In Memorian Hans-Joachim Haase

17. Januar 2002

Verdienste um die moderne komplette Augenglasbestimmung gewürdigt

Unser Lehrer Hans-Joachim Haase ist nach langer und schwerer Krankheit am 20. Dezember 2001 verstorben. Die Mitglieder der Internationalen Vereinigung für Binokulare Vollkorrektion trauern um ihn und gedenken seiner Verdienste um die moderne komplette Augenglasbestimmung.



Die Bedeutung seiner Forschungsergebnisse als Dozent der damaligen staatlichen Fachschule für Optik und Foto in Berlin ist fachlich unbestritten, und wenn man einige nur berufspolitisch veranlasste Äußerungen unbeachtet lässt, sind sie für die zukünftige Entwicklung der Augenglasbestimmung auch heute für viele noch gar nicht vollständig erfassbar.










Die von ihm zur Durchführung einer kompletten Augenglasbestimmung entwickelte Mess- und Korrektionsmethodik trägt seinen Namen und ist das erste und einzige Verfahren, das optimales beidäugiges Sehen zum Korrektionsziel hat und dies auch erreicht.



Hans-Joachim Haase wurde wegen seiner Verdienste um die Augenoptik mehrfach ausgezeichnet; hier seien nur genannt „Deutscher Preis für Optometrie“, die „Simon-Plössl-Medaille“ und das „ZVA-Ehrenzeichen in Gold“.



Nahezu unerschöpflich, akribisch und immer offen für konstruktive Kritik, hat er von 1952 bis 1981 neben seiner Lehrtätigkeit theoretische Grundlagenforschung und auch die handwerkliche Umsetzung notwendiger Versuchsaufbauten geleistet (schließlich war Hans-Joachim Hasse nicht nur Augenoptikermeister, sondern auch Uhrmachermeister). Und immer war er getrieben vom Wunsch, die bis dato bestehenden Unzulänglichkeiten der binokularen Augenglasbestimmung zu überwinden.



Dadurch hat er der Augenoptik ein Verfahren gegeben, das sowohl die apparativen Voraussetzungen als auch genaue Mess- und Korrektionsregeln und den theoretischen Hintergrund enthält. Hans-Joachim Haase wird daher freundlich verkürzend von seinen Studenten als Vater des Polatestes oder der Binokularen Vollkorrektion bezeichnet.



Aber es wäre ebenso verkürzend, seine Verdienste nur für das Gebiet der Augenoptik zu würdigen. Er hat sich auch intensiv mit der Korrektion bei den krankhaften Störungen des beidäugigen Sehens auseinander gesetzt und damit den Augenärzten und Orthoptistinnen in den Sehschulen bislang von ihnen noch nicht annähernd gewürdigte Ansätze für neue Therapiemöglichkeiten aufgezeigt.



Sein Gesamt-Werk war im Jahre 1988 der Anlass für die Gründung der Internationalen Vereinigung für Binokulare Vollkorrektion, die als erste Organisation den beiden um die Augenglasbestimmung befassten Berufsgruppen getreu typischer Haasescher Einstellung offen steht.



Besonders am Herzen lag ihm innerhalb der IVBV die Arbeit des seit 1992 bestehenden Wissenschaftlichen Beirates, dem er von Beginn an angehörte. Ohne seine Mitwirkung wäre es nicht möglich gewesen, die wesentlichen Punkte seiner Methodik zu Richtlinien zusammenzufassen.



Ich bin dankbar, dass wir einen herausragenden Menschen und Wissenschaftler in unseren Reihen hatten, der völlig uneigennützig der Augenoptik die Chance gegeben hat, sich auf eine ihrer wichtigsten Aufgaben, die Augenglasbestimmung, zu besinnen. Und ich bin dankbar, dass jetzt sein letzter Wunsch erfüllt wurde, von einem langen und sehr schweren Leiden erlöst zu werden.



Früher, aber auch schon schwer krank, sagte er wörtlich am 31. August 1997 in einem Telefonat mit mir: „Irgendwann ist es ja sowieso zu Ende. Dies sind nun mal die Schritte dahin und die kann ich nicht beeinflussen. Die Stimmung lasse ich mir dadurch nicht verderben.“



Und wenn die Sprache auf die IVBV kam, dann hat er sich bis zu seinem Tode immer gewünscht, dass wir „ordentlich weitermachen“ sollen.



In diesem Sinn, Tschüss Hans-Joachim Haase.



Dr. med. Uwe Wulff

(Sprecher des Wissenschaftlichen Beirates der Internationalen Vereinigung für Binokulare Vollkorrektion)

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