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Gedanken darüber hatten meine frühere Frau und ich uns nie gemacht, ob wir dieses Jubiläum je begehen könnten. Wir hatten eine Idee, wir hatten Mut (ich weiß nicht mehr woher wir den nahmen), wir hatten Angst ob wir es überhaupt schaffen – und wir hatten alle gegen uns. Und wie alle sehen können, der FOCUS ist gerade 25 geworden, und er hat sich einen festen und beachteten Platz in der Branche gesichert.
Wir hatten Glück, denn der FOCUS kam gerade richtig in eine Zeit des großen Umbruchs: Ein neuer ZVA-Vorsitzender übernahm das Ruder und radierte nach Machiavellis Vorgaben Berater und Schranzen der Volz’schen Ära aus, die erste echte Gesundheitsreform trat zum Jahresbeginn 1982 in Kraft, Fielmann schloss einen Separatvertrag mit der AOK in Esens und löste einen völligen Umbruch im Beziehungsgeflecht der Innung zu den Krankenkassen aus. Die wollten plötzlich von RAL-Vorschriften nichts mehr wissen und welche Standards eine Kassenbrille zu erfüllen hatte.
Damit begann eine Materialschlacht ums Wettbewerbsrecht, die die mittelständischen Augenoptiker und ihre Verbände letztlich doch nicht gewinnen konnten. ZVA und Innungen schwangen blind die juristische Keule gegen alles und jeden, der sich unbotmäßig verhielt. Sicher, mancher Wettbewerbsprozess konnte gewonnen werden. Aber was hat es genützt? Am Ende haben sich doch marktwirtschaftliche Strategien durchgesetzt.
Der in meinen Augen absurdeste Fall war die Klage gegen die Brille zum Nulltarif, wobei damit ursprünglich nur die Fassung gemeint war, nicht die Gläser. Bekanntlich hat es nicht allzu lange gedauert, bis die auch dazu kamen. Und dann krähte die kleine Julia jahrein und jahraus jeden Morgen um fünf Minuten vor sieben über NDR 2 „... und mein Papi hat gar nichts dazu bezahlt!“
Dann kamen die Marketinggruppen auf, als die Innungen eine Plattform suchten, auf der sie ohne unliebsame Zuhörer wie Fielmann und damals Foto Quelle ihre Absprachen treffen konnten. Die AMA wurde gegründet mit einer damals äußerst fragwürdigen Finanzierung.
Manfred Leo Müller wurde von der Industrie als nächster ZVA-Vorsitzender gefördert und protegiert, weil er zugesagt haben soll, die AMA wieder aufzulösen und gegen andere Rabattsammelvereine vorzugehen. Wie sollte er, wenn doch die Mehrzahl der Innungsmitglieder für einen solchen Verein war.
So bekam der Berufsstand einen vorsitzenden Präsidenten, der es in seiner Amtszeit schaffte, zweimal den völligen Zusammenbruch zu provozieren. Erst als Landesverbände ernsthaft drohten den ZVA zu verlassen, versuchte Müller einzulenken. Er hat es nicht wirklich geschafft. Es dauerte über zehn Jahre bis Hessen als letzter Verband sich wieder eingliederte. Und die Innung Nürnberg ist das letzte Überbleibsel, das den Weg zurück in den Landesverband Bayern und damit in den ZVA nicht gehen will.
Blüm als Sozialminister wollte zum Jahr 1988 die Brille komplett aus dem Leistungskatalog der GKV nehmen. In einer einmaligen unverfrorenen PR-Kampagne konnte Müller das verhindern, statt es kommen zu lassen in einer Zeit, in der die Branche blühte. Stattdessen gab es eine Gesundheitsreform mit viel gravierenderen Auswirkungen auf den Umsatz – es kam zu der ersten dramatischen Rezession der Branche. Von der sie sich nur deshalb so schnell erholen konnte, weil ein Jahr später die Mauer fiel und es zu einem Umsatzstrohfeuer kam.
Diese Branche war und ist eine gesunde Branche, nur die Exzesse mit Privatfliegern, mondänen Kundenreisen in die entlegendsten Winkel der Erde für ein Taschengeld, die gibt es nicht mehr. Allerdings hat sie auch viele Federn lassen müssen.
Aber erst wenn man durch die Fachzeitschriften vor 25 Jahren blättert, fällt auf, wen es gar nicht mehr gibt: Traditionsunternehmen wie Marwitz & Hauser, 3C Köln oder Atrio; viele ungenannte kleine und mittelständische Firmen und Metzler, NiGuRa oder Weco sind nur noch ein Hauch einstiger Größe. Rodenstock konnte nach dem Verkauf des gesamten Tafelsilbers nur noch gerettet werden, weil ein Finanzinvestor eingestiegen ist und das Unternehmen kernsaniert hat.
Im Vergleich zum Start von FOCUS gibt es heute fast dreimal so viele Betriebe bei einem über die Jahre gleich bleibendem Marktvolumen. Der Durchschnittsumsatz des einzelnen Betriebes lag damals und liegt heute bei EUR 250.000.
Seit 25 Jahren spricht man davon, dass sich jetzt – wann immer das war – die Branche dramatisch verändern wird. Und scheinbar geschah gar nichts. Blicken wir aber zurück, dann hat sich die Branche mehrfach um ihre eigene Achse gedreht – und ist im Kern doch gleich geblieben.
Nur trägt man heute keine Kittel mehr im Geschäft, nach einer erbitterten jahrelangen Diskussion und Fehde zwischen denen, die keinen mehr anziehen wollten und denen, für die er das fachliche Rückgrat bildete, und ohne den sie vor der Marktwirtschaft kapitulieren mussten.
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