» NetNews aktuell
» NetNews Archiv
» Artikel-Download
» Brennpunkt
» Stellenmarkt
» Termine
» Index
» Media-Daten
» Impressum
FOCUS abonnieren? Aktuelle Preisliste und Bestellformular.
» NetNews aktuell
» NetNews Archiv
» Artikel-Download
» Brennpunkt
» Stellenmarkt
» Termine
» Index
» Media-Daten
» Impressum
FOCUS abonnieren? Aktuelle Preisliste und Bestellformular.
Die Erosionen fangen bei der Kooperation der ZVA abhängigen AMA an, die ohne öffentliche Anmache seitens des ZVA-Präsidenten eine Kooperation mit Ophthalmochirurgen eingegangen ist, um sich gegenseitig Kunden/Patienten zuzuschieben. Beim OLG Celle und beim Brillenvertrieb von Schlecker gehen sie weiter. Und hören beim Kluth-Gutachten des ZVA lange nicht auf, mit dem er die Augenoptik aus dem Handwerk herauslösen will.
Da nimmt die Optiker Gilde das Urteil des OLG Celle zum Anlass, die niedergelassenen Augenärzte anzuschreiben und auf ihre Kompetenz bzw. die ihrer Mitglieder hinzuweisen und am eigenen Brillenvertrieb interessierte Augenärzte dabei zu unterstützen. Und schon erschüttert ein Aufschrei den Berufsstand mit den üblichen abgedroschenen Floskeln und Phrasen. Mit Fehlinformationen im Optikernetz und einem offenen Brief des ZVA-Präsidenten soll die Stimmung aufgeheizt werden.
Zunächst ist richtig, dass die Schleckeranwälte für den ZVA weiterhin tätig sind, um das Verfahren der Abgabe von Brillen durch einen Augenarzt vor den BGH zu bringen. Ob das weise ist, wird sich zeigen.
Richtig ist sicherlich auch, dass die Optiker Gilde mit diesem Schachzug anderen Mitbewerbern zuvorkommen möchte. Das ist einer der Grundzüge freier und wettbewerbsorientierter Marktwirtschaft. Das ist zunächst nicht verboten oder unmoralisch. Warum mit dieser Aktion dem Berufsstand geschadet wird, mit der AMA-Aktion dagegen nicht, das müsste der ZVA schon detaillierter erklären, will er sich nicht dem Vorwurf der Begünstigung von Familienmitgliedern aussetzen.
Über die Logistikkosten und den Verwaltungsaufwand der Optiker Gilde braucht sich der ZVA eigentlich kein Kopfzerbrechen machen. Wenn die Hagener daran pleite gehen sollten, ist das das persönliche Risiko von Winfried Bahn, dem Gesellschafter und Geschäftsführer. Das Gleiche gilt natürlich auch für die Frage, ob Augenärzte in dieser Frage betriebswirtschaftlich kompetent sind. Wenn nicht, hören sie entweder auf, oder müssen zum Konkursrichter.
Sind Augenärzte für den Brillenvertrieb fachlich kompetent ausgebildet? Darüber können Thomas Nosch und Dr. Uwe Kraffel sicherlich Stunden und Tage diskutieren ohne zu einem Ergebnis zu kommen. Fazit: Die Augenoptiker sagen nein, die Augenärzte sagen ja.
Letztlich ist es auch egal, ob die Augenärzte fachlich kompetent ausgebildet sind. Das Gesamtkonzept des Gilde’schen Modells sieht die Kooperation vor. Das heißt also, die Zusammenarbeit bei der Berufsangehörigen vor Ort. Und wenn beide verdienen können, lernt der weniger Informierte sehr schnell die Dreh- und Angelpunkte zu beherzigen – es ist doch sein eigener Vorteil.
Die Optiker Gilde ist also vorgeprescht. Wäre es besser gewesen, Schlecker, Doc Morris oder Praktiker (20% auf alles, außer Tiernahrung!) hätten zugelangt? So versuchen wenigstens mittelständische Augenoptiker die Zusammenarbeit mit den Augenärzten. Das muss nicht zum Schaden sein für die Brillenträger.
Noch etwas sollte man sich überlegen: Trotz Wiedervereinigung vor fast 20 Jahren ist der Markt betoniert. 11 Mio. Brillen mit 22 Mio. Brillengläsern und weiteren 12 bis 14 Mio. Reparaturgläsern werden in Deutschland jedes Jahr verkauft.
Diese Reparaturgläser liegen zum Großteil im Verantwortungsbereich der Augenärzte, die nur Ersatz verschreiben bzw. empfehlen. Das zu ändern lohnt sich nicht?
Von welcher Größenordnung sprechen wir? Der BVA sagt, dass es kaum Augenärzte gibt, die am eigenen Brillenvertrieb Interesse haben (siehe die Interviews in der Ausgabe FOCUS 3/2007 mit Dr. Kraffel, Dr. Hervatin und Dr. Bockelmann). Richtig, es stört den normalen Praxisbetrieb. Erste Rückmeldungen werden zahlenmäßig sicher relativ hoch sein. Wie viele Augenärzte werden das Angebot der Optiker Gilde aber letztlich annehmen? Ein Prozent – ca. 50 Augenärzte bundesweit?
Hinter dem Aufschrei steht das Horrorszenario des rezeptausführenden Augenoptikers (Dispensers). Bis vor ganz wenigen Jahren war das normal, denn da lag der Anteil an Eigenrefraktionen bei 30%. Nur mühselig steigt dieser Anteil, wenn man den Propagandazahlen des ZVA glauben darf. Und wenn die Kluth’sche Neudefinition des Berufes tatsächlich Wirklichkeit werden sollte, dann gibt es zwangsläufig eine Berufsteilung. Ein Teil der heutigen Kollegen wird dann zum bloßen Schleifknecht degradiert.
Betrachtet man die Branche mit ein wenig Abstand, dann ist auffallend, wie intensiv sich die Verkaufsstellen zum eigenen Schaden vom normalen Marktgeschehen abgekapselt haben. Kooperationen mit anderen Vertriebskanälen sind verpönt. Was ist so schlimm daran, einen Ständer mit modischen Sonnenbrillen oder mit Designer Labels in einen Frisörladen, eine Boutique, einen Kosmetiksalon zu stellen? Natürlich unter Berücksichtigung des Genres dieser Geschäfte. Der Ladeninhaber bekäme 20% oder 30% des Verkaufserlöses.
Der Vorteil: Die eigenen Stückzahlen steigen. Man könnte in eine höhere Bonusklasse beim Lieferanten aufsteigen.
Der Nachteil: Die eigene Spanne geht runter.
Die Gefahr: Man macht Zusatzumsätze und Deckungsbeiträge, die nicht geplant sind (Planen Augenoptiker überhaupt ihre Umsätze?).
Statt sich mit solchen Dingen zu befassen, besäuft man sich in utopischen Überlegungen den Beruf in Regionen zu heben, in denen nichts, aber auch gar nichts zu verdienen ist.
Kommentieren:
Anonyme Kommentare werden nicht veröffentlicht! Die Redaktion behält sich vor Kommentare nicht zu veröffentlichen, deren Autor nicht klar erkennbar ist oder denen keine reale Email-Adresse zugrunde liegt. Angegebene Email-Adressen werden stichprobenartig geprüft.