Mittwoch, 15. Februar 2012
Das unglaublich dilettantische Management der optica in der F+O-Zweieinigkeit von Randolf Rodenstock und Harald Russegger in Person als Hauptgeschäftsführer des alten Industrieverbandes F+O hatte es nach vielen Anstrengungen doch noch geschafft diese Fachmesse im Stammland der modernen Augenoptik zu zerstören. Ein Namenloser aus Österreich, der mit seiner Messe in Salzburg gescheitert war, stieß in diese offene Flanke und gab der optica schließlich den finalen Gnadenstoß.
(Interessierte können dieses quälende Dilemma heute noch in den FOCUS-NetNews verfolgen, die seit dem 1. Dezember 1998 täglich aktuell auch über den Niedergang der optica berichteten.)
Die großen italienischen Fassungsanbieter witterten Morgenluft, verließen die optica und Köln und warfen alles auf die opti in München. Ursprünglich als regionale Alternative zur optica geplant, wuchs diese Veranstaltung dem Initiator überraschend schnell über den Kopf. Solange die Italiener sicher sein konnten, dass ihnen mit der opti keine Konkurrenz zur MIDO erwachsen würde, stützten sie diese Münchner Regionalmesse – so sah ihr Kalkül letztlich aus.
Das änderte sich zunächst auch nicht, als die opti in die neue Messe in München zog. Dort wurde endgültig die Unfähigkeit Arno Jägers aufgedeckt, mehr als eine kleine regionale Messe zu organisieren. Die GHM übernahm 2008, und die Italiener entschwanden. Ihnen schwante Böses nach der Erkenntnis, wenn die Deutschen etwas richtig in die Hand nehmen, wird es eng. Dann könnten die unter Umständen auch der MIDO gefährlich werden. Um diese Gefahr im Keim zu ersticken, zogen sich die Italiener ganz von der opti zurück und versuchten ihr Glück in sogenannten Roadshows wenige Tage vor der Messe.
Die GHM übernahm die Messe einer Branche, zu der sie bis dato keinerlei Kontakte hatte. The Show must go on – aber wie und wohin sollte sie sich entwickeln? Die Silmo in Paris war noch stark als zweite internationale Fachmesse im Oktober. Zunächst kümmerte sich Dieter Dohr darum, die opti zu stabilisieren und konzentrierte sich auf den deutschen Markt und die angrenzenden östlichen Staaten. Und gleichzeitig warb er viele der abge-sprungenen Aussteller zurück. So war die Roadshow nur ein -relativ kurzes Intermezzo.
Knirschend mussten die großen italienischen Hersteller klein beigeben und letztlich doch auf der opti ausstellen. Sie können auf die Präsenz auf einer deutschen Messe nicht verzichten, wollen sie auf dem lukrativsten europäischen Markt nicht Boden verlieren.
Mit der Entscheidung, eine augenoptische Fachmesse im Januar zu veranstalten – ein Datum, das ich schon in den 90ern mehrmals angeregt und gefordert hatte – wurde ein strategisch bester Platz im Konzert der internationalen Messen besetzt. Die immer stärkere internationale Bedeutung der opti wurde dieses Mal durch die wachsende Zahl internationaler Aussteller und Besucher bestätigt.
Denn, wer im Januar schon die wichtigsten Neuheiten gesehen hat, was kann der ein paar Wochen später in Mailand noch Neues finden? Im nächsten Jahr wird diese terminliche Nähe wirklich für alle problematisch: Die opti öffnet ihre Tore vom 25. bis
27. Januar. Das chinesische Neujahr ist am 10. Februar. Das -bedeutet, die Messe in Shanghai wird um den 22. Februar veranstaltet. Und die MIDO gibt es dann Anfang März? Welche Knaller gibt es dann noch als Neuheiten zu sehen?
Die Kollision der Termine durch die Terminverschiebung der MIDO vor ein paar Jahren hat schon in diesem Jahr zu beträchtlicher und deutlich vorgetragener Missstimmung unter den großen internationalen Ausstellern geführt. In diesen heftigen
Diskussionen kam erstmals, aber unüberhörbar, die opti als idealer alternativer Messeplatz zum idealen Termin für Aussteller und Besucher ins Gespräch.
Wobei auch immer intensiver über Sinn oder Unsinn großer internationaler Messen nachgedacht wird. Die Folgen konnten in Paris schon deutlich beobachtet werden – die Verschiebung in den Oktober und der neue Messestandort weit draußen, vor den Toren der Stadt, haben der Attraktivität enorm geschadet. Eine Trendwende in Richtung nationale Ausrichtung der Aussteller und Besucher wurde mittlerweile erkennbar.
Das größte Manko in der Entscheidungsfindung aber, wann, wo und wie man ausstellen will, liegt darin, dass keiner der großen internationalen Konzerne eine globale Marketingabteilung hat mit grundsätzlichen strategischen Aufgaben, die für alle Töchter verbindlich sind, ohne die regionalen Besonderheiten aus den Augen zu lassen. Heute kann jede nationale Niederlassung mehr oder weniger machen was und wie sie es will. Unglaublich, aber wahr, die Konzernzentralen wissen nicht einmal unbedingt, welche Teilsortimente in den einzelnen Ländern vertrieben werden; egal ob direkt oder über Importeure und lokale Großhändler.
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