Anfao: Düstere Prognosen für Italiens Brillenindustrie

25. Juni 2020

Corona-Krise sorgt 2020 für Exportrückgang von -25%, erstes Quartal schließt mit 200 Mio. Euro weniger Umsatz als 2019

Während der italienische Brillenmarkt 2019 trotz Abschwächung der Weltwirtschaft einen beruhigenden Abschluss mit +3,3% Produktion, + 3,9% Exporte, + 2,3% Jobs im Vergleich zu 2018 schaffte, sehen die bisherigen Zahlen und Prognosen für 2020 Corona-bedingt ganz anders aus. Wie der italienische Verband der Hersteller optischer Produkte Anfao jetzt mitteilte, seien die Prognosen für 2020 düster bis „dramatisch“: Ein Exportrückgang von rund 25% sowie ein Minus von 15% an Produktionen werden erwartet.

Zufriedenstellende Zahlen für 2019

Im Abschlussbericht für 2019 fällt Deutschland als größter europäischer Wachstumsmarkt für italienische Brillen auf. So entwickelten sich die deutschen Brillenexporte in Deutschland sehr gut: Mit einer Gesamtwachstumsrate von 8% stiegen die Sonnenbrillenexporte um 10,1% und die Brillenfassungen um +4,9%. Im Vergleich dazu gingen in Frankreich die Exporte für den sonnenoptischen Sektor 2019 um 3% zurück (-4,4% für Brillenfassungen und -2% für Sonnenbrillen), für Großbritannien wurde wohl auch aufgrund von Bedenken im Zusammenhang mit dem Brexit ein Minus von 7,9% im Vergleich zu 2018 verbucht (-9,8% für Sonnenbrillen, -3,1% für Brillenfassungen). Die Brillenexporte entwickelten sich in Spanien etwas besser, wo der Wachstumstrend im Vergleich zu 2018 nur um 0,3% zurückging. Weltweit erzielte Russland mit +19,4% das größte Wachstum (+23,3% Sonnenbrille und +13,7% Brille).

2020: Im ersten Quartal -17,7% Exporte, März mit -43,6% ragt negativ heraus

Für 2020 meldete Anfao die vorliegenden Geschäftszahlen sowie die Prognose für das gesamte Jahr. Bei den Exporten schloss die italienische Brillenindustrie das erste Quartal 2020 mit einem Verlust von 17,7% ab, was rund 200 Millionen Euro weniger als im ersten Quartal 2019 bedeutet. Dieser Verlust konzentrierte sich hauptsächlich auf den Monat März (-43,6%), während der Januar im Einklang mit 2019 (+2,9) schloss und der Februar noch lediglich die Auswirkungen der Schwierigkeiten in Asien (-3,8) spürte.

Auch wenn, wie in Deutschland Augenoptiker während des Lockdowns, der in Italien Mitte März begann, als systemrelevant eingestuft wurden und ihre Geschäfte offenhalten durften, konnte das die Situation nicht annähernd zufriedenstellend lösen, wie Giovanni Vitaloni, Präsident von Anfao und Mido erklärt: „Trotz dieser Option mussten viele, nachdem die Unternehmen die obligatorischen Sicherheitsanforderungen erfüllt hatten, auf Entschädigungsprogramme für Arbeitslose zurückgreifen, da die internationalen Bestellungen plötzlich auf Null zurückgingen. Im Inland haben die Augenoptiker, die sich entschieden haben, offen zu bleiben, dies fast ausschließlich getan, um dringende Fälle wie Brillenbrüche und wenig mehr zu bearbeiten“.

Aus geografischer Sicht erlitt die Brillenindustrie im ersten Quartal erhebliche Verluste bei den Exporten nach Amerika (-20,3%), Europa (-16,5%) und Asien (-16,3%). In Bezug auf den Inlandsmarkt lagen die Monate Januar und Februar im Einklang mit 2019, aber der März (unter Berücksichtigung des in der zweiten Woche begonnenen Lockdowns) brachte Volumen- und Umsatzverluste von 30%.Der April war mit eine Minus von 80% besonders bitter, während der Mai zwar den Beginn einer Trendwende einläutete, aber trotzdem noch -33% bei den Verkäufen erzielte.

Verlust von 1 Mrd. Euro befürchtet, staatliche Hilfen gefordert

Das erste Halbjahr 2020 könnte laut Anfao mit 40% weniger Exporten abgeschlossen werden (wertmäßig mehr als 850 Millionen weniger als 2019). Basierend auf einer Erholung in der zweiten Jahreshälfte im Vergleich zur ersten, ohne mögliche neue Ausbrüche der Krise zu berücksichtigen, könnte die zweite Jahreshälfte 2020 einen Wert von -7% aufweisen (etwa 130 Millionen weniger).

Insgesamt könnte die Prognose für die italienischen Brillenexporte im Jahr 2020 einen Verlust von 25% erleiden, was fast 1 Milliarde Euro entspricht. In Bezug auf den Inlandsmarkt wird angesichts der bisherigen und aktuellen Schwierigkeiten, die die Situation erheblich verschärft haben, für das Jahresende ein Wertverlust von mindestens 10% prognostiziert. Ebenso könnte die Produktion um rund 15 Prozentpunkte sinken.

„Wir waren bei diesen Prognosen sehr vorsichtig“, erklärt Anfao-Präsident Vitaloni. „Schließlich lässt das Gefühl, das wir von unseren Mitgliedsunternehmen bekommen, keinen größeren Optimismus zu. Wir wissen, dass die Situation für das ganze Land schlimm ist, und deshalb haben wir uns der Bewegung angeschlossen, wirklich wirksame Maßnahmen zur Unterstützung der Wirtschaft und des Konsums zu fordern. Unter diesen freue ich mich, unsere eigene Bitte unter der Schirmherrschaft der Eyecare Commission zu erwähnen, einen Gutschein für den Kauf von verschreibungspflichtigen Brillen zu fordern, um den Verbrauch zumindest minimal anzukurbeln und gleichzeitig die Aufmerksamkeit auf die Bedeutung der Sache zu lenken, die sonst in den Hintergrund treten könnte.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass die Exportmaschinerie so schnell wie möglich wieder hochgefahren werden kann und dass das öffentlich bekannt gewordene Exportabkommen konkrete Realität wird. Dank der Wiedereröffnung der Messen, die für unsere Unternehmen von entscheidender Bedeutung sind. Ich bin immer noch optimistisch und wir arbeiten weiterhin mit aller Kraft daran, dass DaTE (Anm. der Redaktion: DaTE – Eyewear Exhibition, 21.-23. in Florenz) zuerst und vor allem Mido den wahren Neustart unserer Branche markieren können.“

  • Prognose für 2020. Quelle: Anfao
    Prognose für 2020. Quelle: Anfao
  • Exporte 2019: Quelle: Anfao
    Exporte 2019: Quelle: Anfao
  • Zahlen für 2020 (1. Quartal). Quelle: Anfao
    Zahlen für 2020 (1. Quartal). Quelle: Anfao

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