Forschung: Einfluss der Darmflora auf AMD

19. November 2021

Forschungspreis für Studie am Universitätsklinikum Bonn

Die altersabhängige Makuladegeneration (AMD) ist in Deutschland und Europa die Hauptursache für Erblindung und schwere Sehbehinderung im Alter. Etwa jeder dritte über 70-Jährige ist von einer frühen Form betroffen. Mit dem Ziel die Erkrankung besser zu verstehen, nehmen Prof. Zeinab Abdullah und Prof. Robert Finger vom Universitätsklinikum Bonn (UKB) jetzt Immunmechanismen bei der AMD unter die Lupe.

Dazu untersuchen sie das Zusammenspiel der Darmflora, dem Stoffwechsel und der Immunabwehr. Ihre Hoffnung ist, dass sich daraus in Zukunft Behandlungsstrategien bei AMD ableiten lassen. Für ihr Forschungsvorhaben der Universität Bonn erhielten Prof. Abdullah und Prof. Finger jetzt den EURETINA Medical Retina Clinical Research Award 2021. Die Förderung ist mit 293.000 € dotiert.

Im Frühstadium der AMD sammeln sich stoffwechselbedingte Ablagerungen unter der Netzhaut ab. „Es schreitet langsam über im Durchschnitt zehn Jahre zur späten AMD voran“, sagt Prof. Dr. Robert Finger, stellv. Direktor der Augenklinik des UKB. „Bisher gibt es aber keine Therapie, die diesen Prozess verlangsamt oder stoppt.“

Beeinflusst die Darmflora die Netzhauterkrankung?

Bereits bekannt ist, dass bei der Entstehung einer AMD Endzündungen und Fehlfunktionen des Immunsystems, einschließlich erhöhter Entzündungsmarker im Blut, eine Rolle spielen. Hinzu kommt eine reduzierte Fähigkeit der Abfallbeseitigung, fachsprachlich Phagozytose. Zuletzt wurde für Bakterien im Darm ein Bezug zu Entzündungen und AMD aufgezeigt. Denn die Darmflora beeinflusst zum einen unsere Verdauung und damit die resorbierten Stoffwechselprodukte und unter anderem hierdurch die Entzündungswerte.

„Allerdings wurde dies alles bisher nicht zusammen in einer Studie betrachtet. Um die AMD aber besser verstehen zu können, müssen die Krankheits-Stadien, die Darmflora, der Stoffwechsel sowie die Entzündungsprozesse als Teil des Immunsystems umfassend gemeinsam untersucht werden“, sagt Prof. Dr. Zeinab Abdullah, Exzellenzcluster-Gruppenleiterin am Institut für Molekulare Medizin & Experimentelle Immunologie des UKB. Zusammen mit Prof. Finger hofft sie neue Biomarker zu entdecken, die mit einem erhöhten oder verringerten Risiko der Krankheitsentwicklung verbunden sind.

Quelle: Universitätsklinikum Bonn (UKB)

Im Labor am UKB: EURETINA Medical Retinal Clinical Research Award 2021 geht an Prof. Robert Finger und Prof. Zeinab Abdullah (v.l). Bild: UKB/Johann Saba
Im Labor am UKB: EURETINA Medical Retinal Clinical Research Award 2021 geht an Prof. Robert Finger und Prof. Zeinab Abdullah (v.l). Bild: UKB/Johann Saba

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