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Ist der Kelch schon vorüber-gegangen? Die Wirtschafts- und Einzelhandelsexperten sind ratlos. Wo bleibt die Krise im Einzelhandel? Die einen sagen, sie wird erst noch kommen. Da anderen meinen, sie wird ausbleiben. Tatsache ist, die Indikatoren melden (bisher) keine Wirtschaftskrise; die Konsumenten kaufen als sei nichts passiert – trotz Kurzarbeit.
Begünstigt wird die anhaltende Kauflust durch die dramatisch gesunkenen Preise für Energie und die Lebenshaltungskosten, die teilweise auf das Niveau von 1987 gesunken sind. Die befürchtete Deflation ist ausgeblieben, die Inflationsrate liegt bei Null. Und jetzt sind die Arbeitslosenzahlen sogar gesunken, wenn auch nur durch einen Zähl- und Bilanzierungstrick.
Wie sieht es in der Augenoptik aus? Nach einer euphorischen Messestimmung im Januar hielt die Branche dann doch die Luft an und wartete ab, was passieren wird. Wird es schlimmer als 2004, nachdem die Brillen aus dem Leistungskatalog der Krankenkassen gestrichen wurden? Der ZVA reklamierte während seiner Jahrespressekonferenz einen Umsatzverlust von vier Prozent im ersten Quartal. Diese Zahl kann nur so gedeutet werden, dass man im allgemeinen Chor der Trübnis nicht als eine der wenigen Branchen mit einem breiten Grinsen im Gesicht erwischt werden wollte. Der realen Situation am Markt entsprach diese Aussage wohl eher nicht, wie aus Gesprächen mit Industrie und Geschäftsinhabern zu vernehmen war.
Wie so oft ist die Lage ambivalent. Fragt man rum, hört man Märchen, dass sich die Balken biegen – letztlich wie immer. Heute aber sehr viel zielgerichteter bezogen auf die Situation des jeweiligen Gesprächspartners. Es wird zu deutlich beschönigend gejubelt oder unnötig heftig gestöhnt.
Ich glaube, die Ausschläge nach oben oder unten sind weniger heftig als beschrieben. Denn die Endkunden haben heute trotz Wirtschaftkrise deutlich mehr Geld in der Tasche. Das Leben ist preiswerter geworden nicht zuletzt wegen der monatelangen Rabattschlachten auf Kosten der Hersteller. Und trotz einer latenten Angst um den Verlust von Arbeitsplätzen geben sich die Verbraucher spendabel und erhöhen gleichzeitig ihre Sparleistung.
Noch gibt es in der Branche keine wirklichen Discountangebote, obwohl für die Verbraucher scheinbare Schnäppchen immer öfter auftauchen. Wer gelernt hat und lernen will, auf dieser Klaviatur zu spielen, und wer dieses Können auch schon einsetzt, der hat auch in härteren Zeiten besser zu tun als die Nachbarkollegen. Denn er konnte sich in noch guten Zeiten einen Nimbus aufbauen, dass Brille nicht unbedingt nur teuer sein muss.
Vorsicht ist allerdings auch in der Interpretation geboten, was die Aussage betrifft, Brillenträger gingen in jüngster Zeit öfter zum traditionellen Augenoptiker denn zum Filialisten. Daraus eine Renaissance pro mittelständischem Augenoptiker abzuleiten wie der ZVA unterschwellig glauben machen will, ist unter Umständen sehr gefährlich. Denn wer weiß schon, dass er bei einem Filialunternehmen kauft, wenn er seine Brille bei Matt, Abele oder Binder – um nur einige beispielhaft zu nennen – angepasst bekommen hat. Denn auch beim mittelständischen Augenoptiker ist der Chef nicht immer anwesend, und der Niederlassungsleiter ist der örtliche Chef.
Mark Mackenzie, ein international anerkannter Berater der optischen Industrie, veröffentlichte in der jüngsten Ausgabe des in unserem Verlag herausgegebenen Industriemagazins MAFO die Ergebnisse seiner Studie. Unter dem Titel „What could happen in the next three years?“ beschrieb er, dass 20% der Brillenträger den Kauf einer neuen Brille um sechs Monate verschieben werden. Weitere 30% warten drei Monate auf den ursprünglich geplanten Kauf. Aber 50% kaufen eine neue Brille dann, wenn sie sie brauchen. Interessant ist, dass dieses Käuferverhalten laut Mackenzie für die fünf wichtigsten europäischen Märkte gleichermaßen gilt, außer Frankreich. Die alles entscheidende Frage allerdings ist: Wo werden diese Brillen gekauft: beim Augenoptiker oder in der Drogerie oder dem Warenhaus (Fertiglesebrillen)? Trotz aller Hinweise und Warnungen scheinen diese Ready-Readers, die es längst auch als Mehrstärkenbrillen gibt, den Ansprüchen weiter Bevölkerungskreise zu genügen.
Mackenzie prognostiziert für diese fünf wichtigsten Märkte für 2009 einen Umsatzrückgang von 8,8%, für 2010 ein Plus von 0,3% und 2011 sogar ein Plus von 11,7%. 50% des Umsatzes werden mit Brillengläsern gemacht, Fassungen haben einen Anteil von 25%, Kontaktlinsen und Pflegemittel schaffen zwölf Prozent und den Rest bringen plano Sonnenbrillen und Handelsware.
Falls der Kelch also noch nicht vorübergegangen sein sollte, so wird sein Inhalt für die augenoptischen Branche doch nicht so bitter schmecken wie allenthalben befürchtet.
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»»» Dr. Peter Gunkel †
««« Don Quichotte
Ist der Kelch vorrüber? Die Frage ist spannend. Allerdings sehe ich die Antwort für den Augenoptiker etwas anders. Es gibt sehr wohl Billig-Angebote in der Branche. Es gibt die komplette Gleitsichtbrille für € 49,00.
Die Frage ist doch viel mehr, was tut der jeweilige Optiker in seinem Markt dafür, dass er Erfolg hat?
Wenn ich als Optiker weiß, dass ich z.B. 1.500 Brillen verkaufen muss, um betriebswirtschaftliche Erfolg zu haben, dann besteht doch die Aufgabe darin, hierfür die Kunden zu erreichen.
Also frage ich mich doch, was etwickelt der Optiker für eine Strategie. Wo und wie spricht er diese zukünftigen Stammkunden an? Wo verändert der Optiker seine gelernten Verhaltensmuster der Vergangenheit?
Die Zeiten sind vorbei, in denen der Kunde seine Brillen automatisch kauft.
Der ZVA bleibt wie immer konkrete Antworten schuldig.
Wer also die aktuellen Zeiten nutzt, an seinem Erfolg zu arbeiten, ist auf einem sehr guten Weg.
Wer diesen Beitrag so liest, dass er glaubt, alles wird von alleine gut, der hat Probleme. Viele Probleme. Denn das verleitet dazu, die Verantwortung an die falsche Stelle zu schieben!
Es reicht nicht, zu wissen, dass andere im Moment auch keinen Erfolg haben. Es muss jetzt aktiv der regionale Markt angegangen werden.
Denn eins ist klar, jede Krise verändert die Situation. Wer sich den Themen stellt, wird eine positive Veränderung erleben.
Wer begreift, dass die eigene Krise nicht zwingend eine globale Krise sein muss, hat jetzt viele Chancen.
In diesem Sinne: nicht ausruhen. Anfangen. Zukunft denken und Zukunft handeln.