Was kommt?

16. September 2019

16. September 2019

Nur wer weiß, woher er kommt, weiß, wer er ist – dieser leicht angestaubte Spruch hat jedoch nie seine Bedeutung verloren. Für FOCUS-Neuankömmlinge gab es seit jeher eine Tradition: In den ersten Tagen im Verlag setzte sich Jörg Spangemacher gegenüber an den Schreibtisch und erzählte. Er führte die jungen Redakteure auf eine Zeitreise zurück in die Anfänge der 80er Jahre. Wie sah es zu dieser Zeit in der Augenoptik aus? Welche Kämpfe wurden ausgefochten und wer waren die Schlüsselfiguren? Was zunächst nach Anekdoten aus längst vergangen Tagen klang, bekam schnell handfeste Züge, um den Werdegang der deutschen Augenoptik besser einschätzen zu können. Jörg Spangemacher hat die Augenoptik so eng begleitet wie kaum ein anderer – und er hat sicher viele Male Akteuren aus Innungen und Industrie mit Fug und Recht auf die Füße getreten. Jörg Spangemacher hat nun an ­seine Mitarbeiter übergeben und sich aus dem ­aktiven Berufsleben zurückgezogen.
Auf uns kommen nun neue, ganz andere Herausforderungen zu. Die deutsche Augenoptik steht momentan in ihrer Gänze vor einem Wandel. Was noch vor einem Jahrzehnt mit einem beruhigten Ausatmen quittiert wurde, wenn große Zusammenschlüsse auf dem Weltmarkt den deutschen Augenoptikmarkt nur touchierten, wird nun zur Realität vor der eigenen Haustür.
Die Meldung Anfang des Jahres, dass Essilor­Luxottica den Onlinehändler Brille24 übernommen hat, ist gemessen an dem, was kommt, nur eine leichte Brise. Der Paukenschlag kam im Sommer. EssilorLuxottica plant die Übernahme von GrandVision. Wenn das geschieht, gehört dem Giganten das Filialnetz von Apollo-Optik, einem der schärfsten Konkurrenten des mittelständischen Augenoptikers. 
Die Tragweite bei einer Übernahme wird sich dann langsam vor unseren Augen entfalten. Ob die Branche wie das Kaninchen vor der Schlange ausharrt oder sich intelligent zu wehren weiß, wird die Weichen für die Zukunft der traditionell betriebenen Augenoptik stellen.
Für Konsumenten ist dieser geplante Zusammenschluss nur wenig durchschaubar. Nicht umsonst schreiben Verbraucherzeitschriften wie das ­Handelsblatt von der „Ray-Ban-Firma“, die „Apollo kauft“. Der Kunde kennt die Zusammenhänge nicht, weiß nicht, was sich genau hinter Essilor oder ­Luxottica verbirgt. Ray-Ban-Brillen trägt das Schulkind bis zur Oma und Apollo kennt man auch. Das ist das Geschäft in der Fußgängerzone ganz in der Nähe von Fielmann – in dem jedoch selten etwas los ist.
Dass sich das ändern wird, wenn das Filialnetz von einem rein erfolgsorientierten Unternehmen geleitet wird, sollte auf der Hand liegen. Apollo hat mit einem Filialnetz von (nach eigenen Angaben) rund 800 Geschäften in besten Lagen eine perfekte Infrastruktur. Alles was hier noch fehlt sind ein besseres Marketing, eine klügere Kundenansprache und motiviertere Mitarbeiter. Die großen Brands sind automatisch im Gepäck. Und alles aus einer Hand. Sollten diese Filialen ähnlich erfolgreich wie der große Konkurrent Fielmann agieren, bekommt der bereits ausgeschlachtete Augenoptik-Kuchen ein weiteres großes Stück herausgerissen.
Durch den verschärften Wettbewerb wird sich die Marktmacht innerhalb der Branche ändern. Der FOCUS wird diese Entwicklungen wie gewohnt wachsam begleiten und unsere Leser mit Impulsen und Informationen versorgen, um sich weiterhin am Markt erfolgreich zu behaupten. 
Silke Sage
FOCUS Chefredakteurin

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Tschüss

Kommentare

  1. Thomas Müller
    26.09.2019 um 13:22 Uhr

    Ja, das wird spanend…
    Was EssilorLuxottica in die Hand nehmen, wird sehr wahrscheinlich auch sehr erfolgreich.
    Das haben die letzten Jahre gezeigt.
    Ein Wehmutstropfen in Ihrem Artikel:”...und motiviertere Mitarbeiter.”
    Apollo-Mitarbeiter somit als unmotiviert zu bezeichnen tut auch mir weh. Und besonders den Kollegen.
    Wir wünschen dem Unternehmen weiterhin motivierte Mitarbeiter.
    Motivierte Grüße aus dem Allgäu
    Thomas

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