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Montag, 15. Dezember 2008

25 & 30 Jahre

15.12.2008

In der vorigen Ausgabe des FOCUS konnten Sie darüber lesen und in dieser Ausgabe ebenfalls. Vor dreißig Jahren wurde ein Sakrileg begangen, heiliger Boden wurde entweiht: Die erste Marketinggruppe formierte sich. Und alle Welt sah die Branche im Chaos von Sodom und Gomorra versinken. Das kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen, Marketinggruppen gehören nach einem Vierteljahrhundert einfach zum Bild der Branche.
Die Gründung von Opticland war etwas Besonderes, denn es taten sich die damaligen regionalen Schwergewichte und Deutschlands älteste Filialunternehmen zusammen und bündelten den Einkauf. Selbst Foto-Quelle Chef Schmechtig war entsetzt, denn es bestand zumindest die Möglichkeit, dass die Mitgliedsunternehmen versuchen könnten seine Vormachtstellung zu unterminieren.
Der ZVA fürchtete, und fürchtet heute noch, dass seine Macht und sein Einfluss bei den mittelständischen Augenoptikern sinken könnten. Und weil es keinen Gott neben dem ZVA geben kann, wurden alle Bemühungen verteufelt, etwas Ähnliches wie die Opticland zu gestalten. Das ist längst vorbei, und der ZVA selbst hat die Veränderung angestoßen.
Wer hat heute noch den Überblick, welche Gruppierungen es überhaupt gibt, welche seriös sind, welche reine Thekenmannschaften sind, welche unter den buntesten Mäntelchen ausschließlich dem wirtschaftlichen Vorteil ihres Mentors dienen. Und mancher Pleitier der Branche, im seriösen Mäntelchen daherkommend, verspricht seiner Klientel, die Marktgesetze neu definieren zu können im Kampf gegen Fielmann und Apollo.
Es hat die kuriosesten Blüten gegeben. Wenn’s dem Esel zu wohl ist, geht er aufs Eis. Unter dieser Prämisse gründete der ZVA die AMA und lieferte damit ein jahrelanges Schauspiel seiner Einfalt und Unfähigkeit wirtschaftliche Strukturen aufzubauen. Ein unglaubliches Feuerwerk an Dilettantismus und Fehlentscheidungen bis zum Vorwurf der Unterschlagung steuerbegünstigter Fördergelder beherrschten die Geburtswehen dieser Gruppe. Aber auch bei der AMA ist längst Business as usual eingekehrt.
Die Optogena war die erste Gruppe, die im Konkurs abgewickelt wurde. Optik Aktuell fallierte in einem bühnenreifen Spektakel, in dem Vorwürfe von Betrug und Unterschlagung mit schwangen. Die wundersamsten Menschen versuchten Fuß zu fassen, und leichtgläubige Augenoptiker wurden mit subtilsten Tricks über den Löffel balbiert und verloren schnell viel Geld.
Die unterschiedlichsten Konzepte wurden ausprobiert. Die Opticland sollte als Organisation der reinen Beschaffung von Ware dienen. Die Mitglieder von Optogena und die IGA versuchten unter dem Schirm der Genossenschaft zusammen zu rücken und von gegenseitigem Input zu profitieren. In der Optiker Gilde fanden sich die lokalen Einzelkämpfer wieder, die zumeist auch die Lokalmatadore waren: Unabhängig im Kopf und Fielmann im heimischen Markt die Stirn bietend, suchten sie nach gemeinsamen Strategien und neuen, unorthodoxen Wegen, den Markt weiterhin erfolgreich zu beackern.
Nach diesen fünf Gruppen, die jetzt und in Kürze 30 Jahre alt werden, wurde es chic eine eigene Gruppe zu formen, weil man mit den Inhalten der Gruppe nicht zufrieden war, aus der man gerade ausgetreten war. Mancher bastelte sich sein eigenes Grüppchen und verschwand nach einiger Zeit wieder. Heute ist der Markt völlig unübersichtlich, wer sich alles tummelt und ob man überhaupt ein Ziel hat. Und was hat sich geändert? – NICHTS!
Heute ist es angesagt, in einer Gruppe zu sein und angeblich exklusiv 60% + X Rabatt vom Glaslieferanten zu bekommen. (In Wirklichkeit bekommt diese Konditionen jeder, der nicht völlig auf den Kopf gefallen ist.) Das scheint der einzige Grund für eine Mitgliedschaft zu sein, denn Werbung oder Marketing betreiben immer noch die wenigsten, weil es angeblich zu teuer ist.
Und solange die Unternehmer dieser Branche nicht bereit sind zwei weitere Sakrilege zu begehen, wird sich auch nichts ändern: Das eine Sakrileg ist das vertraglich und verbindlich geregelte Bündeln von Aufträgen mit der Verpflichtung für Mindestumsätze bei einer sehr eng begrenzten Auswahl an gemeinsamen Lieferanten. Dazu gehört die bindende Verpflichtung die besseren Einkaufskonditionen an die Verbraucher weiterzureichen, um die Stückzahlen zu erhöhen.
Und am zweiten Sakrileg wäre vor Jahren die IGA fast gescheitert, als man die Mitglieder zwingen wollte, mit einem einheitlichen Ladenlayout und einheitlicher Firmierung aufzutreten. Dabei war und ist diese Überlegung insbesondere heute das einzig Sinn ge bende Argument für die Mitgliedschaft in einer Marketinggruppe. Dieses System ist weltweit üblich und von Erfolg gekrönt. Nur in Deutschland wird das Eigenbrötlerische hoch gehalten. Ja, es stimmt: In ein zelnen Be reichen muss der Einzelunternehmer seine persönlichen Vorlieben zentralen Vorgaben der Gruppe unterordnen. Wenn es Erfolg bringt, ist das dann schlimm?
Was also haben Marketinggruppen in diesen 30 Jahren bewegt zum Vorteil des mittelständischen Augenoptikers – hätten die Mitglieder sie gelassen? Die Verkaufsstellen haben sich seither mehr als verdoppelt. Der Anteil der verkauften Brillen ist inzwischen zu fast 2/3 der verkauften Stück an die zehn größten Filialunternehmen abgewandert. Wie eh und je schaffen 50% aller Geschäfte die magische Umsatzgrenze von EUR 250.000 nicht. 30% aller Geschäfte schaffen laut Umsatzstatistik nicht einmal EUR 100.000 Umsatz.

Herzlichen Glückwunsch

Jörg Spangemacher am 15.12.2008 um 10:16 Uhr
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Kommentare:



Der Mann hat recht. Die eigentlichen Aufgaben werden nicht erfüllt. Die Optiker, die sich einer Gruppe anschließen, glauben sich in Sicherheit.

Werbekonzepte dienen in erster Linie dem Abverkauf der Eigenmarke. Nicht dem Marktauftritt des jeweiligen Optikers.

Und dabei gilt, Werbung die für viele gemacht ist, nutzt dem Einzelnen wenig. Es ist aber manchmal bequem…

Und solange Optiker glauben, dass sie mit einem Prospekt, in dem eine komplette Gleitsichtbrille für € 49,00 angeboten, oder das zweite Glas verschenkt wird, ihrem Unternehmen gutes tun, solange ist noch zuviel Geld im Topf.

Wer ernsthaft Erfolg will, muss sich zur regionalen Marke machen. Muss sein Schicksal in seine Hand nehmen und das eigene Konzept umsetzen. Hilfe dazu gibt es.

Rainer Jarck am 17.12.2008 um 22:39 Uhr

Sie sehen die Situation aus der Sicht eines Aussenstehenden, obwohl Sie ja Optiker sind.

Die Marketinggruppen reden sich “den Mund fusselig”, wie man im Ruhrgebiet sagt, ihre angeschlossenen Betriebe zur Einigkeit zu bewegen. Hier geht es nicht um Franchise oder Selbstaufgabe. Hier geht es um wirtschaftlichen Erfolg.

Die fehlende Einsicht der Optiker vor Ort ist doch das Problem. Die Marketinggruppen könnten jede ihr fertiges Konzept aus der Schublade holen um aus einer Gruppe eine schlagkräftige “Kette” zu machen - dies ist keine Geldfrage.

Will der einzelne Optiker dies?  .. denn mein Name ist hier .... .

Peter Brehm
Optikplus - EWG - optipart
700 Mitglieder

Peter Brehm am 30.12.2008 um 13:01 Uhr

Das kann doch nun wirklich nicht die Lösung sein: alle Optiker schließen sich über ihre Einkaufsgruppe zu Filialen zusammen. Die jeweilige Gruppe hat dann das gleiche Angebot, den gleichen Auftritt und auch die gleiche Vorgehensweise.
Dann hat der Kunde noch weniger Alternativen. Das geht am Markt und dem, was wir heute wissen, weit vorbei.

Richtig ist, dass die Einkaufsgruppen ihre Rolle, Funktion und Leistung überdenken müssen. Dabei gilt es Mut zu haben und auch die Vergangenheit in Frage zu stellen. Es ist spannend, welche Gruppe wirklich “zukunft denken” kann. Die Idee der Gruppe unter dem gleichen Auftritt ist Vergangenheit und bringt niemanden weiter. Das war alles schon da.

Für Gespräche und Ideen stehe ich zur Verfügung. Gerne auch auf der Opti Halle C2 Stand 211.

Rainer Jarck am 01.01.2009 um 16:02 Uhr

... ach ja Herr Brehm: wieso glauben Sie, dass ich Optiker bin? Das ist ebenfalls eine falsche Annahme.

Freue mich auf unseren Dialog. Gerne direkt und persönlich. Gerne in Celle oder München. Gerne auch gemeinsam mit und im Focus.

Hauptsache, der Optiker bekommt jeweils die richtige Antwort. Die übrigends für jeden individuell sein kann und muss.

Rainer Jarck am 01.01.2009 um 16:05 Uhr
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