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Wo ist der Nachwuchs?

Foto: contrastwerkstatt/stock.adobe.com

Die Augenoptik sucht dringend Nachwuchs! Dass dies nicht nur ein aktuelles Problem ist, wurde jüngst auf der vergangenen ZVA-Mitgliederversammlung thematisiert. Zwar hatte sich die wirtschaftliche Lage in den Augenoptik-Betrieben in der Pandemie nach April 2020 verbessert, doch mit Neuverträgen für Auszubildende war man offensichtlich zu vorsichtig. Der Berufsbildungsbericht, ­erschienen im vergangenen Januar, belegt dies auch mit Zahlen: So gingen die Neuverträge für Auszubildende von einem Hoch in 2019 von 3.060 erschreckend steil bergab auf lediglich 2.796 in 2020.

Zu klagen hätten wir eigentlich nicht, denn die Ausbildungsquote von 20,4% in der Augenoptik ist in Deutschland im durchschnittlichen Vergleich zu anderen Berufen (4,8%) recht hoch. Und doch fehlt es hinten und vorne! Und das dicke ­Ende wird noch kommen, denn diese Situation wird sich bei den Abschlussjahrgängen ab 2023 bemerkbar machen und den bereits bestehenden Fachkräftemangel weiter befeuern.

Bereits in 2020 wurde daher von der Bundesregierung in die Ausbildungsprämie ordentlich Geld gepumpt, die dem Rückgang der Neuverträge für Azubis entgegenwirken soll. Auch die Augenoptik konnte davon profitieren. In 2021 erhielten ausbildende Betriebe 4.000 € pro Ausbildungsplatz, bei gleichbleibender Anzahl der Plätze zum Vorjahr. 6.000 € gab es sogar für jeden neu geschaffenen Ausbildungsplatz. Dass dies nicht allein weitergeholfen hat, erklärte man in der ZVA-Mitgliederversammlung allerdings auch mit dem Umstand, dass weniger die Zahl der Ausbildungsverträge das Problem sei als vielmehr die der Ausbildungsabbrüche.

In 2021 waren in Deutschland knapp 38.000 Augenoptiker beschäftigt. Nur rund 500 Augenoptiker waren arbeitslos. Dem gegenüber steht die ständige Zahl von rund 1.300 offenen Stellen in der Augenoptik. Nicht nur werden die frisch gebackenen Gesellen, Meister und Fachschulabgänger gleich vom Markt gefegt, hinzu kommt, dass Mitarbeiter gegenseitig abgeworben werden, zum Teil durch fragwürdige Agenturen.

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Die Fortbildungsmöglichkeiten in unserem Beruf können das Interesse junger Berufsanfänger in eine ganz andere Richtung als in klassische Augenoptikbetriebe lenken. Wer hat heute schon Lust darauf, in einem Geschäft mit unattraktiven Arbeitszeiten – womöglich in einer Shopping Mall – bei schlechtem Gehalt sein Dasein zu fristen? In 2020 haben knapp 700 Augenoptiker einen Abschluss erlangt, der sie zur selbständigen Ausübung des Berufs berechtigt, doch nur ein geringer Teil wird selbst zum Inhaber eines Ausbildungs­betriebs. Zu wenige wagen sich nach vorne und eröffnen ein brandneues Geschäft. 

An dieser Stelle noch etwas anderes: 

Wir alle haben die unerträglichen Bilder im Zusammenhang mit der Ukraine gesehen und ich bin sicher, dass viele von Ihnen in dem Zusammenhang schon aktiv geworden sind. Die Hilfsbereitschaft ist glücklicherweise sehr groß und viele Firmen beteiligen sich mit Geld- und Sachspenden oder ­bieten Expertise oder einfach nur Manpower. Das ist auch in unserer Branche so. Uns erreichen mehr und mehr Informationen, wie sich Firmen, aber auch Augenoptiker einbringen, um zu helfen und das Leid zu mildern. Es gibt auch Hinweise, dass unter den Geflüchteten nach ausgebildeten Augen­optikern gesucht wird. Welche rechtlichen Rahmenbedingungen hier gelten und was beachtet werden sollte, damit die Geflüchteten eine gute Perspektive in unserem Berufsfeld haben, darauf gehen wir auf Seite 18+19 in dieser Ausgabe ein.

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