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Donnerstag, 16. Juni 2005

Die Pleitegeier kreisen

Die glücklose rot/grüne Bundesregierung steht nach der grandios verlorenen Wahl in NRW vor der Pleite und will sich per künstlich provozierter Auflösung des Bundestages in letzter Sekunde aus der Verantwortung stehlen, bevor die grausame Wahrheit ihres politischen Konkurses nicht mehr übertüncht werden kann.

Wir, die Steuerzahler, müssen dann büßen für das, was diese Politiker eingebrockt haben an Gesetzen und Bestimmungen, die fast ausschließlich den Interessen der eigenen Klientel dienten, aber nur sehr selten dem Gemeinwohl der Bundesrepublik.

Ob ein Befreiungsschlag gelingen wird, egal unter welcher politischen Konstellation, das ist heute noch nicht zu erkennen, aber doch fraglich. Denn bisher hat noch kein Politiker die Worte „sparen“, „Ausgabenkürzung“ oder „Kosten senken“ in den Mund genommen.

Die Branche wie der gesamte Einzelhandel klagt über zusammengebrochene Umsätze. Nur die Stahlbranche erlebt einen Boom wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Die Gründe dafür werden sich auf alle Lebensbereiche auswirken, denn in China und Indien lebt ein Drittel der Weltbevölkerung mit den beiden am steilsten wachsenden Volkswirtschaften. Wird dieses Wachstum noch gesteigert – wovon auszugehen ist – wird eine globale Rohstoff- und Energiekrise sehr schnell möglich werden. Den wenigsten ist bewusst, wie stark jetzt schon der Benzinpreis (DM 2,50 in alter Währung) und das Heizöl (mehr als DM 1,-) die Konsummöglichkeit breiter Bevölkerungsschichten dämpft.

Die Auswirkungen dieses asiatischen Jahrhunderts erfährt schon längst auch die augenoptische Branche. Wir nehmen es gelassen. Nicht zuletzt deshalb, weil nördlich der Alpen in der Fassungsindustrie keine Arbeitsplätze mehr verloren gehen können; die gibt es schon lange nicht mehr. In Zukunft werden auch immer mehr italienische Arbeitsplätze abgebaut und nach China verschwinden. Heute werden schon fast 80 Prozent aller in Europa verkauften Brillenfassungen in China, Vietnam und Kambodscha gefertigt, egal was im Bügel steht.

Seit Monaten steigen die Zahlen arbeitsloser Augenoptiker – Meister wie Gesellen. Schon klagt der ZVA intern über sinkende Lehrlingszahlen für den kommenden Ausbildungsstart. An einigen Standorten wird es keine eigenständigen Augenoptikklassen mehr geben. Und immer mehr junge und verzweifelte arbeitslose Meister und Ingenieure versuchen ihr Heil in einer eigenen Kümmerexistenz, Geschäft genannt. Was sollen sie auch tun? Neben arbeitslosen Ärzten jetzt auch arbeitslose Augenoptiker als Taxifahrer und gut verdienende Müllmänner?

Dabei beginnt das Sterben im Mittelstand erst. Bis jetzt hat schon eine erkleckliche Zahl mittelständischer Augenoptiker von Ihren Banken die gelb-rot gestreifte Karte gezeigt bekommen. Nur unter strengsten Auflagen wird das Weiterführen des Geschäftes erlaubt. Wenn nicht innerhalb einer sehr kurz bemessenen Frist sachorientierte Sanierungspläne unter Einbindung von Unternehmensberatern aus dem Fach vorgelegt werden, droht die Kündigung aller Kredite und Kreditlinien. Jetzt fehlt in vielen Fällen das Geld, das für Yachten oder Fincas auf Mallorca ausgegeben wurde oder auf irgendwelchen Konten in der Schweiz verstaubt.

Bei einem DB I von knapp über 50 Prozent sind die Aussichten auf ein verständnisvolles Entgegenkommen der Banken sehr gering. Nach der Veröffentlichung der Zahlen aus dem ersten Quartal 2005 von Fielmann ist diese Situation nicht besser geworden. Denn der musste einen dramatischen Einbruch beim Umsatz und Quartalsgewinn vermelden. Und das, obwohl er über € 20 Mio. für Werbung ausgegeben hat.

Diese Entwicklung wird auch nicht an den Innungen und des ZVA vorüber gehen. Schließlich werden auch die überlebenden mittelständischen Augenoptiker gezwungen sein sehr spitz zu rechnen und sich genauestens zu fragen, ob sie sich den mit Zwangsumlagen überfrachteten Innungsbeitrag überhaupt noch leisten können. Und wer glaubt, die flöten gegangenen Innungsbeiträge einfach durch überhöhte Kosten für Prüfungen oder Internate wieder einholen zu können, der wird sich wundern wie schnell die Ausbildungsbereitschaft der Geschäfte zurückgeht.

Aber, wir sind Papst, wie die Bildzeitung titelte. Wir haben die Chance mit einer neuen Bundesregierung, die sich hoffentlich vom Herz-Jesu-Marxismus eines Norbert Blüm oder Horst Seehofer verabschiedet, einen Stimmungsumschwung auszulösen. Und wir haben im nächsten Jahr die Fußballweltmeisterschaft im Land. Das sind doch Aussichten. Wenn’s dann nicht abgeht – wann sonst?

Jörg Spangemacher am 16.06.2005 um 16:20 Uhr
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