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Der Messestandort München ist für die Opti völlig ungeeignet. Der Termin ist unmöglich. Wer fährt schon bei den Witterungsverhältnissen nach München? Die Opti muss nach Frankfurt, Köln oder Düsseldorf. Gleich am ersten Wochenende im Januar. Besser Ende Januar oder Anfang Februar. Die Italiener sind ja auch schon nicht mehr da. Wir brauchen die Opti nicht. Und die Standflächen, vieeel zu teuer!
Ich kann mich noch lebhaft daran erinnern, als vor wenigen Jahren der Standort München für die Opti in den allerhöchsten Tönen gelobt wurde. Endlich raus dem Kölner optica-Mief. München ist doch gar nicht so weit. Tolles Ambiente. Ich geh nie mehr auf die optica. Was soll’s, wenn es kalt ist und Schnee liegt, die Autobahnen sind sofort wieder frei. Und die Veranstalter haben super günstige Reisepakete zusammengestellt. Die haben sogar einen Shuttlebus vom Flughafen eingerichtet.
Es konnte damals gar nicht schnell genug gehen, dass die optica pleite ging, und die Aussteller desertierten mit fliegenden Fahnen zur Opti. Das Chaos überfüllter Parkplätze und kilometerlanger Rückstau auf der A 9, weil der Verkehr zum MOC zusammengebrochen war, nahm man sportlich gelassen hin. Parklätze kilometerweit im Industriegebiet verstreut – katastrophale Zustände an den Garderoben, wo die Mäntel nur noch auf riesigen Haufen gestapelt wurden, weil auf den Besucheransturm niemand vorbereitet war. Klar, macht nichts, ist doch die Opti. Gedränge und Enge, das war der neue Hype.
Die großen italienischen Fassungsanbieter warfen sich auf die Seite der Opti, um die optica zu erwürgen. Heute machen sie es wieder mit der Opti, weil sie Angst haben, die Opti könnte zu stark werden und der MIDO schaden. Frage: Hat diese Branche noch alle Hühner im Rennen? Was wollt ihr eigentlich?
Es stimmt, über Servicefreundlichkeit wurde an dem neuen Standort vom Veranstalter nur geredet. Selbstverständlichkeiten wie geheizte Hallen, kundenfreundliche Auf- und Abbauzeiten oder Anmietung von Räumen für Pressekonferenzen wurden nur Freunden und anderen Spezies gewährt. Und ob die Zahl von über 30.000 Besuchern auch nur halbwegs stimmt, wird man nie erfahren, denn auf ein neutrales Auditing hat man aus Kostengründen von vornherein verzichtet. Aber die Ära Jäger ist Gott sei Dank vorbei. Ich habe den starken Eindruck, dass in Zukunft der Aspekt der Gewinnmaximierung von den neuen Veranstaltern abgelöst wird durch professionelles Handling der Opti. Die vorgestellten Konzepte jedenfalls erlauben diese Hoffnung.
Ein wesentliches Ziel der GHM ist die Internationalisierung der Opti. Die Frage ist erlaubt, ob das wirklich das Ziel der Opti sein muss. Denn es wird schwer sein, an den (fast 30 Jahre) alten Glanz der optica anzuschließen. Die internationale Reputation hat eine deutsche Messe längst verspielt durch das sträfliche Handeln der Verantwortlichen der alten F+O und der damaligen Wortführer der optischen Industrie, die alles getan haben, um diese Messe systematisch zu zerstören. Die internationalen Aussteller und Besucher brauchen keine deutsche Messe mehr – leider.
Damals gab es tatsächlich noch eine international herausragende deutsche optische Industrie. Keiner der traditionsreichen deutschen Fassungshersteller ist mehr international ein Schwergewicht, wenn es diese Firmen überhaupt noch gibt und nicht nur als bloße Kollektionsnamen im Koffer geführt werden. Und wie sieht’s bei den Glaslieferanten aus? Deutsche Lieferanten und Aussteller müssen sich auf internationalen Messen in Mailand, Paris, New York, Shanghai, Tokyo und Hongkong zeigen, wenn sie jenseits deutscher Grenzen Geschäfte machen wollen.
Eine zentrale deutsche Messe mit internationalem Ruf steht nirgendwo mehr auf der Agenda. Trotzdem sollte der neue Veranstalter es versuchen, das zu ändern. Aber es wird jahrelange harte Überzeugungsarbeit nötig sein. Wenn sie erfolgreich sein soll, dann müssen wir mit der Mäkelei aufhören. Geben wir den Verantwortlichen der GMH die Chance aus der Opti eine erfolgreiche Opti zu machen.
Dabei ist es sehr fraglich, was die aktuelle Messefledderei bringt. Das wirtschaftliche Interesse der Veranstalter ist verständlich. Aussteller, die auf allen Hochzeiten tanzen (müssen??), dürfen sich über die Kosten nicht beschweren, die sie aus kaufmännischer und unternehmerischer Sicht akzeptieren. Umso wichtiger ist, dass die Opti wirklich zur entscheidenden Messe in Deutschland ausgebaut wird.
Nirgendwo auf der Welt wird so viel und unnütz über den idealen Standort und Zeitpunkt einer Fachmesse diskutiert wie in Deutschland. Liegt Mailand etwa in der Mitte von Italien? Immerhin muss ein Augenoptiker 1.500 km fahren, möchte er die MIDO besuchen. Ist New York der beste Standort für die Vision Expo East? Böten sich nicht Washington oder Boston als geeignetere Standorte an? Und erst mal die Vision Expo West: Mitten in der Wüste. Dabei wäre Los Angeles der Standort mit dem viel größeren Einzugsgebiet mit besten internationalen Direktverbindungen.
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