NCC: Das Geheimnis des Erfolgs

NCC: Das Geheimnis des Erfolgs

7. Juli 2014

Der größte Kontaktlinsenkongress Europas ist in ... den Niederlanden!

Der 5. niederländische Kontaktlinsenkongress NCC 2014 hat alle Rekorde geschlagen – zumindest auf europäischem Boden. Mit knapp 1.600 Besuchern erreichte der Kongress bei Eindhoven rund zwei Drittel aller Kontaktlinsenanpasser in den Niederlanden. Ein Umstand, der hierzulande einen Freudentaumel auslösen würde.

Der Besucheransturm auf den NCC 2014 am 16. und 17. März hat eine historische Größe überschritten. ­Unsere niederländischen Nachbarn machen damit nicht nur uns etwas vor, sie liefern auch eine Steilvorlage an die britischen Kollegen, die mit ihrem Kongress des Britischen ­Kontaktlinsen Verbandes (BCLA) in diesem Jahr zum 38. Mal einen festen Platz in den Terminkalendern der internationalen Kontaktlinsenspezialisten haben. An vier Kongress-Tagen ­erreichen sie jedoch „nur” rund 1.300 Besucher.

Doch genug der Größenvergleiche. Die Veranstalter betonten im Gespräch mit FOCUS: „Wir wollen nicht die Größten sein, aber auf jeden Fall die Besten!“ Was gab es Besonderes? Es gab Workshops, Podiumsdiskussionen, „Rapid Fire Sessions” und eine Industrieausstellung bei der alle für die Niederlanden wichtigen nationalen und internationalen Firmen vertreten waren. Und es gab vor allem eine hochwertige Besetzung ­internationaler Redner, die relevante Neuheiten oder speziell auf den niederländischen Markt zugeschnittene Themen ­vortrugen. Darunter waren unter anderem Lyndon Jones, ­Philip Morgan, Jason Nichols, Nancy Keir, Eric Papas, Brian Tompkins und José Manuel González-Méijome.

Das Kongressmotto lautete: „Decoding the Secret”, und damit reflektierte es die Besonderheiten dieses Marktes. Denn unser kleines  Nachbarland macht in puncto Kontaktlinsen vieles anders als der Rest der Welt. So gab es besondere ­Schwerpunkte in Ortho-K, Anpassung von Sklerallinsen, Anpassung für besondere Fälle beispielweise nach OPs. Im Zentrum der Vorträge lagen praxisrelevante Themen und die Weiterbildung – und weniger die Forschung. Ihr wurde allerdings auch hin­reichend Raum geboten. Doch die Verteilung der Besucher in den ­verschiedenen Vorträgen zeigte, dass diese Themen zwar Beachtung fanden, jedoch nicht im Fokus des Interesses lagen.

Parallel liefen drei Vortragsreihen. Für die Organisation der ­Vorträge waren unter der Leitung von Marco van Beusekom ­(BOptom) auch Ron Beerten (BOptom, FAAO) und Eef van der Worp (BOptom, PhD, FAAO) mitverantwortlich. Vorsitzender des Veranstaltungsorganisation war Hans Kloes, der zudem Vorsitzender des niederländischen Verbands der Kontakt­linsenspezialisten (ANVC) ist.

Die Veranstalter haben bereits in der Vergangenheit bewiesen, stets etwas Besonders für ihre Besucher zu bieten. Auf dem diesjährigen Kongress staunten die Teilnehmer über eine 360° ­Bühne, die von vier Seiten eingesehen werden konnte. Die Redner bewegten sich so inmitten der Zuschauer und wurden dabei von neun Kameras erfasst. Durch diese Anordnung gab es mehr Raum für Besucher. Somit konnte die Kapazität um 200 Sitz­plätze erhöht werden. Ein anderes Novum war ein „Speed-Dating” mit den Rednern. Es ermöglichte den Besuchern ein zweiminütiges Vier-Augen-Gespräch, um direkte Fragen zu stellen. Zum ersten Mal haben alle Redner zum ­Auftakt der Veranstaltung ihre eigenen Vorträge kurz vor­gestellt und damit beworben. Die Besucher konnten sich so gleich zu Beginn ein umfassendes Bild der ­Redner und deren Themen machen.

Das Geheimnis des Erfolgs

Da man in Eindhoven der Entschlüsselung mancher Geheimnisse nachging, fragten wir bei den beiden Verantwortlichen der Organisation nach: Was ist das Geheimnis des Erfolgs des NCC? Im Gespräch mit FOCUS fasste es Hans Kloes zusammen: „Wir glauben mehrere Dinge sind hier entscheidend: Wir veranstalten den Kongress nur alles zwei Jahre, das gibt uns die Möglichkeit, immer etwas wirklich Neues zu präsentieren, hinzu kommt der attraktive Preis von € 175. Wenn Sie nach England fahren, haben Sie deutlich höhere Kosten, ganz nebenbei kommen noch Anfahrt und Unterkunft hinzu.” Marco von Beusekom ergänzte: „Wir veranstalten diesen Kongress außerdem ehrenamtlich! Wir machen das mit viel Engagement, um der gesamten Industrie und der Kontaktlinse einen Schub zu geben.” Die Kontaktlinsen-Community in Benelux ist zudem relativ klein und viele Besucher kennen sich seit Jahren. Es ist somit das Event für die Branche.

Ein weiterer Umstand für die große Teilnahme dürfte auch darin liegen, dass es in den Niederlanden keine einheitliche ­Regelung zur Qualifizierung gibt. Praktisch jeder kann ein Augenoptikgeschäft eröffnen, wenn ihm danach ist. Erst einzelne Tätigkeiten, wie das Refraktionieren oder das Anpassen von Kontaktlinsen unterliegen einer Regelung. Eine Qualifizierung wird unter anderem über ein Punktesystem vergeben, ähnlich wie es in England praktiziert wird oder wie es bei unseren Medizinern üblich ist. Diese Weiterbildungspunkte werden durch den Besuch des NCC vergeben. So ist eine Veranstaltung wie diese essentiell für einen Spezialisten in den Niederlanden.

Die Kongresssprache bewegte sich locker zwischen vornehmlich Englisch und Niederländisch und war daher auch für internationale Besucher sehr attraktiv. Erstaunlich wenig Besucher aus Deutschland fanden jedoch den Weg nach Eindhoven. Vor zwei Jahren gab es seitens der Organisatoren die Idee den NCC noch internationaler zu gestalten, davon rückten die Veranstalter im Gespräch jedoch eher ab. „95 Prozent der Besucher kommen aus dem niederländisch sprechenden Teil der Benelux, ich denke, das sind unsere Adressaten. Wir liegen mit unserem Angebot genau richtig”, so Marco van Beuskom. Der ­Veranstaltungsort hat ohnehin seine Kapazitäten so gut wie ausgereizt. Vielmehr geht nicht. Er fügt hinzu: „Das war ein Grund, warum der Besucherzustrom gedeckelt werden musste.” Die ­maximale Besucherzahl war schon Tage vor der Veranstaltung erreicht. Auf der Website des NCC wurde verkündet, keine Bekannten und Freunde auf gut Glück mitzubringen, da es keine weiteren ­Tickets mehr gäbe.

Ob der Rekord nur für Europa gilt? „Ich vermute nicht”, fügt Marco van Beusekom lächelnd hinzu, „wir haben es nicht überprüft, aber möglicherweise sind wir der größte Kongress auf diesem Gebiet weltweit!” Dass Größe allein nicht zählt, ist ja hinreichend bekannt, doch hier stimmte vor allem eins: Die Qualität!

Der NCC 2016 wird vom 13.-14. März wieder in Veldhoven bei Eindhoven stattfinden.

  • NCC 2014
    NCC 2014
  • Eef van der Worp
    Eef van der Worp
  • Helmer Schweizer
    Helmer Schweizer
  • Philip Morgen
    Philip Morgen
  • v.l.: Hans Kloes und Marco van Beusekom
    v.l.: Hans Kloes und Marco van Beusekom
  • Sarah Morgan
    Sarah Morgan
  • Stefan Bandlitz
    Stefan Bandlitz
  • Eric Papas
    Eric Papas

Von Silke Sage

Artikel aus FOCUS 2014_05

Kommentieren

Kommentieren in diesem Channel-Eintrag nicht mehr möglich