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In Paris war zu hören, die Finanzkrise hat auch unsere Branche erwischt. Es gibt schon die erste Pleite: CCS Royal. Das stimmt zwar so nicht, ist aber griffig für ein Lauffeuer. Tatsache ist, Claus Scheiner nutzt als ordentlicher Kaufmann und Unternehmer die Möglichkeiten des Insolvenzrechtes zum Wohle und Überleben seines Unternehmens.
Er hat selbst etwas unternommen, er hat nicht Zeter und Mordio geschrieen und höhere Mächte um Gnade und Hilfe angefleht. Was ihm leider passiert ist, ist eine heute völlig widersinnige Erfahrung so manches mittelständischen Unternehmers – und selbst McDonald leidet darunter. Praktisch alle Banken haben die Einlagen ihrer Kunden als eigenes Spielgeld eingesetzt und auf unglaublich leichtsinnige Art verzockt. Eigentum verpflichtet zwar, aber es war ja nicht deren Eigentum, sondern das ihrer Kunden – also fühlten sie sich auch zu nichts verpflichtet, sorgsam mit dem Eigentum anderer umzugehen.
Wenn dagegen einer dieser langjährigen treuen Kunden einen Kredit braucht, werden an ihn heute Sicherungsforderungen gestellt als wäre er seinen Verpflichtungen in der Vergangenheit nur sehr zögerlich und schleppend nachgekommen. Sicherheiten werden akribisch neu bewertet und mit Auflagen belegt wie nie. Und wie man hören kann, müssen Mittelständler plötzlich realisieren, sie erscheinen ihrer Bank nicht mehr als kreditwürdig, weil diese selbst keinen Kredit mehr bekommt, nachdem ihre Investmentbanker das gute Geld ihrer Kunden in unsinnigen und vielleicht verbrecherischen Wetten verbrannt haben.
Hätten diese Banken ihre Basel II Anforderungen selbst auf sich angewandt, wäre es zu diesem Desaster nicht gekommen, unter dem die Wirtschaft jetzt weltweit leidet.
Bleiben wir beim Eingangsthema. Zeter und Mordio schrieen die Kunden von CCS Royal, als seien sie Kleinsthändler auf dem Fischmarkt. Sie kennen nicht die Besonderheiten und die Möglichkeiten in der Gestaltung nach einem Eigenantrag auf Insolvenz. – Wollen sie diese überhaupt kennen? Das heißt, CCS Royal ist nicht (allgemeinverständlich formuliert) pleite. Trotzdem fürchteten Augenoptiker hasenfüßig um ihre Lieferungen, Reparaturen, Garantieleistungen, Ersatzteile oder Forderungen aus Gutschriften.
Das wollen Unternehmer sein? Wann arbeiten und reagieren mittelständische Augenoptiker endlich mal als Unternehmer, die sie doch sein wollen? Nach MamI schreien hilft nämlich überhaupt nicht. Die kann sich nur aufplustern und etwas lauen Wind machen. Helfen kann sich nur jeder selbst in einer misslichen Lage – und das sind die Unternehmer.
Als Verlag haben wir ständig mit Forderungsausfällen zu tun. Je nach allgemeiner wirtschaftlicher Situation der Branche erreichen diese Zahlungsausfälle wegen Konkurses mancher windiger Agentur eines Anzeigenkunden hohe fünfstellige Euro-Beträge. Es ist leider so, auch wenn wir bisher in der Branche noch keine bizarren Insolvenzen erlebt haben, so ist der Untergang eines Unternehmens Teil der Marktwirtschaft.
Und dennoch: Das wirtschaftliche Klima auch unserer Branche wird mal wieder frostiger. Das hat sicher nichts mit der Kälte in den Hallen in Paris während der Silmo zu tun. Da hat bloß jemand vergessen die Heizung anzuschalten. Auffallend waren die unübersehbaren Leerflächen – auch gern als Ruhezonen schöngeredet. Um nicht zu viele Ruhezonen auszuweisen gab es Stände aus vier Wänden, aber ohne Türen, ohne Kennzeichnung und ohne Licht. Es gab auch Standflächen, da hatte die Messeleitung nicht einmal mehr Zeit eine Ruhezone einzurichten, weil der Aussteller so kurzfristig nicht erschien.
Das sind die ersten Zeichen, wenn es der Branche nicht mehr gut geht. Die gähnende Leere auf Gängen und Ständen kann vielleicht auch auf den neuen Messetermin und die Herbstferien in Frankreich zurück geführt werden. Andererseits ist der Begriff Totentanz für die Zahl der Besucher in der Halle der Maschinenbauer, Zulieferer und Investitionsgüterindustrie der optischen Industrie ein schmeichelhafter Ausdruck. Gähnende Leere herrschte auf überbreiten Gängen und den immer kleiner ausgelegten Ständen.
Das lässt zwei Deutungen zu. Entweder hat sich die Silmo als Messestandort für Investitionsgüter der Industrie überlebt, weil mögliche Interessenten und Investoren dieses Spezialmarktes in Paris nichts mehr erwarten. Oder diese potenziellen Investoren halten Aufträge zurück und modernisieren ihren Maschinenpark erstmal nicht.
Finanzkrise hin oder her, auch dieses Mal gibt es Gewinner und Verlierer. Die Branche lamentiert schon das ganze Jahr über die schwache bzw. rückläufige Umsatzentwicklung. Es gibt eben auch Ausnahmen. Der Chef einer der kleineren deutschen Schleifereien freute sich am 31. Oktober über einen erneuten Umsatzsprung von 10% gegenüber des Vorjahresmonats. „Das geht schon das ganze Jahr so!“ resümierte er mit einem zufriedenen Lächeln.
Was hat er richtig gemacht?
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