Freitag, 10. März 2000
Insulinartiger Wachstumsfaktor unter Verdacht
In der Fachzeitschrift "Diabetes Care" (Bd. 22 S. 874) erschien kürzlich ein Beitrag, der erkennen lässt wie wichtig es ist, den Zusammenhang zwischen IGF-1 und der diabeitischen Retinopathie zu klären. Darin berichten die Ärzte aus San Francisco über schwere Netzhautschäden bei 14 schwangeren Diabetikerinnen.
Sie waren mit dem seit 1996 zugelassenen Insulin Lispro behandelt worden. Bei drei von ihnen waren zahlreiche Laserbehandlungen erforderlich.
Lispro wirkt besonders schnell. Es wurde entwickelt, damit Zuckerkranke zwischen den Insulininjektionen und der Mahlzeit keinen Abstand mehr einhalten müssen. Allerdings ist diese Substanz strukturell sehr eng verwandt mit dem IGF-1. Vor dem Hintergrund, dass IGF-1 möglicherweise für Netzhautschäden verantwortlich gemacht werden muss (FOCUS-NetNews 9. 3. 2000), ist die dort beschriebene Häufung alarmierend.
Es ist bisher noch nicht bewiesen, dass Lispro selbst die Gefahr einer Netzhautschädigung vergrößert. Dazu bedarf es zusätzlicher Beobachtungen an Patienten. Denn die tief greifenden Veränderungen im Stoffwechsel einer Schwangeren lassen auch andere Erklärungen zu. Die Ärzte raten in jedem Fall, denjenigen Diabetikerinnen, die eine Schwangerschaft planen, den Zustand der Retina vor Anwendung des Präparates genau zu überprüfen.
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