Essilorluxottica: Betrug über 213 Mio. US-Dollar in Produktionsstätte aufgedeckt

17. Januar 2020

Management - Machtkampf in thailändischer Fertigungsstätte

Bloomberg, ein Unternehmen für Wirtschaftsdienste, überraschte die internationale augenoptische Branche am letzten Tag des Jahres 2019 mit einer Information zum Hintergrund eines Betrugs in Höhe von 190 Mio. Euro (213 Mio. US-Dollar) bei EssilorLuxottica. In einer thailändischen, zu Luxottica gehörenden, Fertigungsstätte habe es einen Machtkampf im Management gegeben. Luxottica und Essilor fusionierten 2017 zu Essilorluxottica.

Das Management des weltweit führenden Herstellers von Brillengläsern arbeitet daran, die verlorenen Mittel zurückzugewinnen. Alle Mitarbeiter, die mit dem Vorfall in Verbindung gebracht wurden, sind entlassen.

EssilorLuxottica hat eine Untersuchung eingeleitet und Klagen in Thailand und anderen zuständigen Gerichten eingereicht. Das Finanzmanagement der Operationen in Thailand wurde von Essilor übernommen. Eine Unternehmenssprecherin lehnte es ab, das Werk zu benennen oder anzugeben, wie viele Personen an dem Betrug beteiligt waren.

Der Skandal könnte die Bedenken darüber erneut aufkommen lassen wie das Unternehmen grundsätzlich geführt wird. Die Konflikte innerhalb der Spitze des Managements behindern die Arbeit seit der Fusion enorm. Die Finanzen werden nach wie vor von den beiden Einzelunternehmen mit zwei unterschiedlichen CFOs (Chief Officer Finance) getrennt verwaltet.

Laut Luca Solca, einem Analysten bei Bernstein, wird dieser Betrug wahrscheinlich von Seiten der Investoren weiteren Druck auf eine schnellere Integration der beiden Managements auslösen. „Dies ist einer der ungeheuerlichsten Fälle von finanziellem Fehlverhalten in unserem Sektor“, sagte Solca in einem Hinweis an die Anleger.

Der Verlust aus diesem Betrug wird in den Ergebnissen für 2019 als bereinigter Posten behandelt, sagte EssilorLuxottica in einer Erklärung. In Paris sanken die Aktien um 2,4%. Sie stiegen in 2019 Jahr um 26%.

Der Marktwert des Unternehmens liegt bei rund 60 Milliarden Euro. Nach Angaben von Bloomberg belief sich der Umsatz in den zwölf Monaten bis September auf mehr als 18 Milliarden Euro.

Die schwindelerregenden Rivalitäten bei EssilorLuxottica wurden im März vergangenen Jahres öffentlich bekannt. Die beiden Fraktionen stritten sich damals über Governance-Fragen wie die Ernennung eines gemeinsamen Vorstandsvorsitzenden. Um die Pattsituation zu brechen, kamen Leonardo Del Vecchio (Luxottica) und Hubert Sagnieres (Essilor) im Mai überein, die gemeinsame Unternehmensführung an ihre jeweiligen Stellvertreter zu übertragen.

Dan Loebs Third Point Hedge Fund teilte im Oktober mit, er habe Anfang 2019 einen Anteil von 700 Mio. USD an EssilorLuxottica erworben und beabsichtige, das Unternehmen zur Lösung seiner Governance-Probleme zu bewegen.

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