Mittwoch, 15. März 2000
Optikernetz.de noch nicht in trockenen Tüchern
Zum Projekt optikernetz.de, gedacht als "virtuelles Zuhause für die Branche der Augenoptik", hat die Mitgliederversammlung des ZVA in Erfurt am Wochenende (12.3.) noch keinen endgültigen Beschluss gefasst. Der Grund lag darin, informierte Pressesprecher Stefan Diepenbrock auf Anfrage, dass sich die ZVA-Mitglieder über die finanziellen Hintergründe bei der neu zu gründenden optikernetz-GmbH noch nicht ausreichend informiert fühlten.
Es scheint kein leichtes Vorhaben, das bereits seit Januar bestehende optikernetz.de, das vom Landesverband Westfalen/Lippe ins Leben gerufen worden war, jetzt auf bundesweiter Ebene mit Beteiligung des ZVA und der anderen beteiligten Landesverbänden weiterzubetreiben. Dazu soll eine neue Service-GmbH ins Leben gerufen werden, an der die elf Landesverbände und der ZVA beteiligt sein sollen.
Nach lebhafter Diskussion einigten sich die Delegierten (bei 22 Enthaltungen) in Erfurt auf folgendes Vorgehen: Es soll für ein bundesweites optikernetz.de eine GmbH gegründet werden. ZVA und der Landesverband Westfalen/Lippe sollen einen entsprechenden Vertrag vorbereiten und den übrigen Landesverbänden zukommen lassen. Wichtige Punkte dabei sind: Der Kaufpreis und die verschiedenen Gesellschafteranteile für den ZVA, den Landesverband Westfalen/Lippe sowie die der anderen Landesverbände. Anschließend soll im Rahmen der optica in Köln, voraussichtlich am Sonntag, eine außerordentliche Versammlung des ZVA stattfinden, in der dann ein abschließendes Votum der Landesverbände zu diesem Thema abgegeben werden soll.
ZVA-Präsident Thomas Nosch fasste es abschließend zur Mitgliederversammlung in positive Worte: "Optikernetz ist noch nicht in trockenen Tüchern, aber die breite Zustimmung für diesen Internet-Auftritt ist vorhanden. Das hat die Mitgliederversammlung gezeigt. Wir haben das Projekt auf die Schiene gesetzt!"
Die Diskussion um das weitere Vorgehen bei optikernetz.de entbrannte unter anderem darüber, dass der Landesverband Westfalen/Lippe 25,1% der Anteile an optikernetz.de beanspruchte, obwohl ihm, geht man von der Mitgliederzahl aus, zahlenmäßig nur rund 13% zustünden. (Ein Mitglied während der Versammlung: "Es könnte sich so eine Art Bayern innerhalb der Optiker-Gilde bilden, weil NRW damit schließlich auch 25% der Einnahmen kassiert." - Ein anderer: "Schade, das hier hätte anders vorbereitet werden sollen.") 25,1% hätte nach dem ursprünglichen, in Vorgesprächen erstellten Modell auch der ZVA in Anspruch genommen, die übrigen zehn Landesverbände würden ihren Mitgliedern entsprechend berücksichtigt.
Zum Hintergrund: Im Mittelpunkt von optikernetz.de steht der Aufbau einer Online-Community für Augenoptiker, die nicht von der Industrie ins Leben gerufen wurde, sondern von den Innungsmitgliedern selbst betrieben wird. Ihr Ziel ist der Informationsaustausch unter Augenoptikern, mit Herstellern, die Kommunikation mit Verbänden, Einkaufsgemeinschaften und nicht zuletzt mit den Kunden, aber auch eine Art Intranet für internen Informationsaustausch. Zurzeit ist in erster Linie Landesinnungsverband Westfalen/Lippe von seiner Dortmunder Geschäftsstelle aus aktiv. Thomas Röttger und Ute Limberg übernehmen seit Ende Januar die Aufgabe, die Nachrichten des optikernet.de täglich zu aktualisieren. Geplant ist allerdings, dass der Service bundesweit im ZVA-Bereich eingespeist wird. Das Angebot versteht sich als "Portal für die Branche". Geboten wird Information aus den Bereichen Beruf und Politik, Unternehmensführung, Werbung, Krankenkassen sowie Tarifpolitik und anders mehr.
Optikernetz.de bietet auch die Möglichkeit, zur eigenen Internetpräsenz. Mit individuellen Home-Pages haben auch Augenoptiker die Möglichkeit, sich und ihre Dienstleistungen darzustellen. Immerhin fast die Hälfte (49%) der Augenoptiker bekundeten in einer Umfrage langfristiges Interesse an einem Branchennetz, so optikernetz.de.
Entwickelt wurde das Online-Angebot von ProfNet, einem Institut für Internet-Marketing der Fachhochschule Dortmund. Knapp ein Drittel von befragten Augenoptikern (29%) hielten es für "höchst wichtig", nur 15% für "unwichtig".
Die Nutzung von optikernetz.de ist kostenlos für Innungsmitglieder. Vorhanden sein muss ein Internetzugang, nach der Registrierung als Mitglied, kann das Surfen durchs optikernetz.de dann losgehen. Bis jetzt gibt es 410 eingetragene Nutzer laut eigenen Angaben von optikernetz.de. Auch eine spezielle Suchmaschine für augenoptische Themen soll mit zum Service von optikernetz.de gehören, entsprechende Kontakte sollen bereits geknüpft worden sein, hieß es. Refinanzieren soll sich optikernetz.de über Bannerwerbung von Herstellern und augenoptischer Industrie.
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