| |

Technik & Glas: Schweizer Weltpremieren und deutsche Innovationen

Der Messestand von OptiSwiss auf der Opti 2023. Technik & Glas
Bild: OptiSwiss

Neues vom Technik- und Brillenglassektor auf der Opti 2023

Fassungen, wohin das Auge blickt auf der Opti? Ja, schon, aber wie es sich für eine richtige Optik-Fachmesse gehört, ist das Ausstellerfeld breitgefächert und repräsentiert die gesamte augenoptische Branche. Was es in den Bereichen Brillenglas sowie Technik und Geräte Mitte Januar in München zu bestaunen gab, erfahren Sie in diesem Beitrag.

Vom 13. bis 15. Januar fand die internationale Messe für Optik & Design, kurz: Opti, in München statt. In diesem Jahr in einer abgespeckteren Version als zuvor. Statt in bis zu sechs Hallen wie bei der einem Marathon ähnelnden Ausgabe im Jahr 2020 ließ es sich in drei Messehallen zwar
gemütlicher angehen, aber keinesfalls weniger innovativ. 

Brillenglas-Hersteller in exklusiver Runde

Sicherlich auch weil zahlreiche Anbieter aus dem Brillenglas-Bereich gar nicht erst nach München gekommen waren, erregten die hier sehr wohl präsenten Unternehmen ein größeres Interesse bei den rund 15.000 Besuchern. Und der Schweizer Hersteller Optiswiss feierte sogar seine Premiere als Aussteller auf der Münchner Fachmesse. Der gut besuchte Stand sprach Bände, denn hier hatten die Mitarbeiter gut zu tun im ständigen Austausch mit Interessenten. Gekrönt wurde der Premierenauftritt von einer Verlosung am Stand, bei der als Gewinn u.a. die begehrte Schweizer Schokolade und eine 24-monatige Nutzung eines Myopia Masters die Hauptrollen spielten. Der produktseitige Fokus bei Optiswiss lag auf der Biometrics-Technologie, die vor kurzem erst auf das Segment der Nahkomfort- und Einstärkengläser erweitert wurde.

Darüber hinaus bot die Messe auch die passende Gelegenheit, das neue Exklusivkonzept vorzustellen, mit dem Optiswiss nach eigener Aussage durch Partnerschaften auf Augenhöhe auf einer konsequenten Stärkung des Fachhandels abzielt. Im Detail will man Augenoptik-Fachgeschäfte in der nachhaltigen Positionierung als eben solcher Fachpartner des Kunden unterstützen und ihnen diese Unterstützung in Form eines Gebietsschutzes und dem Ausschluss von einer Belieferung von Ketten und Discountern zusichern. 

Der auf Sportoptik spezialisierte Anbieter Swisseye konnte ebenfalls mit einer Weltpremiere aufwarten. Auf der Opti stellte das Unternehmen aus seinem Produktportfolio den ersten integrierten RX-Shield mit Panoramablick vor, der nicht nur den bei Sportbrillen so wichtigen Schutz verspricht, sondern auch in puncto Sehleistung herausstechen soll. Die Technologie der integrierten RX-Shield-Verglasung wurde patentiert, und aus einem Stück (Polycarbonat) gefertigt. Als Sehstärken sind Einstärken- und Gleitsichtgläser wählbar, inklusive Härtung mit drei Grundtönungen und optionaler Verspiegelung. Zukünftig soll das Portfolio aber noch erweitert werden, teilt Swisseye mit, u.a. auch durch eine polarisierende Scheibe.

Gezielt wendet sich Swisseye auch an Neulinge im Bereich Sportoptik, die mit dieser Weltneuheit den gelungenen Einstieg in das für Augenoptiker spannende und zuletzt vermehrt nachgefragte Themenfeld wagen wollen.

Hightech in Hülle und Fülle

Sein 90-jähriges Jubiläum auf der Messe feierte Topcon, das sich mittlerweile als Gesamtlösungsanbieter für den Augenoptiker positioniert. Vom einzelnen Gerät bis zur vollausgestatteten Refraktionseinheit will man von A bis Z mit State of the Art-Lösungen beim Kunden punkten. Genug Potenzial ist vorhanden bei der großen Auswahl an Systemen, wie auf der Opti zu sehen und zu erleben war. In seinem vielseitigen Programm hat das 1932 in Japan gegründete Unternehmen auch herstellerunabhängige, vernetzte Lösungen für effizientere Abläufe im Geschäftsalltag.

Zu nennen sei hier die Harmony-Software, die auch Geräte untereinander vernetzt. Den Augenoptiker will man nicht nur mit den typischen Instrumenten wie Refraktionssystem, Scheitelbrechwertmesser – bei Topcon vollautomatisch, versteht sich – und Co. abholen, sondern auch beim Aufbau neuer Dienstleistungen unterstützen. So könnten die Lösungen der Willicher in den Bereichen OCT, Perimeter oder auch Myopie-Management durchaus ein Alleinstellungsmerkmal für viele Betriebe bedeuten.

Anzeige
Rodenstock Banner

Mit subventionierten Preismodellen für Mess- und Screening-Geräte stieß der E-Health- und Telemedizin-Anbieter Epitop auf reges Interesse. Auch um eine Entlastung der knappen Kapazitäten bei Augenärzten zu erzielen, wie Epitop immer betont, steigt der Bedarf an technologisch anspruchsvoller Mess- und Diagnostikhardware. Besonders Augenoptiker könnten hier aber noch sehr viel mehr beitragen und die Versorgung verbessern, findet das Unternehmen. Dort seien schließlich auch mehr und mehr dieselben Geräte im Einsatz wie bei Ärzten. Bei der Nutzungsintensität bestehe allerdings noch Luft nach oben.

Zur Opti präsentierte Epitop nun erstmals sein neues Servicekonzept, das die Investitionskosten für moderne Hardware senken können und gleichzeitig die Nutzung ab Tag eins der Anschaffung sicherstellen soll. „Beim Kauf eines teuren Handys oder selbst Elektroautos funktioniert das Modell bereits gut und jeder freut sich, trotz geringen einmaligen Investitionskosten immer das neue Gerät haben zu können, nur die Patientenversorgung tut sich da noch etwas schwer. Höchste Zeit das zu ändern“, meint Dr. Amir Parasta, Geschäftsführer von Epitop und selbst Arzt, zu der Idee dahinter.

Vielleicht auch weil das Unternehmen aus Garching bei München stammt, und quasi ein Heimspiel auf der Messe hatte, führte Epitop, wie es sich für den guten Gastgeber gehört, die anwesenden Gäste durch die heiligen Hallen der Messe München. In gut besuchten Rundgängen zu Schwerpunktthemen in der Augenoptik, u.a. zur smarten Bildgebung im augenoptischen Screening und Best-Practice-Messmethoden beim Myopie-Management, wurden die Teilnehmer von Stand zu Stand geführt. 

Dabei führte der Weg auch zum Optikgeräte-Hersteller ­Oculus, mit dem Dr. Parasta und seine Kollegen zusammenarbeiten. Das gut vernetzte Familienunternehmen zeigte sich einmal mehr auch mit seinen Kooperationen mit Software- und Glasherstellern auf der Opti und nutzte den Rahmen zur Präsentation der modernen Geräte und zum fachlichen Austausch mit Kunden und Geschäftspartnern. Als eine Geräte-Neuheit zeigte Oculus das Refraktionsassistenzsystem FARS (Fully Assisted Refraction System). Dabei handelt es sich um eine optionale Erweiterung zu einem Nidek-Tischrefraktionsgerät, das mittels automatisierter subjektiver Refraktionsmethodik dazu gedacht ist, die Refraktion auch in Sachen Zeitersparnis, Platz im Refraktionsraum und Personaleinsatz weiter zu optimieren.

Fernab von der Gerätefront gibt es beim Unternehmen aus Wetzlar eine neue Informationsbroschüre, die Myopie kindgerecht erklärt und ein Video-Format, das Augenoptikern/Optometristen kompakt Wissen zu Themen wie Tränenfilm, Hornhaut und vorderer Augenabschnitt vermittelt. Die kurzen Clips aus der Reihe „Mittagszeit macht gescheit“ sollen sich, wie es der Name schon vermuten lässt, perfekt für die Pause im Betrieb eignen. Sie ließen sich aber durchaus auch außerhalb der Mittagszeit anschauen, wie Oculus mit einem Augenzwinkern hinzufügt. Zehn Folgen des Wissensformats wurden angekündigt und laufen auf dem firmeneigenen Youtube-Kanal.

Die Firma Eyetec versorgt seit 2005 Augenärzte mit diagnostischen Geräten. Schwerpunkt ist seit 2006 das Spectral OCT, das seit diesem Jahr Einzug in die Augenheilkunde hielt. Die Technik ist beim Augenarzt Standard und mehr als 90% aller Ophthalmologen verfügen heutzutage nach Angaben der Lübecker darüber. So sei es selbstverständlich, dass auch die Optometrie ein Auge darauf wirft. Aus diesem Grund war Eyetec 2022 das erste Mal seit vielen Jahren wieder auf der Opti präsent und das positive Feedback und starke Interesse an der optischen Kohärenztomografie bestärkte das Unternehmen zu einer Wiederholung in diesem Jahr. An seinem Stand in Halle C3 präsentierte Eyetec die aktuellen Revo OCT-Modelle, die beim Augenarzt seit Jahren erfolgreich eingesetzt werden. Daneben gab es auch noch hochwertige Refraktionsausstattung und Messtechnik im ausgestellten Portfolio zu begutachten.

Im Nachgang zur Messe zeigten sich die Norddeutschen äußerst zufrieden, wie Geschäftsführer Enno Pemöller auf Nachfrage von FOCUS mitteilte und dabei gleich ein neues Schulungsformat ankündigte: „Das Interesse 2023 hat das bereits erfolgreiche Jahr 2022 nochmals deutlich übertroffen, die Zurückhaltung des einen oder anderen Mitbewerbers hat sich für uns nicht negativ ausgewirkt. Die Opti 2024 hat einen festen Platz im Eyetec-Kalender.“ Mitgenommen habe man zudem den großen Wunsch nach mehr OCT-Schulung – und diesem Wunsch wird Eyetec nachkommen. Ab Ende März wird es einmal im Monat die sogenannten „OCT-Abende“ geben. Darin beleuchten Anwender, Augenärzte und Optometristen online die Schwerpunkte der OCT-Diagnostik. Weitere Infos dazu gibt es auf www.mein-oct.de. 

Wiederholung live und in Farbe

Weil digital definitiv eine gute Bühne bietet für z.B. die oben erwähnte Fortbildungsveranstaltung, aber nur offline die wahre Welt der Augenoptik in allen Facetten erlebbar macht, wird es spannend, wie sich das Opti-Teilnehmerfeld im nächsten Jahr aufstellt. Welche Brillenglashersteller feiern ihr Comeback, welche (Welt-)Premieren bringen die Geräte- und Softwareanbieter mit? Wir sehen es nächstes Jahr, wieder Mitte Januar in München.

Ähnliche Beiträge