Silberstreif?

15. Mai 2020

15.05.2020

Mit dieser FOCUS-Ausgabe sind wir in Monat drei der Corona-Krise. Seit Wochen befolgen Verbraucher und Unternehmer die Vorschriften zur Eindämmung des Coronavirus. Der Preis ist hoch. Jede Woche kostet es viele Milliarden Euro. Dabei trifft es einige Branchen härter als andere. Konnten Augenoptiker zumindest im Notbetrieb weiterarbeiten, so waren andere Betriebe komplett geschlossen. Die Verbindlichkeiten liefen derweil bei allen weiter. 

Und je länger die Einschränkungen im Lockdown anhalten, desto schwieriger war und ist es auch, jede einzelne Maßnahme auf Dauer zu rechtfertigen. Die Politiker hangeln sich durch zwischen den beiden Polen Gesundheit und Wirtschaft. Was ist wichtiger? Was vorerst in der Frage zu gipfeln schien: „Wer ist wichtiger?“ Was wiederum alarmierend die Ethiker auf den Plan gerufen hat.

Nach dem Lockdown kommen zum Zeitpunkt der Produktion dieser Ausgabe gerade wieder erste Lockerungen. Welchen Effekt diese auf die augenoptische Industrie und auf die ­augenoptischen Betriebe haben werden, ist an dieser Stelle nicht abzusehen. Doch wir können festhalten: Größere Ketten kehren wieder zurück zu normalen Öffnungszeiten, freilich mit besonderen Sicherheitsauflagen. Kontaktlinsen werden teilweise wieder angepasst und auf den Webseiten der großen Filialisten dominiert der Hinweis zur aktuellen Lage zum
Infektionsschutz nicht mehr die Startseiten.

Bewährt hat sich in vielen Betrieben eine vorherige Terminabsprache, um die Personenmenge im Geschäft einzuschränken. Selbst ohne Corona gibt es sicher Kollegen, die schon lange davon träumten, zu irgendeiner Zeit mehr als zwei Kunden gleichzeitig bedienen zu können. 

Auch die Produktionen kehren vorsichtig wieder zurück in einen neuen Alltag. In der Krise sind viele Firmen über sich selbst hinausgewachsen mit spontanen Angeboten und hilfreichen Ideen. Einige stellen wir in dieser Ausgabe vor. Statt Reinigungsflüssigkeiten wurden beispielsweise Handdesinfektionen hergestellt, statt Messbrillen Gesichtsschutzvisiere zum Selbstkostenpreis produziert. Ein Glasanbieter lieferte unbürokratisch Lagergläser, die rückwirkend gutgeschrieben werden. Um nur ein paar Beispiele zu nennen. Einige dieser Ideen werden die Krise weit überdauern. Es werden sicher Anpassungen vorgenommen, doch es wurde etwas Hilfreiches und Nachhaltiges erschaffen. 

Das gilt auch für den digitalen Vorschub in einer Welt, die sich manchmal eher schwer damit getan hat. Auch die Politik kann hiervon ein Lied singen, wenn zum ersten Mal digitale Parteitage stattfinden.

Und auch für die Home-Schooling geplagten Eltern gibt es wieder einen Silberstreif am Horizont. Um wieder einer ­geregelten Arbeit nachgehen zu können und wertvoller Teil des Wirtschaftskreislaufes zu sein, sind Schul- und Kitaöffnungen wichtig. Denn der ganz normale Alltagswahnsinn heißt aktuell noch: Arbeit und Home-Schooling unter einen Hut zu bringen, was besonders für Personen im Einzelhandel kaum zu bewerkstelligen sein dürfte.

Als Mutter schulpflichtiger Kinder habe auch ich im wahrsten Sinne alle Hände voll zu tun, die Fassung zu bewahren, wenn der 2.-Klässler seine Osterhasengeschichte Ende April immer noch nicht gelesen hat und ich heimlich mit dem Iphone-­Rechner hinter meiner 6.-Klässlerin die Bruchrechnungsauf­gaben checke. 

Mathe, Deutsch, Englisch, Geschichte, Bio, Erdkunde, Physik – jeden Tag moderiere ich die Lehrpläne, suche die wirren E-Mails, der manchmal technophoben Lehrer heraus, verteile an die Kinder Ipads, Laptop und Butterbrote … und ich bin jetzt schon auf meine Noten gespannt.

Die Corona-Krise hat uns den größten Wirtschaftseinbruch seit dem Ende des 2. Weltkriegs beschert. Doch die staatlichen Hilfsmittel wurden schnell und unbürokratisch eingesetzt und sind im Vergleich zu anderen Ländern beispiellos. Jedes ­gesunde Unternehmen soll gerettet werden, dazu wird seit Wochen aus dem Vollen geschöpft. Ab Seite 22 haben wir für Sie die wichtigsten Finanzhilfen und Sonderregelungen dazu zusammengefasst.

Für die Pessimisten gibt es scheinbar keinen positiven ­Outcome aus dieser Krise. Die Optimisten haben sich angepasst, Gesichtsmasken genäht, Aktionen gestartet oder Aktien gekauft. Was uns alle im Herbst erwarten wird, kann momentan niemand sagen. Alles ist möglich. Doch die Welt muss sich weiterdrehen.

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