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Trendforum: Der große Wandel

Claus Kleber bei seiner Keynote auf dem Spectaris-Trendforum 2023
Claus Kleber bei seiner Keynote auf dem Spectaris-Trendforum 2023. Bilder: Detlev Schilke/Spectaris

Alle Jahre wieder trifft sich das Who is Who der Augenoptik-Branche auf dem Spectaris-Trendforum. Zum Austausch über das fast zurückliegende Jahr und zur Einstimmung auf das kommende. Und gerade in dieser krisengeschüttelten Zeit mit einigen Umwälzungen innerhalb der augenoptischen Branche und weltpolitisch sowieso hilft es, einmal über den Tellerrand hinauszuschauen – entweder live vor Ort in Berlin oder vor dem PC. Schwerpunkt der Veranstaltung war das Thema „Fachkräftemangel“ – und wie man diesem auch in der Augenoptik begegnen kann.

Es war einmal mehr alles angerichtet am 7. November 2022 zu einem hochklassigen Branchenevent: Live vor Ort in der Berliner Classic Remise und an den digitalen Endgeräten. Das zuvor angekündigte „Rudelschauen“ in einem Düsseldorfer Kino kam aufgrund von mangelnder Resonanz leider nicht zustande. Doch auch am Bildschirm ließ sich das Event, wie üblich moderiert von Wolfram Kons (RTL), vergnüglich verfolgen. Rund 800 Teilnehmer taten dies laut Veranstalter dann auch insgesamt an diesem Tag. 

Erstmals eröffnete Mirjam Rösch als neue Augenoptik-Vorsitzende bei Spectaris die Gelegenheit und nutzte das Event so wie die weiteren Trendforum-Mitstreiter – u.a. Wolfram Kons als Wegbegleiter der ersten Stunde – auch als gebührenden Raum für die Verabschiedung von Josef May, der sein Amt beim Industrieverband bereits im ­September nach 17 Jahren an die Hoya-Geschäftsführerin abgegeben hatte. May erhielt Standing-Ovations für seine langjährigen Verdienste und konnte an diesem Tag des großen Wandels, auch für ihn selber, noch ein allerletztes Mal die traditionelle Tageszusammenfassung kurz vor Schluss zum Besten geben. 

Keine rosigen Zeiten

„Es sind keine rosigen Zeiten, doch wir haben vereinbart, heute darüber zu reden“, erklärte der Journalist und ehemalige ZDF heute Journal-Nachrichten-Frontmann Claus Kleber in seiner Keynote zum Auftakt des Rednerprogramms. Das aktuelle weltpolitische Geschehen und die Konsequenzen für die Demokratien dieser Welt waren seine Themen, und er skizzierte aus einer Position heraus, die erschreckend realistisch und für ihn selbst auch relativ neu war, u.a. den Weg hin zum Status quo im Krieg in der Ukraine. 

„Dieser Vortrag wird persönlicher als sonst, mit eigener Meinung“, bekundete er schon eingangs und bezog fortlaufend eindeutig Stellung dazu, wie „nonchalant“ die westliche Welt 2014 den „eklatanten Völkerrechtsbruch“ mit der Annexion der Krim hingenommen habe. 

Er verwies auch auf das Gesellschaftsmodell Chinas, dem wir, anders als dem seiner Meinung nach nicht zukunftsfähigen Russland, wirkliche Beachtung schenken sollten. Es lohnt sich für die Demokratie zu kämpfen, lautete sein Plädoyer an die Zuschauer und Rückgrat gelte es nun mehr denn je zu zeigen.

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Die Welt der Deep Fakes

KI-Experte Prof. Dr. Damian Borth, Direktor für Künstliche Intelligenz (KI) und Maschinelles Lernen, Uni St. Gallen war live aus der Schweiz zugeschaltet. Er veranschaulichte den Zuschauern in einem höchst interessanten Beitrag die großen Potenziale in Wirtschaft und Wissenschaft von KI und ließ auch tief blicken, welche Möglichkeiten Deep Fakes bereithalten. 

Hierfür stellte er auch Programme vor, die Bilder aus Wörtern generieren und ließ vorab von genau solchen KI-Programmen ­„stylische“ Brillenfassungen, virtuelle Augenoptik-Showrooms und auch das Spectaris-Trendforum selbst als Konferenz in ­Berlin generieren und visualisieren – mit erstaunlich realistischen, aber auch teilweise fast erfreulich misslungenen Resultaten. „Die nächste KI-Generation kann Modelle erzeugen, die zur Inspiration für zukünftige Designs unserer Lebenswelt dienen werden.“ Borth verwies dabei auch auf die ethische Komponente im Umgang mit KI und die Herausforderungen und Risiken. KI-Regulierungen auf höherer Ebene sind für ihn unumgänglich.

Fachkräftemangel von allen Seiten 

Der Schwerpunkt des Tages lag auf dem Fachkräftemangel. So präsentierten anhand eingängiger Praxistipps die Hamburger Dominic Scheppelmann (2do digital) und Lutz Jurkat (2do Spotleit), wie der Nachwuchs aus der „Generation Z“ für sich überzeugt wird. Mit einem Vergleich von digitalen und Print-Werbekampagnen zeigten die Marketingprofis neue Wege der Kommunikation via TikTok, ­Spotify oder – auch erstaunlich erfolgreich und praktikabel ­– WhatsApp auf, ergänzt durch Beispiele erfolgreicher ­Social-Media-Kampagnen. Die Solinger Recruiting-Expertin Felicia Ullrich verdeutlichte, wie erfolgreiches Azubi-Marketing und -Recruiting gelingen kann und wie die perfekte Stellenbeschreibung für die Bedürfnisse dieser Zielgruppe aussieht. Publikumsumfrage inklusive.

Zum Magneten werden

Bei seinem Vortrag „50 Ideen in 25 Minuten“ entfesselte Martin Gaedt, der wahrlich Kilometergeld für sein Auf- und Ablaufen der Bühne verdient hätte, sich selbst ohnehin und in Teilen wohl auch das Publikum mit einem erfrischend-radikalen Vortrag zu neuen Recruiting-Maßnahmen. Sein mit vollem Körpereinsatz vorgebrachter Appell, teilweise auf der Leiter stehend, mündete in der Aussage: Innovation gelingt vor allem mit dem Mut zum Umdenken. Die Zeiten haben sich ganz radikal geändert. Heute müssen Unternehmen selber auf potenzielle Bewerbungskandidaten zugehen und sie wie ein Magnet anziehen, immer wieder Neues ausprobieren ganz nach dem Motto „Mixen, bis es schmeckt“. Warum nicht auf Studienabbrecher zugehen, war einer seiner zahlreichen praktischen Tipps. Die haben Lebenserfahrung und wollen dann später nicht mehr studieren gehen. 

Das Potenzial ist da…

3,5 Millionen Kontaktlinsenträger in Deutschland sind es aktuell, doch sechs Millionen sollten es bis 2030 werden, wenn denn auch die Lust da ist, das Produkt so an den Mann bzw. die Frau zu bringen, wie es bei der Brille der Fall ist. Meike Drežnjak und Marco van Beusekom vom Spectaris-Kontaktlinsenkreis sind sich einig, dass das Potenzial dafür vorhanden ist. Deutschland sei zweitgrößter Kontaktlinsenmarkt in Europa. Generell müssten sich beide Produkte in der Sehlösenberatung überhaupt nicht gegenseitig ausschließen, denn es könnte genauso gut heißen, Brille und Kontaktlinse ergänzend zu verkaufen. Mit dem Kontaktlinsenkreis sind sie damit auf einem guten Weg. Die mit dem Kuratorium Gutes Sehen (KGS) gestartete Digital-Kampagne gewinnt täglich neue Kontaktlinsenträger hinzu. Über Kontaktlinseninfo.de gelangen User zum nächsten Kontaktlinsenanpasser. Mehr dazu auf Seite 54.

Ist er es, oder ist er es nicht?

Zum Abschluss des Vortragsprogramms blickte der Journalist Christoph Keese optimistisch in die Zukunft mit seinem Beitrag zum Thema „Life-Changer“-Technologien. Elon Musk, hauptsächlich in seiner Verantwortung als Tesla-Chef, spielte eine tragende Rolle darin. „Er ist nicht irre – er denkt nur anders“, ließ sich Keese entlocken. Das hätte vor der Twitter-Übernahme wohl auch nicht jeder so unterschrieben. Doch die Zeiten ändern sich aktuell in vielerlei Hinsicht.

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