Still ruht der See

25. September 2018

25. September 2018

Seit Tagen zermartere ich mir den Kopf, zu welchem Thema ich wohl den aktuellen Brennpunkt schreiben könnte. Schließlich warten die Herrin über den FOCUS, Silke Sage, und ­Debora Gilsebach auf meinen Text für die Ausgabe ­September. Es wird langsam Zeit.

Aber bleiern ruht der See der News und Aufgeregtheiten in der Branche. Nichts, gar nichts bewegt sich, niemand zerreißt sich sein Maul über was auch immer. Nicht das leiseste Lüftchen ist zu spüren. Berufspolitisch total tote Hose. Sind die alle im Urlaub? Die Präqualifikation wird nur noch knapp im Hintergrund abgehandelt, scheint kaum jemanden zu tangieren.

Es gibt zwar ausreichende Stellenangebote für junge Menschen, die den schönen Beruf des Augenoptikers erlernen möchten, es gibt für die Betriebe auch überall genügend Nachfragen; das hat eine nicht repräsentative bundesweite Umfrage der FOCUS-Redaktion ergeben. Praktisch alle Interessenten können bei einem Augenoptiker unterschlüpfen und es bleiben kaum Lehrstellen unbesetzt. Dabei weiß die Branche, dass etwa ein Drittel aller Lehrlinge noch vor der Gesellenprüfung das Handtuch wirft. Ein weiteres Viertel wechselt später den Beruf oder geht in die Industrie.

Und nach den Prüfungen zum Meister, Bachelor oder erst recht zum Master verlassen auch von denen sehr viele den Beruf endgültig. Absolventen der Studiengänge zum Master lehnen die Arbeit in einem Einzelhandels-Handwerksbetrieb bis auf Einzelfälle grundsätzlich ab.

Aber auch darüber regt sich niemand auf. Anstrengungen, den Beruf attraktiver zu gestalten, werden höflich und akademisch diskutiert – aber schließlich sind wir Handwerker. Der akute Mangel an qualifizierten Augenoptikern wird aber ­ohne erkennbare Strategien nicht beseitigt. Der Beruf des Augenoptikers erscheint von außen betrachtet attraktiver und ­abwechslungsreicher als es die Realität hergibt.

In dem Zusammenhang sei die Frage erlaubt, warum sich der Beruf immer noch Augenoptiker nennt. Ein Augenoptiker ist ein Handwerker. Ist dieser Beruf aber noch der eines Handwerkers? Man will lieber Dienstleister sein, klingt besser und hat nicht das Odeur nach Klemptner oder Anstreicher.

Aber wie ist es mit dem Handwerk zu vereinbaren, dass der praktische Teil der Gesellenprüfung 1:1 als meisterliches ­Können in den Meisterbrief übernommen wird? Erkennt denn niemand den Widerspruch? Ist Brillebiegen genug manuelle Tätigkeit, um das als handwerkliches Können zu deklarieren im Vergleich zum Automechaniker?

Fielmann, Apollo, Internethandel sind längst keine Aufreger mehr, sind Alltag, man hat sich arrangiert.

Gut, da gab es ein wenig Gekräusel an der Oberfläche wegen des Artikels im Stern mit mittlerweile historisch zu nennenden Vorwürfen gegen Augenoptiker. Der Beitrag hat die alten ­Diadochenkämpfe von vor 25 Jahren etwas aufpoliert und als neu verkauft. Die zu Tränen rührende Replik einer offensichtlich jungen Augenoptikerin war nett, mehr nicht.

Die Fachschulen und Hochschulen kämpfen darum, ihre Studiengänge auszulasten, weil die Verwaltung ihnen sonst Professoren und andere Ressourcen streicht. Als ob die alt gedienten Schulen in Berlin, Köln, München, Aalen oder ­Jena nicht ausreichten, und weil Konkurrenz das Geschäft belebt, muss sich der eine oder andere Landesfürst ein Denkmal setzen und eine eigene zusätzliche Hochschule gründen.

Und weil es genug Ausbildungsstätten gibt, die das ­gesamte Spektrum der Augenoptik bedienen, spezifiziert man sich auf kleinste Nebennischen.

Die Ferienzeit ist mittlerweile vorüber, und wir trotten in den Herbst, nehmen die Silmo als Ausrede für ein verlängertes Wochenende in Paris, machen Business as usual, nehmen noch die Herbstveranstaltungen und gerne noch ein Wochenende in Berlin zum Trendforum mit und bald ist schon Weihnachten.

Guten Rutsch.
 

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