Anzeige
Menicon (Banner)

Von Chancen und Krisen

17.05.2021

Wie blicken wir in einigen Jahren zurück auf diese Zeit? Diese Antwort werde nicht nur ich Ihnen eine Weile schuldig bleiben, denn noch sind wir mittendrin in dieser Krise. Auch wenn sich die Lage teilweise etwas zu entspannen scheint, hat sie deutliche Spuren hinterlassen. Und das auf mehreren Ebenen. 

Der Anfang April erschienene ZVA-Branchenreport offenbart: In unserer Branche bestimmten mehrere Faktoren, wie sehr ein Unternehmen von der Corona-Krise betroffen war. Es hat sich gezeigt, dass der Standort – mitunter gepaart mit neuen Modalitäten – darüber entschieden hat, wie sehr die Umsätze gelitten haben. Während größere und kleinere ­Filialbetriebe, die ihre Geschäftslokale in normalerweise pulsierenden ­1a-Lagen oder Einkaufszentren betreiben, stärkere Einbußen hinnehmen mussten, konnten inhabergeführte Betriebe am Ortsrand oder auf dem Land noch gute Umsätze generieren. Freilich nutzen die großen Betriebe auch alle Möglichkeiten der Kurzarbeit, um den Schaden abzufedern. 

Diese Krise hat aber auch – und das ließ sich schon recht früh absehen – Technologien wie auf Speed nach vorne gebracht. Auch wenn in der klassischen Augenoptik wohl kaum ­Homeoffice, Videokonferenzen oder digitale Beratungen genutzt werden (können), so wurden doch Webseiten aktualisiert, Möglichkeiten für Online-Buchungen eingerichtet, Termine vergeben und virtuelle Messebesuche ermöglicht.

Letztere hat so manchen Augenoptiker, der eine Konferenz oder Messe seit Jahren nicht von innen gesehen hat, mit ­Experten aus aller Welt für nahezu jedes Fachgebiet in der Augenoptik zusammenbringen können. Ein Beispiel für diese Katapultwirkung ist die jüngste Veranstaltung der WVAO, die in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten eher auf beschaulichem Besucherniveau ihre Tagungen bestritten hatte: Ein unerwarteter und hoher Besucherrekord konnte digital erzielt werden. 

Oder denken wir an digitale Plattformen, wie das virtuelle „Try-on“ oder die virtuelle Zentrierung, die zwar seit einigen Jahren irgendwie vorhanden sind, nun aber so professionelle Züge angenommen haben, dass sie das Potenzial haben, dass tatsächlich der Augenoptiker im Homeoffice eine Beratung durchführen könnte. 

Anzeige
Essilor (Banner)

Noch weiter geht hier z.B. Fielmann, die bereits eine virtuelle Anprobe anbieten, doch nun auch unter Hochdruck an der autonomen Refraktion arbeiten. In der vergangenen Ausgabe haben wir schon angedeutet, was auf uns zukommen mag. In dieser Ausgabe stand uns Dr. Franziska Schroeter, Technologiechefin von Fielmann Ventures, im Interview zur Verfügung. Obwohl es einige technische Hürden gibt, ist man bei Fielmann zuversichtlich, die Geschichte in puncto Refraktion schon bald neu schreiben zu können. 

Blicken wir noch etwas weiter über den Tellerrand: Stellen Sie sich vor, Sie setzen Ihre Korrektionsbrille auf, haben gerade durch Ihre Progressionszone einen Beitrag im FOCUS gelesen. Ein plötzliches Summen verrät Ihnen, dass soeben eine E-Mail hereingekommen ist. Ein Tippen auf Ihren Bügel – und ein virtuelles rechteckiges Display erscheint knackig scharf in rund 1-2 m Entfernung vor Ihnen, mit der gerade reingekommenen E-Mail.

Sollte Ihnen in diesem Augenblick jemand gegenübersitzen, wird er nur bemerken, dass sie Ihren Blick um ein paar Grad verändert haben. Gleich danach suchen Sie über dieses Display einen neuen Song aus Ihrer Spotify-Playlist aus, während Sie im Anschluss Ihren Fotostream vom letzten Urlaub anschauen. 

Utopie? Keinesfalls. Das alles ist bereits möglich. Mehr verraten wir an dieser Stelle noch nicht, dazu wird es in der kommenden Juni-Ausgabe einen exklusiven Bericht geben.

Für heute nutzen Sie gerne so lange unsere Printausgabe – und falls Ihnen das zu altmodisch ist, auch gerne unsere ­FOCUS-App mit weiterführenden Inhalten direkt auf Ihr Smartphone oder Tablet.

Ähnliche Beiträge

  • Brennpunkt: Koexistenz

    Von der klassischen Brille ohne Schnickschnack bis zur smarten Hightech-Variante – die Augenoptik steht vor einem digitalen Umbruch. Vernetzte Maschinen, KI-gestütztes Screening und Brillen mit Kamera und KI-Verbindung verändern die Branche. Doch am Ende wird es wohl keine Ablösung, sondern ein Miteinander geben: Koexistenz von Altbewährtem und Innovativem – ganz im Sinne von „aufsetzen und loslegen“ – mit oder ohne Akku.

  • Wellblechkonjunktur

    Das Jahr 2024 neigt sich dem Ende zu. Und während sich die einen mit vorgehaltener Hand freuen, gehen andere durch das Tal der Tränen. Unterm Strich lässt sich in Deutschland mit einer roten Null im Wirtschaftswachstum kein wirklich positives Resümee ziehen, das hängt allerdings davon ab, von wo aus man das betrachtet.

  • Brennpunkt: Das ältere Auge 

    Ein Aufreger in unserer Branche ist derzeit das Augenscreening von dm. Manche Kollegen fühlen sich vor den Kopf gestoßen: Nun können die Augenoptiker endlich seit geraumer Zeit ein breites Screening anbieten – und dank Fielmann ist zudem auch in der breiten Masse angekommen, dass man dazu einen Augenoptiker aufsuchen kann und nicht zwingend zum Augenarzt muss. Und nun kommt eine Drogeriekette daher und hat nicht nur ein ähnliches Screening im Angebot, sondern auch noch einen Knaller-Preis, bei dem sich erst gar nicht die Frage danach stellt.

  • Auf Sicht planen

    Wer braucht schon Pläne, wenn man auch auf Sicht fahren kann?

  • Echte Geschichten. Echte Menschen.

    Das Ende des Jahres nähert sich und mit ihm oft eine Zeit, in der es gilt, das Jahr Revue passieren zu lassen. Das machen auch wir in der Redaktion von FOCUS und fragen uns, was wir für Sie – unsere Leser – noch besser machen können als bisher.

  • Kinder verändern ­unsere Leben

    Es ist das Thema dieser Zeit: Nachhaltigkeit. Viele Augenoptiker haben sich in den vergangenen Jahren auf die Versorgung von fehlsichtigen Kindern spezialisiert. Dahinter steckt bereits ein gewisses nachhaltiges Denken. Denn junge Kunden werden einmal groß und, vor allem auch durch die starke Nutzung ihrer mobilen Handys und ­Tablets möglicherweise auch zu Kunden im Myopie-­Management.