Mittwoch, 14. April 1999
Warum Autos nachts langsamer fahren
Nachts sind Katzen nicht nur grau, sondern auch langsam. Denn nicht nur das Farbsehen lässt mit abnehmender Lichtintensität nach, auch die Geschwindigkeit bewegter Objekte erscheint langsamer als sie wirklich ist. Das haben Forscher des Max-Planck-Instituts für biologische Kybernetik und der Universitäts-Augenklinik in Tübingen herausgefunden (Nature, Bd.
398, S. 475, 1999).
Die peripheren Bereiche der Netzhaut, die für das Sehen in der Dunkelheit zuständig sind, liefern bekanntlich nur Schwarz/weiß-Bilder. Für Ihren Versuch ließen die Tübinger Forscher farbenblinde Patienten bewegte Gegenstände auf einem Bildschirm betrachten. Hatte eins dieser Objekte eine Farbe, die der Farbenblinde nicht erkennen konnte, hielt er dieses für ein Viertel langsamer als ein gleichschnelles farbig erkanntes Objekt. Demnach scheinen die Stäbchen der Retina eine geringere Geschwindigkeit an das Gehirn zu melden als die Zäpfchen.
Die Forscher halten diesen Effekt bei Nachtfahrten mit dem Auto für fatal. Denn die Umgebung außerhalb des Scheinwerferlichts wird nur mit Stäbchen erfasst. Somit unterschätzt der Fahrer systematisch seine eigene Geschwindigkeit und die anderer Verkehrsteilnehmer.
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