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Dienstag, 15. Juni 2010

Rodenstock mit wirtschaftlichen Problemen

15.06.2010

In Meldungen um den 20. Mai beschrieben die Redakteure der Financial Times Deutschland (FTD), Süddeutschen Zeitung (SZ), des Manager Magazins (MM) und Deka Investmentfonds (Deka) darin sehr detailliert die fi nanziellen Probleme, in denen Rodenstock seit über einem Jahr steckt. Danach habe das Unternehmen mit den Gläubigerbanken und zwei Finanzinvestoren einen Refinanzierungsplan ausgehandelt.
FTD schrieb, die Heuschrecke Bridgepoint habe Rodenstock im Jahr 2007 für € 700 Mio. gekauft und diesem Unternehmen den Großteil der Kredite zur Finanzierung des Deals mit Permira als Schulden aufgebürdet – ein gängiges Verfahren. Mit € 385 Mio. Umsatz in 2009, einem Schuldenberg von € 300 Mio. leidet das Unternehmen unter den hohen Zinszahlungen. Weiter, so FTD, verfehlte das Unternehmen in jedem der Quartale des vergangenen Jahres die Ergebnisvorgaben der Banken und brach so laufend die Kreditauflagen.
Im Zuge der Einigung mit den Banken wird sich Bridgepoint nach heftigem Widerstand von seiner Position als Mehrheitseigentümer verabschieden müssen und am Ende statt 85 Prozent nur noch (je nach Source) 32 Prozent bis 37 Prozent der Anteile besitzen. Mit 55 Prozent wird der Investor Trilantic Capital Partners die Mehrheit übernehmen. Danach soll Trilantic € 42 Mio. einschießen und Bridgepoint weitere € 28 Mio. Mit diesen und eigenen Mitteln sollen € 80 Mio. Schulden getilgt werden. Damit kommen die Banken glimpflich davon, denn sie müssen auf € 100 Mio. der Schulden nicht verzichten, wie ursprünglich veröffentlicht, sondern ihre Forderungen werden nur nachrangig gestellt. Zurzeit (Ende Mai) prüft Trilantic die Bücher von Rodenstock. Bis zum Ende der Stillhaltevereinbarung mit den Gläubigerbanken (je nach Quelle) Mitte oder Ende Juni muss der Deal perfekt sein.
Hinter Trilantic steht der Südafrikaner Johann Rupert, dem der Luxuskonzern Richemont gehört. Von diesem Konzern werden praktisch alle Nobel- und Traditionsmarken von Uhren und Schmuck für die Upper Class und das Jet-Set vertrieben wie zum Beispiel Cartier, Montblanc, IWC, Van Cleef & Arpels und viele andere. Rupert möchte Brillenkollektionen verschiedener dieser Marken zukünftig über Rodenstock vertreiben.
Damit scheint sich Rodenstock von seinem Image als Unternehmen von Präzisionsoptiken und Präzisionsbrillengläsern zu verabschieden und zu einem Modekonzern zu wandeln. Böse Zungen außerhalb und innerhalb des Unternehmens behaupten immer wieder, diese Entwicklung käme Rodenstock-Chef Olaf Göttgens sehr entgegen, denn in diesem Metier fühle er sich eher zuhause als in der strukturierten und stringenten Welt der Techniker, Physiker und Ingenieure. Wie auch immer. Die oben beschriebenen Fakten (FTD, SZ, Deka) sind tragisch für jedes Unternehmen. Wenn die Verhandlungen gut ausgehen, ist das volkswirtschaftlich begrüßenswert und für die Rettung der Arbeitsplätze sowieso. Was mich an dem Prozedere nur sehr stört, ist die Geheimniskrämerei gegenüber den Kunden von Rodenstock: den Augenoptikern! Draußen werden selbst intimste Details in die Finanz- und Wirtschaftswelt hinausposaunt und aus den unterschiedlichsten strategischen Positionen lanciert. Dabei scheint der eine oder andere Journalist übers Ziel hinausgeschossen zu sein, denn mittlerweile ist nicht mehr jede Meldung so einfach im Internet zu fi nden. Trotzdem werden die Kunden des Unternehmens dumm gehalten, sofern sie nicht selbst regelmäßig die Meldungen der Wirtschafts- und Finanzmedien beobachten. Die sollen wohl einfach nur Umsatz machen, scheint es. Seit Wochen bemühe ich mich um ein Interview, um Redaktionsgespräche oder Statements. Die stetige Aussage: Wir dürfen nichts sagen, uns ist untersagt uns dazu zu äußern.
Nach den oben zitierten aktuellen Meldungen – denn irgendjemand muss ganz offensichtlich mit Journalisten geplaudert haben – schrieb ich folgende Mail an die Presseverantwortliche Stefanie Biereder: „Hallo Frau Biereder, Rodenstock ist wieder in aller Presse – und die Augenoptiker? Ihre Kunden, von denen Sie leben? Die erfahren mal wieder nichts darüber, was mit dem Marktführer passiert. Sollen die wirklich künstlich dumm gehalten werden, sofern sie nicht selbst die Wirtschaftspresse verfolgen?
Wenn das, was im Hintergrund geschieht, schief geht, wird Rodenstock Geschichte sein und die Augenoptiker in Deutschland verlieren ihren wichtigsten Lieferanten. Ich wünsche Ihnen und dem Unternehmen, dass es gut geht. Ich weiß, Rodenstock ist Verhandlungsmasse anderer Interessenten. Andererseits haben Ihre Kunden einen Anspruch darauf, von Ihnen direkt informiert zu werden.
Die tolle Wirtschaftspresse hat Sie morgen vergessen, egal was passiert. Ihre Kunden – die mittelständischen Augenoptiker – aber brauchen Sie morgen erst recht.“
Inzwischen meldete sich Stefanie Biereder und betonte erneut, es sei Rodenstock untersagt, in irgendeiner Form zu den internen Vorgängen Stellung zu beziehen. Niemand aus dem Hause Rodenstock habe mit Journalisten gesprochen. Die detaillierten Informationen könnten nur aus Kontakten zu Bankenkreisen stammen. Das Manager Magazin habe seinen Bericht mittlerweile zurückgezogen.
Warten wir ab, wie dieser Poker ausgeht.

.(Javascript muss aktiviert sein, um diese Mail-Adresse zu sehen) am 15.06.2010 um 02:00 Uhr
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