Munich International

15. Februar 2018

15. Februar 2018

Die Hetze während der Adventszeit, um die Januarausgabe des FOCUS unbedingt eine Woche vor der Opti versenden zu können, war nur auszuhalten mit der Aussicht, dass die Opti im nächsten Jahr erst Ende Januar stattfindet und die gesamte Produktionscrew dann in Ruhe Weihnachten und Silvester im Kreis der Familien begehen kann. Aber dann, im darauf folgenden Jahr, wird sich die Branche wieder gleich nach Neujahr in München treffen. Und so wird es bleiben, soweit man gucken kann.

Diese heutige Opti-Ausgabe sollte der Start sein für ein mehr internationales Publikum und internationale Aussteller. Der Anschluss an die Bedeutung der Mido in der Branche sollte damit eingeleitet werden. Fazit ist: Es war immer noch eine gewohnt deutsche Fachmesse mit an den Rändern eingestreuten asiatischen Ausstellern. So war die Halle B4 eine Notlösung, um dem immer stärker werdenden Druck asiatischer Aussteller nachzugeben, ohne eine durchgeplante Strategie anbieten zu können.

Wenn im nächsten Jahr die Opti zwei weitere Hallen anbieten kann, werden hoffentlich die Gänge zwischen den Ausstellern nicht mehr arg so eng sein wie dieses Mal. Denn mittags kam es doch zu wenig gemütlichem Geschiebe ähnlich wie in den 50er Jahren beim Weihnachtseinkauf in den Kaufhäusern. Andererseits haben sich nur wenige beschwert und die Aussteller konnten ihr Grinsen ob der Nachfrage nur unter Anstrengung unterdrücken.

Wenn im nächsten Januar tatsächlich die Hallen C5 und C6 dazu kommen, werden sich erfahrene Messebesucher ganz bestimmt an die alten Messehallen in Mailand erinnern: Man musste auf einer Empore hoch über den einzelnen Hallen gefühlte Kilometer weit laufen, um über Rolltreppen nach unten zu den Ausstellern zu gelangen. Um in die nächste Halle zu kommen, ging es erst wieder hoch zur Empore, um zur nächsten Halle wieder nach unten zu fahren. Aber wenigstens konnte man von oben runtergucken und das Getriebe dort unten verfolgen.

Wer heute über den Nord-West-Eingang die Opti betrat, sah Laufbänder als wollten sie kein Ende nehmen – im nächsten Jahr gehen sie bis zum Horizont? Und man wird einsam vorbeifahren an toten Restaurants, verriegelten Seminarräumen und anonymen Büros. Gut, laufen wenigstens muss man nicht müssen wie bei der alten Mido.

Und doch war es wichtig, endlich diesen ersten Schritt der Öffnung zu wagen und die Opti in Zukunft auf den direkten internationalen Wettbewerb der Fachmessen in Italien und Frankreich loszulassen. Die Messen in Shanghai und New York ziehen andere Ziel- und Interessensgruppen an. Ich bin überzeugt, die Opti wird in wenigen Jahren ein Schwergewicht sein, ein Muss im Messezirkus. Denn nichts fürchteten die italienischen Aussteller so sehr wie eine Deutsch organisierte Fachmesse mit internationalem Flair, weshalb sie vor zehn Jahren aktiv halfen die Optica endgültig zu zerstören.

Es war auch wichtig, die deutschen Maschinenbauer zu überzeugen, ihre zögernde Haltung aufzugeben und sich in 
München zu präsentieren. Und sie waren präsent, mehr aber nicht. In Zukunft wird sich das hoffentlich ändern und somit weitere europäische Aussteller – und vor allem Besucher aus den osteuropäischen Ländern und Russland – motivieren, das Wirtschaftsjahr in München zu beginnen.

Opti und der Anspruch international sein zu wollen. Dieser Anspruch ist beim Groß der Aussteller irgendwie noch nicht angekommen. Der Beobachter fühlte sich an das Zitat von Henry Ford erinnert: Sie können jede Farbe wählen, solange sie schwarz ist. Und in München, du kannst jede Broschüre in jeder Sprache haben, solange du sie in Deutsch möchtest.

Natürlich werden auch mittelfristig die meisten Besucher der Opti deutsche Augenoptiker sein. Aber vielleicht sollten die Aussteller ein paar Unterlagen in anderen europäischen Sprachen parat haben, sollte jemand nach Unterlagen in seiner Heimatsprache fragen.

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