Mutig!

16. Dezember 2019

16. Dezember 2019

Jedes Jahr aufs Neue lädt der Industrieverband Spectaris ein zum gemeinsamen Branchentreff in die Berliner ­Classic Remise. Für den 11. November 2019 wählten die Veranstalter ein Schwerpunktthema, das jeden Anwesenden als Teil der Gesellschaft betrifft und den Augenoptiker als Unternehmer in Zeiten böser Online-Konkurrenz und unfairer Elefantenhochzeit schlichtweg zu interessieren hat: Mut. 
Doch was bedeuten diese drei zusammengesetzten Buchstaben eigentlich? Tapferkeit und Courage wären umschreibende Begriffe. Aber eigentlich steht Mut bzw. das „mutig sein“ doch auch dafür, Entscheidungen zu treffen, die in ganz verschiedenen Kontexten so nicht erwartet werden – und deshalb den gewissen Unterschied ausmachen. Mut also als Ausnahme von der Regel. Dazu gehört dann in unternehmerischer Denke der Mut zu handeln und noch schnell Mit-Vorreiter zu sein oder auch „nur“ der Mut – in diesen ach so düsteren Zeiten – die Ruhe zu bewahren und nicht mit einzustimmen auf den Abgesang klassischer Augenoptiker. 
Wie ein roter Faden zog sich das Thema Mut durch den Tag. Mal mehr, mal weniger präsent war es, doch immer passend. Und überhaupt sind diese Schwerpunktthemen bei Veranstaltungen ja immer so eine Sache. Manchmal fragt man sich durchaus zu Recht schon im Vorfeld eines Events: Dient das Thema eher den Organisatoren, damit sie schlagwortmäßig nach den passenden Rednern suchen können? Oder wird damit tatsächlich ein Plan verfolgt, der über den reinen Selbstzweck hinausgeht? Und jetzt kommt es … Der letztere Fall darf hier angenommen werden. Kompliment an die Veranstalter! Gerade weil das Thema auch prominent im wahrlich wichtigen Kontext stattfand und weiter vordrang, als mutig genug zu sein, im Alltag Gewohnheiten zu hinterfragen – hervorragender und kurzweiliger Beitrag von Dr. Busch –, ist der Plan durchaus aufgegangen.
Und hier muss zuvorderst Prof. Heribert Prantl mit seiner ­Keynote genannt werden, der in seiner unnachahmlichen, mahnenden Art ein Plädoyer für Humanität und die Menschenrechte hielt. Wenn einer nachdrücklich Mut zur Demokratie und Mut zu Europa in diesen düsteren Zeiten fordern kann, dann Heribert Prantl – und das auch auf einem Branchentreffen der Augenoptik.
Während Prantl mit seinem leidenschaftlichen Appell, einer Rede, die im Bundestag so manch einen vom Handy fernhalten würde, am Morgen für einige Besucher als erster Beitrag zunächst etwas schwer wirkte, hat es doch spätestens im Nachgang bei vielen Anwesenden Klick gemacht. Auch sie wurden schlichtweg „geprantlt“. Und eines haben die mutigen Veranstalter damit ganz sicher erreicht. Danach war auch der müdeste Teilnehmer, der am Abend zuvor die gute Aussicht und die Getränke beim traditionellen Get-together genossen hatte, ganz bestimmt wach. Mit einem harmloseren, unverfänglicheren Einstieg in die Veranstaltung wäre sie höchstwahrscheinlich eine andere geworden.


Daniel Groß
FOCUS-Redakteur
 

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