Anzeige
Menicon (Banner)

Very Peri

15.02.2022

Klasse statt Masse oder lieber den schnellen Abverkauf? Beide Strategien führen zu guten Umsätzen und guten Gewinnen. Während das eine ein gut geschultes und aufmerksames Fachpersonal benötigt, reicht für das andere ein guter Gesprächsleitfaden, ein standardisiertes Verkaufsprogramm und ein übersichtliches Angebot. Auch in der Augenoptik.   

Aktuell existieren in unserer Branche beide Strategien nebeneinander im stationären Geschäft. Doch der mögliche Brillenkunde beginnt auch dort seine Suche häufiger im Internet. Standardanbieter haben es dann leichter – die Produkte erklären sich meist von selbst und der eigentliche Verkaufsakt ist schnell geschehen. Denn meist weiß der Kunde schon im Vorfeld, was er möchte. Und wie immer gilt auch hier: Hohe Stückzahlen bedeuten hohe Gewinne. 

Anbieter individueller Lösungen haben es bei ihrem Auftritt hingegen etwas schwerer. Wer sich informieren möchte, ­­kann mit „vereinbaren Sie mit uns einen individuellen ­Beratungstermin“ – zu beispielweise optometrischen ­Leistungen – wenig anfangen. Der Erfolg von Sehberatern,
Manufakturen oder Anbietern besonderer Verkaufserlebnisse liegt vielmehr in der langjährigen Kundenbindung, der Mund-zu-Mund-Propaganda und dem großen Angebot. So weit so bekannt. Niemand behauptet von sich, er liebe den Mainstream. Individualität ist gefragt. 

Anzeige
Essilor (Banner)

Doch wie individuell ist Individualität heute? Sehen Sie sich in einer beliebigen Stadt um. Der aktuell uniformierte Look scheint wenig Raum für Individuelles zu lassen: Nike Air an den Füßen, Adidas-Hose, oversized Hoodie, dazu eine ­Ray-Ban im Gesicht gepaart mit dem unvermeidlichen ­Fjällräven Rucksack auf dem Rücken. Je jünger das Publikum, desto wahrscheinlicher der Mainstream-Look. Für die ­Anbieter ist es eine Gelddruckmaschine. 

Auch bei der Farbwahl gibt es wenig Spielraum. Während in den 80er und 90er Jahren noch Farb- und Stilberater auch in der Augenoptik boomten, werden heute die aktuellen Modefarben diktiert. Das Farbinstitut Pantone gibt uns halbjährlich die Farbauswahl vor, die wir zu tragen haben und ich höre die Namensgeber bis hierher lachen, wenn sie sagen: „Lassen wir die Leute doch dieses Jahr mal ‚Very Peri‘ tragen“. Und für so eine Farbe in Violett braucht es auch eine passende Story – und die lautet: „Sie soll den Zusammenfluss von physischer und digitaler Welt unterstreichen.“ Aha. Und so werden eilig Kollektionen entworfen, Wände gestrichen und Accessoires designt, die wir alle eine Saison lang tragen, um uns im sicheren Hafen des Mainstreams wohlfühlen zu können.

In dieser Ausgabe möchten wir den Individualismus feiern. Maßgeschneiderte Produkte anzubieten, liegt glücklicherweise bei vielen Kollegen immer noch im Fokus. Fassungen werden entweder manuell oder per 3D-Druck-Verfahren anatomisch korrekt in die Gesichter ihrer Träger gebracht. Und auch bei der Optik bieten sich viele Möglichkeiten zu individuellen Lösungen. Die einzelnen Parameter werden dabei sowohl mittels Messtechnik als auch durch die Verwendung Künstlicher Intelligenz optimiert. Auch Kontaktlinsen bieten jede Möglichkeit zur perfekten Anpassung, wenn das Kundenauge vom Standard abweicht.

Egal ob man sich im Handwerk, im Testraum oder in beidem spezialisiert: Maßgeschneiderte Lösungen anzubieten, macht unseren Beruf interessant und schafft Nähe zu unseren Kunden. Nur so kann ein Vertrauensverhältnis entstehen und zu einer loyalen Beziehung führen. Am Ende ist der Erfolg auch in der Kasse sichtbar.

Ähnliche Beiträge

  • Fachkräftemangel: Mitarbeiter, wo bist du?

    Neulich rief bei einem Augenoptiker in NRW ein Mitarbeiter eines Beraterunternehmens an. Nichts weniger wurde angeboten, als neue Kunden zu rekrutieren. Doch ein Problem, das wie ein Bremsklotz im Getriebe vieler Augenoptikgeschäfte steckt, ist das fehlende Fachpersonal, das diese Kunden überhaupt bedienen könnte.

  • Von der Brille zur Vorsorge

    Die Augenoptik steht an einem Wendepunkt. Jahrzehntelang war sie vor allem eines: die Versorgung mit Brillen. Doch die Anforderungen der Gesellschaft, die demografische Entwicklung und ganz besonders auch die technologischen Möglichkeiten verändern das Berufsbild mitunter grundlegend.

  • Achtung Langfinger 

    Ein junges Paar betritt das Geschäft. Schon beim Herantreten merke ich: Beratung ist hier nicht erwünscht. „Man wolle sich nur umsehen“. Eigentlich ganz normal, das kommt in einem Geschäft in der Innenstadt mit Laufkundschaft andauernd vor. Wir haben gelernt: Trotzdem die Kunden im Auge behalten, vielleicht kommt eine Frage auf? Oder es wird sich hilfesuchend…

  • Vom Fach

    Die Augenoptik bietet so viele Facetten. Selbst auf einer ­Ebene, in der die Weichen in die klassische Tätigkeit als ­Meister scheinbar schon gestellt sind, gibt es vielfältige Möglichkeiten, seiner Berufung auf unterschiedlichstem Weg nachzugehen und seine Talente gezielt einzusetzen.

  • Fachkräftemangel: Dein Traumberuf mit Zukunft 

    Die aktuellen Zahlen zeigen es: Es herrscht nach der Pandemie so gut wie Vollbeschäftigung in der Augenoptik. Eigentlich eine solide Ausgangslage für Gehaltsverhandlungen. Die Nachfrage sollte das Angebot regeln, das Angebot den Preis – meint man. 

  • Haltung zeigen

    Was hat morgen noch Bestand von dem, was wir heute­­ tun, wie wir heute leben und arbeiten? Angesichts multipler globaler Krisen, sozialer Spannungen und ausgereizter ökologischer Grenzen gerät auch das herkömmliche, wachstumsgetriebene Wohlstandsmodell zunehmend ins Wanken. Wird es langfristig durch etwas Neues ersetzt?