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Rund 5 Millionen Menschen in der Bundesrepublik Deutschland haben aufgrund "Trockener Augen" - einer besonderen Art von Bindehaut- und Hornhautentzündung - Beschwerden wie Brennen, Kratzen, Sandkorngefühl, gerötete und müde Augen. Ausgelöst werden die Beschwerden durch einen mangelhaften Tränenfilm.
Besonders betroffen von dieser Erkrankung sind Frauen, und zwar besonders jene, die aus Alters- oder Krankheitsgründen unter einer Verminderung des Blutspiegels am Eierstockhormon Östrogen leiden oder "Antibaby-Pillen" mit geringem Östrogenspiegel einnehmen. Darauf wies Prof. Dr. Horst Brewitt von der Augenklinik der Medizinischen Hochschule Hannover vor wenigen Tagen auf einer Pressekonferenz hin, die anlässlich einer gemeinsamen Tagung von Augen- und Frauenärzten in Hamburg stattfand.
Schon lange ist bekannt, dass viele Frauen in der Menopause - also nach Ausbleiben der Monatsblutung - mit Problemen im Genitalbereich zu kämpfen haben (ständig wiederkehrende Blasenentzündung, Scheidenentzündung, Juckreiz, Schmerzen beim Verkehr usw.) und dadurch in ihrer Lebensqualität deutlich beeinträchtigt werden. Dies sind Folgeerscheinungen atrophischer Veränderungen, die sich nicht nur in diesem Organ allein auswirken, sondern - wie sich jetzt herausstellte - an den Schleirnhäuten des gesamten Körpers - und damit neben den weiblichen Geschlechtsorganen auch an Mund, Nase und den Augen. Folge der Hormonproduktionsstörung sind ein Verlust der Hautspannung und der Hautbefeuchtung, die auf einer Verminderung von Flüssigkeitseinlagerungen und einem Defizit in der oberflächlichen Benetzung beruhen - so der Frauenarzt Professor Dr. Hartmut Anger vom Martin-Luther-Krankanhaus in Schleswig.
Besonders häufig sind diese Beschwerden in der Menopause oder bei Erkrankungen, die mit einer Verminderung der Ausschüttung von Eierstockhormonen einhergehen. Letzteres ist beispielsweise bei Patienten mit Brustkrebs der Fall, die wegen der Krebstherapie ihre Periode verloren haben oder die mit einer Antihormontherapie (Tamoxifen) behandelt werden. Andererseits haben ältere Frauen, die nach der Menopause eine systemische Hormonersatztherapie erhalten, deutlich seltener die zur Erkrankung "Trockene Augen" gehörenden Beschwerden. Man geht heute davon aus, dass Eierstockhormone - wie z. B. das Östrogen - eine maßgebliche Rolle bei der Flüssigkeitsansammlung von Schleimhautzellen spielen. In der Schleimhaut der Scheide sind entsprechende Hormonrezeptoren bereits festgestellt worden. Am Auge oder anderen Schleimhäuten steht die Entdeckung solcher Rezeptoren noch aus.
Wodurch letztlich die Erkrankung "Trockene Augen" ausgelöst werden, ist bislang noch nicht endgültig erklärt, mit der Entdeckung eines Zusammenhanges zwischen weiblichen Hormonen und "Trockenen Augen" sind die Wissenschaftler jedoch auf einer interessanten und Erfolg versprechenden Spur. Erste Versuche mit hormonhaltigen Augentropfen werden bereits unternommen, weitere Studien über eine allgemeine Hormontherapie sind erforderlich.
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