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Optische Phänomene: „Here Comes the Sun“

Abb. 1: Wenn Sie sich auf das Bild zubewegen und wieder zurück, dann ändert sich die wahrgenommene Größe der hellen Mitte. Bei der Bewegung zum Bild breitet sich der helle wahrgenommene Bereich weiter zur Peripherie aus und schrumpft bei Bewegung in die entgegengesetzte Richtung. Alan Stubbs nennt es den „Here comes the sun“-Effekt.

Für Pessimisten und Optimisten

Das war der Titel des Bildes, mit dem Alan Stubbs im Jahr 2006 beim Wettbewerb „Best Illusion of the Year“ unter den „Top Ten“ landete. Bei der Bewegung auf das Bild zu und wieder weg vergrößert bzw. verkleinert sich der zentrale weiße Bereich des Bildes dramatisch.

Der Effekt ist vor allem auf dem Bildschirm sehr eindrucksvoll. Leider funktioniert der Effekt kaum in der gedruckten Form. Bild 1 ist ein eigener Versuch, den Effekt auch im Druck (hoffentlich) sichtbar zu machen.
Jedenfalls werden Sie spätestens in der Online-Version des FOCUS in der FOCUS-App sehen, wie stark der Effekt sein kann. Probieren Sie es auch mit dem Original von Alan Stubbs: https://illusionoftheyear.com/2006/05/dynamic-luminance-gradient-effect/. Auf dem Bildschirm reicht ein viel schwächeres transparentes weißes Zentrum, das sich zur Peripherie hin noch weiter abschwächt. Daher der Name: „Dynamischer Helligkeits-Gradient Effekt“.

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Alan Stubbs (1940 bis 2014) war Professor für Kunst an der Universität in Maine, dem nordöstlichsten Staat der USA. Seinen PhD hat er in Psychologie erhalten. Kein Wunder also, dass er seine künstlerischen Aktivitäten eng verknüpfte mit der Psychologie der Wahrnehmung.
Dieser Effekt war damals neu und bis heute scheint es keine wirklich überzeugende Erklärung zu geben. Seit 2005 organisieren Susana Martinez-Conde and Stephen L. Macknik den Wettbewerb „Best Illusion of the Year“. In ihrem Buch (2017) „Champions of Illusions” wird auch Alan Stubbs gewürdigt. Eine kurze Zusammenfassung enthält einen Erklärungsansatz: „Einige bewegungsempfindliche Neurone der Sehbahn werden selektiv aktiviert, wenn visuelle Objekte sich entweder ausdehnen oder zusammenziehen. Es könnte sein, dass die geisterhafte, transparente weiße Wolke, die von der Bildmitte ausgeht, für diese Neuronen weniger wichtig ist als der gut sichtbare rot-blaue1 Hintergrund. Wenn sich die Wolke und der Hintergrund gemeinsam ausdehnen und zusammenziehen, signalisieren die Neuronen möglicherweise einen Unterschied in den ­relativen Ausmaßen der Ausdehnung und Kontraktion – sodass ein Element stärker hervorzutreten oder zurückzutreten scheint als das andere, obwohl tatsächlich kein Unterschied besteht.“ Mit anderen Worten: Eine überzeugende Erklärung gibt es nicht …
Seitdem das Bild im Internet kursiert, gibt es viele weitere ähnliche Muster. Vor ein paar Wochen hatte Akiyoshi Kitaoka2 das Bild 2 auf seine Facebook-Seite gesetzt. Es hatte den Vermerk: „Es ist gerade sehr heiß in Japan“.
Akiyoshi Kitaoka hat eine ganze Reihe von Bildern dieser Art gestaltet. Hier sind zwei Beispiele. Bei Bild 3 und Bild 4 genügt es, das Bild zu betrachten. Die Kreise scheinen zu wachsen – in der Online-Version wieder in einem enormen Ausmaß.

1 Im Original sind die Hintergrundfarben Rot und Blau.
2 Seine „Rotating Snakes“ haben ihn vor ca. 20 Jahren weltbekannt gemacht.

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