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PFAS-Update

Zu den PFAS gehören mehr als 10.000 chemische Verbindungen und mittlerweile gibt es ähnlich viele Beiträge und Artikel dazu in der Presse oder auf Verbraucherseiten. Dazu ebenso viele Kommentare, mal mehr oder weniger alarmierend – entweder für die Verbraucher oder für die Industrie, die damit arbeitet bzw. Produkte damit vertreibt. Besonders präsent war dies im vergangenen Frühjahr als das drohende Verbot gerade frisch von allen Redaktionen aufgegriffen wurde. 

Da wir – und mit uns unsere Kunden – in einem Bereich erheblich davon betroffen sind, ist es Zeit für ein Update. Wir erinnern uns: Im Frühjahr 2022 wurde das Thema erstmals auf einer EFCLIN-Tagung (European Federation of Contact Lens and IOL Industries) – auch für die Nicht-Chemiker unter uns – vorgestellt. Hier organisieren sich maßgeblich die europäischen Hersteller von formstabilen und in Teilen auch von weichen Kontaktlinsen und auch die Produzenten von Intraokularlinsen sowie deren periphere Industrie.

Viele Teilnehmer hörten zum ersten Mal von den sogenannten „Ewigkeits-Chemikalien“ in Kunststoffen, den Per- und Polyfluoralkylsubstanzen, kurz PFAS, die uns praktisch überall umgeben. Und die mit ihrem breiten Spektrum an unterschiedlichen physikalischen und chemischen Eigenschaften über unzählige Alltagsgegenstände, direkt oder auf Umwegen über die Umwelt, in den menschlichen Körper gelangen und dort Schaden anrichten können. 

Anfang Februar 2023 schließlich veröffentlichte die Europäische Chemikalienagentur ECHA einen Verbotsvorschlag für sämtliche PFAS. Dieses Verbot stellt allerdings viele Hersteller vor die enorme Herausforderung, Alternativen für die tausenden chemischen Verbindungen zu finden, die praktisch überall sind. Es handelt sich um den umfangreichsten Beschränkungsvorschlag dieser Art – und es sind viele verschiedene Bereiche betroffen. Zu den Branchen, die täglich mit PFAS arbeiten, gehört auch unsere. Denn PFAS werden sowohl in Brillenglasbeschichtungen als auch in formstabilen und teilweise in weichen Kontaktlinsen verwendet. 

Im darauffolgenden April 2023 war auf der EFCLIN-Konferenz etwas mehr Druck im Kessel. Denn für die Kontaktlinsenbranche, insbesondere für die, die formstabile Materialien und Kontaktlinsen herstellen, sah das Szenario zunächst so aus: Vom Frühjahr 2023 bis September 2023 hatte sie Gelegenheit, Argumente für eine Ausnahmeregelung vorzubringen. Und das ist gelungen. 

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Bei der schieren Masse der Produkte jedoch, nehmen sich die ECHA-Komitees nun Stück für Stück die einzelnen Sparten vor. Für die Anhörung der Argumentation der Kontaktlinsenhersteller werden sich allerdings alle nun etwas gedulden müssen. Erst nach beispielsweise Kosmetik-Produkten, Wachsen, Metallbeschichtungen oder Textilien kommen die Kontaktlinsen an die Reihe. Vor Herbst 2024 wird es keine Anhörung dazu geben. 

Danach werden die Produkte Gegenstand der Diskussion und eines Beschlusses werden. Aktuell sind dazu drei Szenarien denkbar, die dann letztendlich in einigen Jahren in Kraft treten könnten: 1. Es kommt zu einem Verbot der bestimmten Kontaktlinsenmaterialien, was katastrophal wäre, da zwar mit Hochdruck an Alternativen geforscht wird, die aber so schnell nicht vorhanden sind. Für Betroffene, die auf Spezial-Kontaktlinsen angewiesen sind, wäre das ein starker Einschnitt und auch unter sozio-ökonomischen Aspekten ein sehr ungünstiges Szenario.

2. Es kommt zu einer Übergangsregelung. Hier war im vergangenen Jahr von 10 bis 12 Jahren die Rede, was immerhin genügend Zeit verschaffen würde, neue Produkte zu entwickeln. Oder 3. es kommt zu einer kompletten Ausnahmeregelung für Kontaktlinsen. Das wäre der beste Fall und sicherlich auch der Sinnvollste. Darauf hoffen alle beteiligten Hersteller. 

Eine gelungene Informationsbroschüre der Firma Wöhlk ­Contactlinsen gibt zur PFAS-Situation umfassend Auskunft. Roland Fromme, der Leiter des chemischen Bereichs der Kunststoffproduktion und Materialforschung des Unternehmens, hat darin viele Aspekte rund um PFAS in Kontaktlinsen zusammengebracht. Auch wenn die einzelnen PFAS-Verbindungen bedenklich sind, so sind sie doch gerade in formstabilen Kontaktlinsen fest integriert und verlassen sie in der Regel nicht. Und sie gelangen auch nicht beim Tragen in den menschlichen Organismus. Er verweist zudem auf ein anschauliches Beispiel: Formstabile Kontaktlinsen können ein ganzes Jahr getragen werden. Ein Mensch, der sein Leben lang solche Linsen trägt, hat im Vergleich dazu ein Äquivalent einer Plastiktüte aus dem Supermarkt verbraucht. 

Verstehen Sie mich nicht falsch. Es ist richtig, diese unsicheren und bedenklichen Verbindungen zu regulieren, doch sollte es sinnvolle Ausnahmeregelungen geben. Eine 25 mg-Kontaktlinse kann und sollte nicht auf dem gleichen Prüfstand stehen, wie Skiwachs, Frischhaltefolie oder Backpapier, das tonnenweite jedes Jahr verbraucht wird. 

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