=1 Teilnehmern bestätigte jedoch die Vermutung: Eine brauchbare Stärke kam dabei nicht heraus. Der Test hätte wahrscheinlich noch ein wenig durchgearbeitet werden sollen, bevor er sich vorzeitig über die Menschheit ergießt. Doch ich bin sicher: Mindestens ein Anbieter, der nach kurzem Ausflug in die Welt des reinen Online-Handels schnell auf die Mitarbeit von Partneroptikern in der ganzen Nation setzte, tüftelt derweil im Hinterzimmer an ähnlichem Gerät. Und dabei werden sie nicht die einzigen sein. Die Büchse der ­Pandora ist erst einmal geöffnet…

Es gibt auch Erfreuliches in dieser Zeit: In unserer Branche haben die Hochschulen, Fachhochschulen und Meisterschulen schnell reagiert. Einige hatten ihre Digitalisierung schon weit vorangetrieben und es stand bereits eine Infrastruktur. In das bestehende Konstrukt mussten nur Inhalte eingepflegt werden. Andere haben flexibel und schnell reagiert. Die Motivation bei den Studierenden ist hoch, heikel wird es für die Studierenden, die kurz vor dem Abschluss stehen und Aussicht auf ein bevorstehendes Masterstudium haben oder gar schon einen Job in der Tasche haben. 

Eine Frage stellt sich momentan jeder: Wann kann der derzeitige Lockdown in Deutschland wieder aufgehoben werden? Und vor allem, wie? Während Augenoptiker zumindest als eine der wenigen Attraktionen in den Innenstätten neben Rewe, Edeka und Penny als systemrelevantes Unternehmen weiterhin für gute Sicht sorgen dürfen, haben viele andere das Nachsehen. 

Wenn der FOCUS erscheint, ist die Welt wieder einige Tage älter, die Nachrichtenlage ist so dicht, dass wir uns entschlossen haben, den FOCUS kostenlos in der FOCUS-App für einen begrenzten Zeitraum zur Verfügung zu stellen.** Hier finden Sie aktualisierte Beiträge und Hilfe zu allen relevanten ­Themen in dieser schwierigen Zeit. 

Bleiben Sie gesund … oder sagt man schon: Werden Sie immun! 

 

*Jan Böhmermann in seinem Podcast „Fest und Flauschig“

**Freischaltcode: stubenhocker

Vorheriger Eintrag:

Covid-19

Nächster Eintrag:

Silberstreif?

Kommentieren