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Auf Sicht planen

15.12.2021

Wer braucht schon Pläne, wenn man auch auf Sicht fahren kann? Jetzt, wo wir normalerweise mitten in der Planung für die kommende Fachmesse in ­München wären. Wir hätten längst – voller Vorfreude auf ein Treffen mit Industriepartnern, Lesern und Autoren – die ­Fläche, den Messebauer und Hotelzimmer gebucht und das FOCUS-Team wäre schon eingestimmt auf den augenoptischen Auftakt in Form der Großveranstaltung Opti 2022. 

Wer hätte im Frühling 2020 gedacht, dass wir erneut eine Adventszeit mit massiven Einschränkungen vor uns haben! Es ist wie ein schlechtes Déjà-vu. Die ersten Absagen der ­Messen, allen voran die der Mido vor knapp zwei Jahren, fühlten sich ungeheuerlich an und ließen Besucher wie Aussteller ratlos zurück. Im Laufe der Zeit haben wir uns dann mit reinen Digital-Veranstaltungen arrangiert, sind zu Hause geblieben, haben geteamt, gezoomt und geskypt. 
An abgesagte Konferenzen haben wir uns gewöhnt. Wir haben uns mit Hybrid- – oder neudeutsch – Phygital-Events langsam wieder an echte Treffen angenähert. Und im vergangenen September haben wir voll Optimismus in die Veranstaltungskalender für das kommende Jahr geschaut. Die Silmo 2021 hatte gezeigt: Es geht doch! 

Nein. Irgendwie geht es nicht. Es geht nicht, weil sich zu viele Menschen mit Impfungen zurückhalten, abwarten oder eine zu alternativ anthroposophische Haltung zu Krankheiten und Infektionen haben. Oder weil sie einfach „dagegen“ sind. Weil sie in ihrer Informations-Bubble gefangen sind und mit Gleichgesinnten über Sinn oder Unsinn einer Impfung mit fraglichem wissenschaftlichem Background skandieren. Ich spreche hier nicht von Menschen, die sich nicht impfen lassen können, sondern von denen, die es tun könnten, aber nicht wollen.

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Ohne mich nun zu weit in das Offensichtliche hineinzubegeben und parallel dazu das Minenfeld zu betreten, was derzeit die Menschheit zu spalten scheint: Selbst ein Grundschüler – ohne jede Vorkenntnis – kann praktisch jeder Statistik einen erkennbaren Zusammenhang entnehmen. Regionen mit niedrigem Impfstatus der Bevölkerung haben hohe Inzidenzen, haben hohe Auslastungen der Intensivbetten, haben eine hohe Sterblichkeitsquote. Regionen mit hohem Impfstatus haben dies alles weitaus weniger.  

Corona-Patienten werden quer durch Deutschland verlegt. Dorthin, wo noch Intensivbetten frei sind. Ärzte, Pfleger und Angestellte aus der Intensivmedizin erleben einen Alltag, derm die unsoziale Haltung vieler Mitbürger jeden Tag mehr abverlangt, als erträglich ist. Dort denkt man sich das Leid der Patienten nicht aus.

Nun ist die Zukunft erneut ungewiss, die Infektionszahlen klettern bei Druckschluss des FOCUS weiter an. Gerade wurde die 2G-Regelung für den Einzelhandel beschlossen und nach aktuellem Stand sind Augenoptiker neben anderen ­Geschäftsgruppen davon ausgenommen. 
Die Opti ist in den Mai verschoben worden, die Mido ist noch voller Hoffnung, Anfang Februar stattfinden zu können. Ob das zu optimistisch ist, lässt sich derzeit nicht abschätzen. Denn auch die GHM hatte vor einigen Wochen noch eine vollmundige positive Einstimmung auf den Januartermin der Opti 2022 veröffentlicht. In Retrospektive ist es immer leicht, darüber zu urteilen, ob das angemessen war oder nicht.

Aber die Entwicklung auf das Desaster der hohen Inzidenzen hin, konnten und wollten viele Menschen einfach nicht wahrhaben – und das kann ich als Rheinländerin aus erster Reihe bestätigen! Es zeigt aber leider auf unmissverständliche Weise: Aktuell ist nichts planbar. Und das wird vermutlich auch vorerst so bleiben.

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