Politik: Grüne wollen Krankenkassen für Brillen zahlen lassen

14. Mai 2019

Vorstoß für 40 Millionen Brillenträger

Die Grünen fordern, dass alle gesetzlich Versicherten von den Krankenkassen wieder ihre Brillen bezahlt bekommen. „Gutes Sehen darf kein privater Luxus sein“, sagte die gesundheitspolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion, Maria Klein-Schmeink, dem Tagesspiegel.

 „Wer zum Ausgleich von gesundheitlichen Einschränkungen im Alltag auf eine Sehhilfe angewiesen ist, sollte sich auf die gesetzliche Krankenversicherung verlassen können“, heißt es in dem Antrag, den die Grünen bereits im Bundestag eingebracht haben.

Damit die Kosten für die Krankenkassen nicht sprunghaft explodieren, stellen sich die Grünen einen schrittweisen Ausbau der Leistungen vor. Zunächst sollten nur Gläser mit mindestens fünf Dioptrien komplett bezahlt werden, lautet ihr Vorschlag. Für Fehlsichtigkeit ab zwei Dioptrien würde die Hälfte der Kosten übernommen. Das Ziel sei aber eine vollständige Erstattung für alle Sehbeeinträchtigten, betonte Klein-Schmeink. Und Empfänger von Transferleistungen, die gezwungen seien, den Kauf von Brillen aus ihrem Regelsatz zu bestreiten, müssten sofort entlastet werden.

Einen Anhaltspunkt für die finanzielle Dimension könnte der Blick in die Vergangenheit liefern: Bis zum Jahr 2004 zahlten die Kassen allen Versicherten je nach Stärke der Fehlsichtigkeit bis zu 100 Euro pro Glas. Die Ausgaben dafür beliefen sich auf 600 bis 800 Millionen Euro im Jahr. Der Grünen-Vorstoß würde allerdings um einiges teurer. Zum einen, weil das Ziel die komplette Kostenerstattung ist. Zum andern, weil inzwischen mehr Menschen Sehhilfen benötigen.

Gleichzeitig machen die Grünen bei dieser Gelegenheit noch ein weiteres Fass auf. Sie wollen, dass erstattungsfähige Brillen nicht mehr nur von Augenärzten, sondern künftig auch durch Optiker und sogenannte Orthoptisten verordnet werden können. Dadurch könne „eine Vielzahl nicht notwendiger Arztbesuche verhindert werden“, heißt es in ihrem Antrag. „Wir brauchen dringend eine Kompetenzerweiterung anderer augenbezogener Gesundheitsberufe“, sagte Klein-Schmeink. Details seien bis Ende 2020 durch eine Reformkommission zum Gesundheitsberufe-Recht zu klären.

(Quelle: http://www.tagesspiegel.de)

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