Was noch, außer Augenoptik?

15. August 2018

Augenoptik ist ein schöner Beruf

Augenoptik ist ein schöner Beruf. Augenoptik ist ein abwechslungsreicher Beruf. In der Augenoptik kann man reich werden – zumindest als Geschäftsinhaber. Von außen betrachtet kann man Augenoptik auch als immer gleiche Tretmühle erkennen: Brillenfassungen in rot, grün, havanna usw., Metall, Kunststoff, gebohrt, mit Faden, rund, eckig, panto, halb kaschiert. Über 80% aller Refraktionen im Bereich ± 2,0 mit ein bisschen ­Zylinder und nur selten ein Prisma. Billige industrielle Produktion, teurer Straßenpreis.

Das war’s? Sicher nicht, denn eine erstaunliche Anzahl investiert das Geld, das beim Betreiben eines Handwerkunternehmens erwirtschaftet wird. Zumindest früher, als das Geld noch in Strömen floss, kaufte der eine oder andere ganze Straßenzüge in seiner Heimatstadt auf. Andere investierten in Flugzeuge, von denen der eine oder andere sich im Landeanflug auf den Flughafen Düsseldorf in den Baumwipfeln ­verhaspelte und so für immer verabschiedete. Wieder andere haben in Mallorca ihre Boote liegen oder verbringen ihren Urlaub dort auf ihrer Finka, die nach dreißig Jahren einen unermesslichen Wert hat. Von den Häusern und Wohnungen auf Sylt oder Koh Samui will ich gar nicht erst schreiben.

Inzwischen ist es modern geworden, lokale Marktführer aufzukaufen, wenn dort ein Generationswechsel ansteht. So sind seit ein paar Jahren unsichtbare kleine, regional starke Kettenunternehmen mit zentraler Führung entstanden. In diesen Fällen wurde in die Stärkung des Mittelstandes investiert.

Aber dabei geht es wieder nur um Augenoptik-Geschäfte. Fällt denn niemandem etwas ein, was man mit diesem Geschäftsmodell noch anstellen kann? Vor meinem geistigen Auge lese ich schon den Widerspruch derjenigen, die eine Abteilung für Sportoptik, Sehbehinderung, Homöopathie, Sehtraining oder ganzheitliche Optometrie eingerichtet ­haben, oder aus diesen Spezialgebieten ein eigenständiges Geschäftsmodell zu entwickeln versuchen.

Ja, alles richtig. Kann niemand etwas mit seinen unternehmerischen Gedanken anderes machen als letztlich immer nur Brillen oder Kontaktlinsen zu verticken? Vielleicht eine Unternehmung zu gründen mit dem Wissen eines Augenoptikers, aber jenseits der überlieferten Grenzen?

Eine weitere augenoptische Fachzeitschrift zu entwickeln ist heute ein wenig Erfolg versprechendes Unternehmen (­schreibe ich natürlich nur zum Selbstschutz). 

Es müssen nicht gleich Rieseninvestments sein, bei denen es ­harte Gespräche mit den Banken geben wird. In New York stellte jemand automatisierte Brillenwaschanlagen vor. So ein Gerät steht vor der Ladentür. Drei oder fünf Euro, bezahlt wird mit seiner EC- oder Kreditkarte. Eine Tür öffnet sich, die Brille wird reingehängt, und nach ­Drücken des Startknopfes wird die Brille ähnlich wie in der häuslichen Waschmaschine gewaschen. Nach zwei Minuten kann sie sauber und trocken entnommen werden. Lohnt sich natürlich nur in einer Lage mit großem Publikumsverkehr: Hauptbahnhof, Flughafen oder an einer der großen ­Einkaufsmeilen.

Für die Kunden ist das ein schnelles Serviceangebot im Vorübergehen, ohne lästiges Betreten eines Geschäftes, bei dem ­angeblich immer der Versuch eines aufgedrängten Verkaufsgespräches lauert. Der Vorteil für den Augenoptiker, kein lästiges Bedienen des Ultraschallgerätes mit der Gefahr, dass der Kunde dann auch noch kostenlos seine Brille gerichtet haben will.

Der Nachteil ist, jedermann kann sich so eine Kiste vor sein Geschäft stellen und damit einem Augenoptiker den Umsatz streitig machen. Letztlich ist es eine unternehmerische Entscheidung, die unter Umständen auch erweitert werden kann. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt, aber wie viel kann davon realisiert werden?

Hat schon mal jemand daran gedacht, in der Werkstatt einen der hochmodernen kleinen Oberflächengeneratoren für Brillengläser inklusive Beschichtungseinheit zu installieren? Man könnte dann seine eigenen individualisierten und personalisierten Mehrstärkengläser herstellen. In der Zwischenzeit könnte der Kunde seine Einkäufe erledigen. Richtig, in der Vergangenheit versuchten sich in Düsseldorf ein paar amerikanische Investoren an diesem ­Geschäftsmodell. Sie scheiterten innerhalb kürzester Zeit kläglich, weil Düsseldorf nicht in den endlosen Weiten der amerikanischen Prärie liegt. Dort war so ein System immer erfolgreich.

Das ist lange her. Die Technologie heute ist unendlich viel weiter, und die notwendigen Investitionen realisierbar, wenn jemand einen Investitions- und Businessplan vorlegen kann.

Die Thailandurlauber sind auf dem Flug hin und zurück jeweils mindestens zwei Stunden in den Transitzonen von Dubai oder Abu Dhabi eingesperrt. Dort kann man selbstverständlich Sonnenbrillen in jeder erdenklichen Version kaufen. Warum ist eigentlich noch nie jemand auf die Idee gekommen dort ein augenoptisch, optometrisches Fachgeschäft zu installieren inklusive Eigenfertigung korrigierender Gleitsichtgläser? Die zwei Stunden reichen für eine professionelle Beratung und Augenglasbestimmung gegen Vorkasse. Auf dem Rückweg kann die fertige Brille abgeholt werden.

Und weil Kreuzfahrtschiffe einen Boom sondergleichen erleben, warum nicht mal das Undenkbare denken und auf einem Schiff ein Fachgeschäft mit Eigenfertigung von Brillengläsern einmieten? Die potenziellen Kunden haben Zeit und Muße, sie sind spendabel und kaufen sicher keine Nulltarif-Brillen.

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Kommentare

  1. Müller Thomas
    04.09.2018 um 10:58 Uhr

    ...gib mir dafür die qualifizierten Mitarbeiter und den notwendigen Rohertrag, dann denk ich über so ein Investment nach…einfach Geld verbrennen - daran bin ich nicht interessiert.
    Thomas

  2. Frank Schmidt
    18.09.2018 um 10:30 Uhr

    Dieser Artikel strotzt nur so von ungebildeter Arroganz. Warum es diese Ideen nicht gibt, ganz einfach, weil sie Quatsch sind. Die Kunden wollen ja einen Ansprechpartner haben. Drückt die Brille kann ich ja schlecht nach Dubai oder aufs Schiff zurück. Geld verdienen die Optiker aber immer noch mit der Brille. Daher gibt es auch kaum jemanden der sein Glück mit anderen Angeboten sucht. Und schlussendlich hat Thomas Müller recht. Für Innovative Ideen braucht man qualifizierte Arebiter. Und gute Leute Arbeiten nicht für das Geld, was in der Augenoptik gezahlt wird.

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