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Wie soll man es anders deuten, worüber dpa am 27. Juli berichtete? 80 Prozent der bis dahin überprüften 350 Augenoptiker wurde nachgewiesen, dass sie Falschabrechnungen mit der AOK Niedersachsen eingereicht haben in einem Wert von EUR 7 Mio. Nach 10.000 ausgewerteten Einzelbelegen aus dem Jahr 2003 wurden von den überführten Augenoptikern Beträge zwischen EUR 2.000 und EUR 250.000 zurückgefordert. Das fügt sich wunderbar ein in die momentane Korruptionshysterie.
Diese Zahlen wurden bundesweit übers Fernsehen und Tageszeitungen verbreitet. Google wies am nächsten Tag 77 Meldungen zum Thema aus. Klasse. Optiker, schon immer als Raffkes verschrien, sind auch noch Betrüger am Sozialsystem.
So erschreckend die nackten Zahlen sind, so unfassbar ist die Dimension dahinter. Hochgerechnet manipulierten demnach in Niedersachen von rund 1.000 Verkaufsstellen ca. 800 Augenoptiker die Kassenabrechnungen. Bei einer durchschnittlichen Betrugssume von EUR 25.000 pro Geschäft ergäbe das eine Schadenssumme von EUR 200 Mio. – und das allein für die AOK in Niedersachsen!
Vor welchem Abgrund steht die Branche, wenn es bei dieser Art der Korruption um Beträge im Wert von Mittelklasseautos und ganzer Häuser geht? Ist mit diesen nachgewiesenen Betrügereien endlich die uralte Frage geklärt, wovon die 50 Prozent aller Betriebe mit einem Umsatz von unter EUR 250.000 leben und wie sie überleben?
Seit Anfang 2004 haben wir Hinweise, dass diese Aktion von der Landesinnung Niedersachsen/Bremen losgetreten und die AOK mit Hintergrundmaterial sowie mit Augenoptikern als Sachverständigen ausgestattet worden sein soll. Stundensätze von EUR 90 und mehr, die die überprüften Augenoptiker an die Sachverständigen zu zahlen hatten, waren damals im Gespräch. Und immer wieder kreuzten die Namen der alten Vorstandsmitglieder auf, die schon in der glücklosen LAK versuchten auf Kosten ihrer Kollegen abzusahnen.
Jürgen Matthies wurde im NDR zitiert, man dürfe nicht allen Augenoptikern kriminiellen Antrieb unterstellen, was ich stützen möchte, aber umgehend von der AOK zurückgewiesen worden ist. Trotzdem kann die Äußerung Matthies’ ein anderes Bild ergeben als oben beschrieben. Aber dann stellt sich die Frage nach der prozentual erstaunlich hohen Zahl von Augenoptikern, die Betrügereien unternommen haben sollen.
Wurde zu Beginn der Aktion vielleicht eine erfolgreiche Positivliste erstellt quasi mit Erfolgsgarantie, die die AOK nur abarbeiten musste? Diese Annahme würde stützen, dass überprüfte Augenoptiker, die sich während der laufenden Prüfung durch die AOK an ihre Innungen wandten, die Auskunft erhalten haben sollen, Herr Matthies sei von ihrer Prüfung selbst unterrichtet worden.
Selbst in Zeiten, in denen Augenoptiker ohne Eigeninitiative (Marketing und Werbung) nur wie die Spinne im Netz warten brauchten, dass die Kunden kommen, wurde kein Kunde unverrichteter Dinge aus dem Geschäft gelassen. Das führte dazu, dass man erpressbar wurde, weil das Ansinnen des Kunden nur die anonyme und in Geld schwimmende Versicherung ein bisschen schädigte. Wohl wissend, dass man etwas Unrechtes tat, kam mancher dreisten Kundenforderungen entgegen im Wissen, dass es der Kollege um die Ecke sicher tun wird. Da tut man es eben doch besser gleich selbst und hält den Kunden.
Das Grundelend einer Vielzahl von Betrieben ist die Unehrlichkeit gegenüber Kunden und Lieferanten. Da wird ein Glas verschliffen. Macht nichts. Packen wir in die Tüte zurück, hauen mit dem Hammer drauf und haben eine wunderschöne Reklamation: Glas auf dem Transportweg kaputt gegangen. Es gibt noch eine Menge weiterer Tricks, sich Garantie- und Kulanzleistungen bei den Lieferanten zu erschleichen.
Wie weit ist es dann noch, das Mittel Berechtigungsschein zu nutzen für allerlei umsatzträchtige Manipulationen? Da braucht man nicht mehr auf den Friedhof gehen und dort Namen sammeln, oder das örtliche Telefonbuch für kreatives Namenscannen benutzen.
Früher, vor der Zeit der umfassenden Computerdatenbanken, konnte man sich dieses Spiel vielleicht erlauben und fiel nicht auf, wenn man gewisse Grenzen beachtete. Heute haben die Kassen Schulden in Milliardenhöhe, da achten sie auf jeden Pfennig. Dazu haben Sie heute Datenbanken, aus denen Sie Abrechnungsbilder einzelner Augenoptiker und natürlich aller anderen Leistungserbringer erstellen können.
Unter Betrügern? Ich glaube nicht, dass die Mehrzahl der Augenoptiker in diese Kategorie fällt. Aber alle Mitglieder dieses Berufsstandes werden ohne Ansehen der Person über diesen Kamm geschoren. Deshalb sollten die Innungen ihre Reihen sauber halten und dieses des Betrugs Überführten aus den Innungen jagen. Warum tut man es nicht? Kann man sich das nicht leisten, weil es dann kaum noch Mitglieder gäbe, oder sind die sowieso schon aus den Innungen raus und wurden deswegen zuvörderst geprüft?
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