Montag, 30. Januar 2012
Nutzen von Glaukomvorsorge „nicht abschätzbar“
Wie der Verband der Gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) zusammen mit dem Medizinischen Dienst des GKV-Spitzenverbandes (MDS) in einer aktuellen Presseinformation mitteilt, gehe es bei vielen Individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL) „vorrangig um wirtschaftliche Interessen von Ärzten und nicht um notwendige medizinische Leistungen für Kranke.“
Aus diesem Grunde habe der MDS mit dem „IGeL-Monitor“ eine Internetplattform ins Leben gerufen, die es den Versicherten ermöglichen soll, auf Grundlage empirisch-medizinischer Bewertungen eine Entscheidung für oder gegen das jeweilige Selbstzahlerangebot des Arztes zu treffen.
Im Falle der Glaukom-Vorsorge beim Augenarzt kommt der IGeL-Monitor zu dem Urteil: „tendenziell negativ“. Weiter heißt es, der Nutzen der Augeninnendruck-Messung sei aufgrund „unzureichender Datenlage nicht abschätzbar“ und die „diagnostische Aussagekraft der Messung eingeschränkt“.
Die Messung des Augeninnendrucks ist die am häufigsten angebotene Einzelleistung im deutschen Gesundheitssystem. Bei einer Erhebung des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdo) im Jahr 2010 gaben zudem 81,3% der insgesamt 3.000 Befragten an, nicht von sich aus nach dieser Messung gefragt zu haben. Auch in dieser Kategorie belegte die Glaukomvorsorgeuntersuchung den Spitzenplatz.
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Wir können davon ausgehen, dass MDS und GKV genau darüber informiert sind, dass eine Glaukom-Vorsorgeuntersuchung – und darum geht es bei dem IGeL – nicht allein aus der Messung des Augeninnendrucks besteht. Alle, die sich mit dem Thema „Auge“ befassen – auch Journalisten – müssten es inzwischen wissen. Für den überwiegenden Teil der Bevölkerung, der (noch) nicht betroffen ist, bleiben dagegen “Augendruckmessen” und “Glaukom-IGeL” Synonyme. Genau das nutzen die Institutionen, um die Mär aufrecht zu erhalten, dass alles, wofür die GKV die Kosten nicht übernimmt, überflüssig oder gar schädlich ist.