Termine

15. Dezember 2020

15. Dezember 2020

Termine, Termine, Termine – so sind wir es ja eigentlich gewohnt in der Vorweihnachtszeit. Besonders im ­Dezember verwalten wir, neben der Hatz nach Geschenken, nur mühevoll unsere mit zahlreichen Veranstaltungen gespickten Terminkalender. Von Treffen auf dem Weihnachtsmarkt mit alten Freunden und Bekannten, die man nur einmal im Jahr sieht, bis zu dem gerade in kleineren Unternehmen obligatorischen, feucht-fröhlichen Betriebsausflug: Gemein war allen, dass es immer in einem Wettrennen um den besten Platz am Glühweinstand gipfelte und auch darum ging, wer die dicksten und wärmsten Socken anhatte. 

Nun kommt es dieses Jahr mal ganz anders mit diesen Terminen. Wenngleich sie per se in 2020 eine wichtigere Rolle einnahmen, als sie es wohl je zuvor im Geschäftsalltag des Augenoptikers taten. Denn was könnte überdauern aus dieser Corona-Pandemie, die wir hoffentlich durch den andauernden gemeinsamen Kraftakt bald weitgehend in den Griff bekommen? Einer Zeit, in der wir uns alle anpassen an sich ändernde Umstände, die im wirtschaftlichen Kontext für viele Branchen, zum Glück nicht für die systemrelevante Augenoptik, existenzielle Konsequenzen haben. 

Wenn sie dann schon kommt, die Corona-Pandemie, mit dem ganzen Schlamassel, den sie anrichtet, sollten wir doch daraus lernen und ja, sie darf uns sogar positive Überbleibsel hinterlassen. Ob wir diese annehmen wollen und adaptieren, steht auf einem anderen Blatt geschrieben. Aber vielleicht sind wir es gar kommenden Generationen schuldig, dass wir ihnen aus widrigen Zeiten – neben einem Haufen Schulden – auch Perspektiven mitgeben für die neue, neue Normalität (die Zeit nach Corona).

Bestehen solche Chancen vielleicht darin, das Thema Work-Life-Balance dauerhaft ernsthaft anzugehen. Oder muss der Augenoptiker unbedingt wieder erst um 20 Uhr Feierabend haben, weil er ja auch davor rund um die Uhr geöffnet hatte? Aber könnte man hier nicht einmal die daraus gewonnenen Erkenntnisse für eine Neubetrachtung in Erwägung ziehen? Der Kunde hat es doch trotzdem, wenn er wirklich wollte oder musste, ins Geschäft geschafft.

Und wie steht es mit den Termin-Vereinbarungen im Geschäft, die in Corona-Zeiten zum großen Thema geworden sind? Dass mit gezielter Beratung und geblockter Zeit für Kunden, die sich auf den Termin zumindest mit ersten Wünschen vorbereiten, ein entsprechend höherer, regelmäßiger Ertrag rauskommen sollte, scheint klar. Hinzu kommt aber noch das Mehr an Spaß an der Arbeit. Die Aussicht auf eine vernünftige Beratung und einem zufriedenen Kunden mit wahrscheinlichem Verkauf scheint ein guter Ansporn zu sein.
Aber der spontane Kauf bleibt dabei auf der Strecke. Auch gibt es den Zwiespalt: Lasse ich 5 Minuten vor Termin des nächsten Kunden noch schnell den Spontanen rein, der auch schon die gezückte Kreditkarte in Händen hält? Oder riskiere ich dann, den Terminkunden zu vergraulen, wenn er etwas warten muss. Auch hier könnten die jüngsten Erfahrungen, ordentlich evaluiert, zum Ziel führen. Vielleicht wäre ja schon eine deutliche Erhöhung der Termine ein großer Zugewinn für alle.

Zur aktuellen neuen Normalität gehört es auch, dass Veranstaltungen wie das Spectaris-Trendforum ins Netz wandern. Der betriebene Aufwand kann mit vorherigen Jahren mithalten und ist bewundernswert. Zeigt der Eifer doch, dass neue Wege nicht halbgar gegangen werden. Ob sich das auf längere Sicht wirtschaftlich tragen kann, weiß zurzeit keiner. 

Und noch viele weitere Termine erwarten uns Anfang nächsten Jahres im Netz: So kündigten schon viele Unternehmen an, das Vakuum durch die abgesagten Messen mit Online-Messen aufzufüllen. Ja, Messen! Denn ob sie nun OnlineStylingShow, Streaming Wundertage oder dergleichen heißen, es sind und bleiben Veranstaltungen, die primär darauf abzielen, dem ­Augenoptiker das Geld aus der Tasche zu luchsen – natürlich mit adäquatem Gegenwert dafür. Nämlich den neusten Brillenfassungen und -gläsern, modernsten Refraktionssystemen etc. Und wird nicht direkt gekauft, dann doch irgendwann später, wenn der konkrete Bedarf da ist. Spätestens dann erinnern Sie sich, dass es da doch diesen Hersteller mit der verrückten Idee im Netz und den für Sie passenden Produkten gab.

Das alles ist ja auch völlig in Ordnung, keine Frage. Denn jeder profitiert. Der Augenoptiker spätestens, wenn die neue ­Brille im Geschäft an den Kunden gebracht wird. Bei der ganzen Kreativität, die mit der Namensfindung an den Tag gelegt wird, sollten die Veranstalter nur aufpassen, dass der Augenoptiker von nebenan noch weiß, woran er da eigentlich teilnehmen soll. Also an alle: Bitte nicht falsch verstehen.

Eine gesunde Weihnachtszeit, ein schönes Fest mit Ihren ­Lieben und kommen Sie gut in ein hoffentlich besseres Jahr 2021.

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