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Wegscheide

Eine Aufnahme aus der Vogelperspektive einer Straßengabelung im Wald.
Bild: Tom Parsons/unsplash.com

Es gibt diese Momente, wo sich der Weg auftut, und zwei Optionen anbietet. Das Pendel in die eine oder andere Richtung ausschlägt. Die Opti Mitte Januar kann als solch ein (Groß-)Ereignis für die augenoptische Branche betrachtet werden. 

Nach einer recht ernüchternden Messe, die im Mai 2022 als Sonderedition bezeichnet wurde, im kommunikativen Nachgang wohlgemerkt, stand viel auf dem Spiel dieses Mal. Noch einmal darauf zu bauen, dass alle sich hauptsächlich glücklich in die Arme fallen nach längerer Corona-Abstinenz – so wie vergangenes Jahr – und dabei das betriebswirtschaftliche Interesse einmal großzügig hintenanstellen, darauf konnte niemand ernsthaft bauen. In Vorleistung war die Industrie damit schon einmal gegangen.

Und dann sagten dieses Mal auch noch reihenweise sicher geglaubte Branchengrößen ihre Teilnahme ab, was nicht nur für eine unsichere Stimmung sorgte, sondern auch für viel Unmut bei den Unternehmen, die mit ihrem Erscheinen die Türe offen gehalten haben für kommende Jahre. Manch ein Brancheninsider ließ sich dann auch zu Sätzen hinreißen wie „Wenn sie dieses Jahr kein Erfolg wird, steht die Messe auf der Kippe“ oder von Ausstellern wurde der Wunsch laut nach einem Preismodell, das eine Art Cashback enthält bei geringen Besucherzahlen. Ja, die internationale Messe für Optik & Design schien am Seidenen Faden zu hängen. Denn die Besucherzahlen sind nun mal die einzige Währung, die wirklich zählt. 

Doch sie hat ihren Kopf aus der Schlinge gezogen, die Opti. Mit einem Fünftel mehr Besuchern als zur Sonderedition ist ihr ein Ausrufezeichen gelungen. Die Richtung stimmt (zuversichtlich), die Stimmung hat auch gepasst. Demnächst werden die Auftragsbücher dann eine aussagekräftige Rolle spielen. Zumindest bei Unternehmen, die die Messe als Ordermesse nutzen. Denn auch dies ist längst nicht mehr überall der Fall. Selbst bei den Fassungsanbietern gab es solche Stimmen. Ob sich zur Kundenpflege der Auftritt rentiert, steht auf einem anderen Blatt. Diesen Weg gehen aber vordergründig einige wohl ernsthaft weiterhin mit.

Auch wenn sich die Opti im Sinne einer Fachmesse als Treffpunkt der Branche sieht, wurde dies teilweise konterkariert von Unternehmen, die ihre Teilnahme absagten, um dann die Gelegenheit zu nutzen, parallel zu anderen Veranstaltungen zu laden. Der eigentliche Treffpunkt sollten doch eigentlich die Messehallen sein. Doch die andere Wahrheit ist auch, dass wir die wahren Gründe einiger Absagen gar nicht kennen. Wie schon 2022 war zum Beispiel Zeiss nicht mit einem Stand, aber mit einem Café vertreten. Der gut besuchte Myopia Hub bot Hoya nach eigenen Aussagen sogar ein neues, willkommenes Format, um ein Thema zu bespielen, das laut Messebefragung 78% der Besucher als wichtig für ihren Berufsalltag ansehen. Man freue sich auf die Opti 2024, so die Mönchengladbacher. 

Eines hat die Opti auch wieder bewiesen, und zwar, dass wir eine Branche sind, die gerne zusammenkommt – auch in schwierigen Zeiten. 

Und dass die Zeiten herausfordernd sind, wurde zuletzt noch überdeutlich. Von Geschäftsaufgaben über strategische Änderungen der unternehmerischen Ausrichtung, mit hochrangigen Wechseln im Management, und Insolvenzen war in unserer Branche eine Menge dabei. Der Krieg, die gesunkene Verbraucherstimmung und der rückläufige Umsatz sind hier oftmals nicht unschuldig dran. Im Gegenteil. Dort, wo noch Rettung in Sicht ist, drücken wir die Daumen, dass das Pendel auch hier noch in die richtige Richtung schwingt. Sei es auf den letzten Drücker.

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