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Fachkräftemangel: Mitarbeiter, wo bist du?

Razvan Chisu/unsplash.com

Neulich rief bei einem Augenoptiker in NRW ein Mitarbeiter eines Beraterunternehmens an, das sich auf Augenoptikgeschäfte spezialisiert hat. Nichts weniger wurde angeboten, als neue Kunden zu rekrutieren, mehr Umsatz in den Laden zu bringen, inaktive Kunden zu reanimieren und seine loyalen Kunden zu echten Fans werden zu lassen. Hört sich vielversprechend an – und wer möchte da nicht zugreifen? 

Doch ein Problem, das wie ein Bremsklotz im Getriebe vieler Augenoptikgeschäfte steckt, ist das fehlende Fachpersonal, das diese Kunden überhaupt bedienen könnte. Hier drehen wir uns im Kreis. Denn hätte das Unternehmen mehr Kunden und mehr Umsatz, könnten vielleicht mehr Arbeitsplätze mit attraktiveren Konditionen angeboten werden. Doch so einfach ist das nicht: Viele Betriebe haben die Mittel, sie haben auch den Platz, den Willen und den Wunsch, sich und ihr Team zu vergrößern. Doch sie finden trotz großer Mühen einfach keine Augenoptiker. 

Die „Herausforderung Fachkräftemangel“ ließe sich vielleicht mithilfe einer guten Ausbildung in den Griff bekommen, doch auch einen Auszubildenden zu finden, ist für viele Betriebe nicht leicht. Sie würden gerne ihr Personal selbst ausbilden, doch es melden sich viel zu wenige Bewerber. Kein Wunder, denn heute ist man gut informiert: Gibt ein Schulabgänger bei den zahlreichen Portalen zum Gehaltsvergleich unseren Beruf ein, wird ihm ein Gehalt bei einer 40-Stunden-Woche von durchschnittlich 2.400 Euro angegeben – brutto. Nicht sehr sexy. 

Zudem suchen auch aufgrund der geburtenschwachen Jahrgänge insgesamt immer weniger junge Menschen einen Ausbildungsplatz. Blickt man auf die Gesamtlage in Deutschland, so wurden laut dem Statistikportal Statista im Jahr 2022 in Deutschland rund 1,22 Millionen Menschen ausgebildet, eine Zahl, die seit Jahren sinkt. Zum Vergleich: im Jahr 2010 waren das noch 1,5 Millionen. Bevorzugt werden dabei leider mehrheitlich andere Berufe als die des Augenoptikers. Der beliebteste Ausbildungsberuf im Jahr 2021 war der Kaufmann bzw. die Kauffrau im Einzelhandel. Im Ranking der 20 beliebtesten Ausbildungsberufe taucht „Augenoptiker“ erst gar nicht auf. 

In Köln versucht es ein Augenoptiker manchmal mit einem Trick: Er bietet zunächst eine Stelle als Bürokraft an, um dann bei einem potenziellen Bewerber auf einen Ausbildungsplatz für einen Augenoptiker hinzuweisen, und somit den Beruf in den Blick der jungen Menschen zu rücken. Not macht halt erfinderisch. Offensichtlich muss man aktiv auf die Jugendlichen zugehen und sie animieren, diesen Berufsweg zu beschreiten. Die Zeiten ändern sich: Als ich 1987 in die Lehre ging, waren wir neun Auszubildende in einem traditionellen 45-Personen-Augenoptikbetrieb. Drei Azubis in jedem Jahrgang. Und wir alle haben vorher gezittert, ob wir den Ausbildungsplatz überhaupt bekommen.

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Heute gilt: Wer Nachwuchskräfte sucht, sollte keine Chance ungenutzt lassen, um auf sich aufmerksam zu machen. Viele Schulen bieten zur Berufsvorbereitung Orientierungstage an, bei denen man seinen Beruf vorstellen kann. Auch Betriebsbesichtigungen können angeboten werden. Auf keinen Fall sollte vergessen werden, welche Weiterbildungsmöglich­keiten und Karriere-Chancen unser Beruf vorsieht, andernfalls könnte es gleich ein Rohrkrepierer werden.

Auch am hinteren Ende des Berufsweges gilt es, seine Leute zu halten. Denn durch die hohe Zahl künftiger Rentner geht viel Know-how verloren. Die Unternehmen tun daher gut

daran, ihre Fachkräfte zu halten und ein gesundes Unternehmensimage zu pflegen. Dabei reicht Geld allein heute nicht mehr aus, denn der nächste, schon lauernde Arbeitgeber könnte flexiblere Arbeitszeiten, Kinderbetreuung, Home-­Office oder andere interessante Möglichkeiten bieten. 

Eines ist klar: Die dringend benötigten Fachkräfte brauchen Anreize, das Problem wird sich nicht von allein lösen. Seien Sie also nett zu Ihren Mitarbeitern! Seien Sie auch kreativ und lassen Sie sich etwas einfallen, um Ihren Mitarbeitern zu gefallen. Unseren Beitrag dazu mit Stimmen aus der Branche lesen Sie hier.

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