Umzug in einer besondere Location

Umzug in einer besondere Location

26. Januar 2017

Zu Besuch bei Markus T

Ortstermin in einer alten Schnapsbrennerei im Ortskern von Isselhorst bei Gütersloh: Auf dem alten Fabrikgelände herrscht ein Gewirr von Baufahrzeugen, Kränen und Bauarbeitern. Das Gebäude „An der Manufaktur 1“ zur Linken ist bereits fertig und doch lässt sich nicht auf den ersten Blick vermuten, was sich hinter den rotbraunen Backsteinmauern und den Glaswänden befindet. Markus Temming, Designer, Namensgeber und Produzent der Brillenlinie MARKUS T begrüßt FOCUS zu einem ersten Rundgang im neuen Gebäude. Hier entwirft er diese besonderen Brillen, die alles vereinen, was sein Label ausmacht: Design, technische Finesse, Funktionalität, Komfort und schlichte Eleganz.

Von Silke Sage

Bevor sich das schwere alte Holzportal am Haupteingang öffnet, kündigt ein tiefes Bellen jenseits der Tür den Besuch an. Die zwei gutmütigen französischen Hirtenhunde Arun und Caruso gehören genauso zum Team wie die knapp 90 Mitarbeiter, die täglich Bestellungen annehmen, in der Verwaltung oder im Marketing arbeiten oder die Markus T Brillenfassungen fertigen. Es riecht noch nach Farbe und die Kabel sind noch nicht alle verlegt.

Der Weg führt durch das frisch renovierte alte Verwaltungsgebäude über eine eiserne Treppe hinauf und wieder hinunter zum Aufenthaltsraum der Mitarbeiter. Das Wort Raum leitet an dieser Stelle fehl, denn tatsächlich ist es ein großzügiger offener Bereich in der alten Fabrikhalle. Unregelmäßige Backsteinmauern wechseln sich mit Glas und Beton ab und feine Linien aus weißem Licht geben dem Baumaterial den richtigen Auftritt. Hier empfängt Markus Temming den FOCUS und plaudert in Hörweite seiner Mitarbeiter, die nach und nach zur Mittagspause eintrudeln, über sein Unternehmen, seine Visionen und seine Leidenschaft für Brillenfassungen und dessen Design.

Sinn für das Werkeln und die schönen Dinge

Seine Leidenschaft für Brillenfassungen geht weit zurück. Bereits als Kind hat Markus Temming gerne Sachen zusammengebaut und mit technischen Lösungen, die auch noch gut aussehen sollten, experimentiert. „Wir hatten einen großen Schuppen mit unglaublich vielen Werkzeugen, Schrauben und Nägeln. Da habe ich viel Zeit verbracht. Doch wir hatten auch eine Baufirma in der Nachbarschaft, wo ich mit Maschinen arbeiten konnte, von denen andere Kinder in meinem Alter nur geträumt haben,“ erinnert sich Markus Temming.

Als er schließlich Lehrling bei einem Augenoptiker wurde, lag die Idee nah, eigene Brillenfassungen zu bauen. Ständig nahm er Material mit nach Hause und baute Brillen. Seine Freunde und Eltern waren die ersten, die seine selbst entworfenen Fassungen trugen. Und nach dem Besuch der Meisterschule in Köln und einem beruflichen Aufenthalt in der Schweiz, wuchs der Wunsch sein eigener Herr zu werden und die Idee seine eigene Brillenlinie auf die Beine zu stellen, ließ ihn nicht mehr los. Dabei ging er sehr planerisch und methodisch vor. Auf nur einer einzelnen Idee basierend wollte und konnte er langfristig keine Kollektion aufbauen. Die Brillenfassungen sollten in Deutschland hergestellt werden und mit vernünftigen Löhnen bezahlbar sein. Also tüftelte er an verschiedenen Steckverbindungen und Systemen, die sich einfach zusammensetzen lassen. „Ich war ja Augenoptiker und kein Maschinenbauer oder Metallbauer. Ich hatte von alldem viel weniger Ahnung, als ich vorher dachte,“ so Markus Temming und er fügt hinzu „es war ein bisschen so, als müsste ich das Fahrrad neu erfinden.“

Die erste Brillenkollektion

So entstand nach und nach die erste Kollektion. „Wir zeigten die Brillenfassungen dann zunächst auf einer kleinen regionalen Brillenmesse, bei denen neben einem Tisch und einer Rückwand keine großartigen Aufbauten nötig waren. Das Schöne daran war, dass alle anderen Hersteller – auch die, die damals dick im Geschäft waren – genauso ausgestellt haben,“ erinnert sich Temming. „Wir verkauften einige Brillenfassungen. Als dann auch noch ein großes Augenoptikgeschäft mit mehreren Filialen zugriff, war ich schon sehr stolz,“ beschreibt er das tolle Gefühl, das sich nach den ersten Präsentationen einstellte.

„Richtig froh war ich über die Folgeaufträge. Denn da wusste ich: Diese Brillen hängen nicht nur im Geschäft an der Wand, sie werden von Menschen auch getragen und die sind offensichtlich zufrieden damit. Das war toll! Am Anfang stand mein Faxgerät neben meinem Bett und jedes Mal wenn ein Folgeauftrag eintraf, hab ich mich total gefreut. Später surrte auch nachts das Faxgerät, als die ersten Brillenfassungen aus dem Ausland bestellt wurden. Natürlich freue ich mich auch jetzt noch über jeden Auftrag, nur schlafe ich heute nicht mehr neben dem Faxgerät (lacht).“

Gleich zu Beginn versuchte ausgerechnet ein deutscher Hersteller das Designkonzept von Markus T zu kopieren. Doch es geschah, was Markus Temming – der damals noch nicht mit dem nötigen finanziellen Background ausgestattet war, um zu klagen – sich erhofft hatte: Eine billige Kopie, die das gesamte Konzept des Designs nicht lebt, sondern zwischen dem Sammelsurium der anderen Fassungen untergeht, hatte keinen langfristigen Erfolg. Und so erledigte sich der Fall bald von selbst.

Heute hat er sich seine technischen Lösungen und seine Designs durch Patente schützen lassen. Doch bei Plagiaten aus Asien nutzt das nur wenig. Das Markenbewusstsein ist dort zudem ein ganz anderes als bei uns. Doch spätestens, wenn diese Kopien nach Europa kommen ist Schluss mit dem weiteren Vertrieb. 

Design als Leidenschaft

Heute ist die mehrfach ausgezeichnete Brille mit dem Namen „Design“ zum Markenzeichen von Markus T geworden. Neben der Design-Linie sind bisher drei Kollektionen der ME- und der Titan-Serie sowie drei Sonnenbrillenkollektionen entstanden. Und aus dem jungen Augenoptiker ist ein erfahrener Designer und Geschäftsführer geworden, der heute ein Unternehmen mit knapp 90 Mitarbeitern leitet und neben Brillenfassungen auch Lichtsysteme, Möbel und Gebäude entwirft.

Seine Brillenfassungen zieren mittlerweile immer häufiger Personen, die in der Öffentlichkeit stehen, seien es Politiker oder auch manchmal Stars. Was ist das für ein Gefühl, wenn man plötzlich realisiert, die eigenen Produkte sind so gut, dass sie den Weg dorthin gefunden haben? „Das ist natürlich schön,“ lässt der sympathische Designer durchblicken, „ich finde das immer toll, wenn ich irgendwo meine Brillen sehe. Aber ich freue mich eigentlich noch mehr, wenn ich die Brille bei ganz normalen Menschen sehe. Und dann besonders, wenn das irgendwo weit weg auf der anderen Seite der Erdhalbkugel ist. Es ist einfach toll, dass sie ihrer Bestimmung nach offensichtlich zufriedene Träger gefunden haben.“ Und er fügt hinzu: „Es kam schon vor, dass mich fremde Menschen in irgendeiner fremden Stadt auf meine eigene Brille angesprochen haben und mich für meine ‚gute Wahl‘ gelobt haben. Das sind die umwerfenden Momente!“

Ein Rundgang

So allmählich wurde der bisherige Standort in den Gebäuden eines ehemaligen Bauernhofes zu klein. Die Markus Temming GmbH hatte schon alle Platzressourcen ausgeschöpft. Und so war es bald klar, dass nach fast 15 Jahren ein neuer Standort gefunden werden musste. „Neue Räumlichkeiten kamen für uns nicht in Betracht. Wir wollten einen Ort mit Geschichte,“ so Markus Temming, „diesen haben wir in der alten Brennerei Elmendorf in Isselhorst gefunden. Nach einigen Hürden und einem verschobenen Umzugstermin, sind nun alle Räume bezogen worden.“

Weiß getünchte Wände, große geschwungene Fenster in schwarzen Rahmen und ein ruhiges reduziertes Interieur aus Schwarz und Anthrazit zieren den Teil der Verwaltung der Manufaktur. Dabei wurden ursprüngliche Elemente des Gebäudes erhalten und gekonnt in Szene gesetzt.

In der oberen Etage hat Markus Temming ein feines aber schlichtes Büro bezogen. Den Mittelpunkt bildet ein gut fünf Meter langer Schreibtisch aus schwarz lackiertem Aluminium über dem ein ebenso schlichtes wie eindrucksvolles Licht installiert ist. „Diese Lampen habe ich entworfen und wir verwenden sie im gesamten Gebäude. Ebenso die Tische und die Monitor-Befestigungen. Das sind hauseigene Entwürfe.“

Die Bereiche der Produktion liegen zwischen Glas und Backsteinmauern. Überall strömt Tageslicht herein und die großen Fenster bieten einen freien Blick auf die Bauarbeiten der anderen Gebäude. Denn der Gebäudeteil, der die Manufaktur beherbergt ist nur ein Detail des Ganzen auf dem über 8.000m² großen Grundstück: Insgesamt ist die Umgestaltung der ehemaligen Brennerei Elmendorf ein großes Projekt, das ihm sehr am Herzen liegt. „Die ersten Gebäude hier wurden bereits 1609 gebaut und stetig erweitert bis vor wenige Jahrzehnte. Es war anfangs schwierig das Gebäude zu verstehen, doch das war auch eine tolle Herausforderung“, erinnert sich der Designer. Wenn die Bauarbeiten an den anderen Gebäuden abgeschlossen sind, wird hier ein schickes Konglomerat an Gewerbe und Wohnungen entstanden sein. Die gläserne Manufaktur von Markus T wird als „erlebbare Produktion“ der Öffentlichkeit besondere Einblicke bieten und zeigen, „wie das Handwerk Brille funktioniert“ und somit den qualitativen Unterschied zu Fremdproduktionen im Ausland verdeutlichen. Mitmachen und Ausprobieren soll dann ausdrücklich erwünscht sein und damit wird dies sicher eine Besonderheit in Deutschland sein.

In der Planung sind noch ein Gastronomiebetrieb und ein Hotel mit Boardinghouse-Charakter. Das ebenfalls von Markus Temming geführte Hotel und das von ihm geplante Restaurant sollen den Manufaktur-Standort Gütersloh-Isselhorst für Kunden und Besucher aus aller Welt zu einem spannenden Erlebnis machen.

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