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Brennpunkt: Das ältere Auge 

Bild: Jacob Wackerhausen / iStock

IIn meiner Ausbildung habe ich häufig den mahnenden Satz gehört, der gegenüber Kunden gerne geäußert wurde: „Sie haben zwei Augen: das Letzte und das Vorletzte“. Denn jeder möchte das gute Sehen bewahren – solange es noch geht. Sei es durch eine Unterstützung in der Nähe, für die in die Jahre gekommene Augenlinse oder durch ein Screening des Augenhintergrundes, um die sensiblen Strukturen im Augeninneren möglichst lange zu erhalten und zu schützen.

Ein Aufreger in unserer Branche ist derzeit das Augenscreening von dm. Manche Kollegen fühlen sich vor den Kopf gestoßen: Nun können die Augenoptiker endlich seit geraumer Zeit ein breites Screening anbieten – und dank Fielmann ist zudem auch in der breiten Masse angekommen, dass man dazu einen Augenoptiker aufsuchen kann und nicht zwingend zum Augenarzt muss. Und nun kommt eine Drogeriekette daher und hat nicht nur ein ähnliches Screening im Angebot, sondern auch noch einen Knaller-Preis, bei dem sich erst gar nicht die Frage danach stellt. Es kostet so viel wie eine der besseren Hautcremes bei dm. 

Ob sie nun beim Augenoptiker oder bei einer Drogeriekette durchgeführt werden: Insbesondere in unseren ländlichen Regionen, wo der Zugang zur augenärztlichen Versorgung oft erschwert ist, kann so eine pragmatische Erstansprache helfen, mehr Menschen zu regelmäßigen Screenings zu bewegen. Solche niedrigschwelligen Angebote können also durchaus die Gesundheitskompetenz erhöhen und erste Hinweise liefern.

Selbstverständlich können diese Screenings, keine fachlich fundierte augenärztliche Untersuchung ersetzen und könnten durchaus eine falsche Sicherheit vermitteln. Hinzu kommen mögliche falsch-positiv befundete Ergebnisse (die Patienten gegebenenfalls in die angespannte Termin-Situation bei vielen Augenärzten bringen) und die falsch-negativen Befundungen (die vielleicht dann doch beim Besuch einer Praxis entdeckt worden wären). 

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Unterm Strich werden eindeutige Befunde durch die KI schnell identifiziert und der weitere Weg ist auch vorgezeichnet: Er führt wiederum in die augenärztliche Praxis. Wir haben ab Seite 20 den aktuellen Stand der Dinge zusammengefasst und Reaktionen des BVA, ZVA und von dm selbst eingeholt.

Unsere FOCUS-Ausgabe liegt vor Ihnen und wir haben uns in unserem Schwerpunkt dem älter werdenden Auge auf verschiedenen Ebenen genähert. In einer Übersicht zeigen wir mit Gleitsicht Deluxe einige der besten aktuell erhältlichen Gleitsichtgläser. Doch wenn die Technologie weiter so rapide voranschreitet wie in den vergangenen Jahren, werden wir bald eine ganz neue Versorgung der Presbyopie erleben. Und zwar mit einer Brille, die sich so selbstverständlich auf jede Sehentfernung einstellt wie der Autofokus einer Kamera. Mit Amazon als Investor bekommt das finnische Start-up IXI einen Raketenanschub. IXI-Gründer Niko Eiden beschreibt es im FOCUS-Interview so: „Man setzt sie einfach auf und sie funktioniert“.

Gleichzeitig dürfen wir den Status quo nicht aus den Augen verlieren. Die internationale CLEAR-Expertengruppe, an der knapp 100 Spezialisten beteiligt waren, hat 2024 einen Konsensbericht zur Presbyopie veröffentlicht. Eine ihrer zentralen Botschaften: Ein Presbyopie-Management umfasst weit mehr als eine simple Nahaddition. Wer Kunden bzw. Patienten ernst nimmt, muss ihnen ein Spektrum von Optionen eröffnen – von Brillen über Kontaktlinsen bis hin zu chirurgischen und pharmazeutischen Ansätzen. 

Vor allem aber gilt es, die Kunden-/Patientenperspektive einzubeziehen. Oder wie es im Fachbeitrag von Eef van der Worp heißt: „Die einzige Frage, die wir unseren presbyopen Kunden wirklich stellen sollten, lautet: ‚Was brauchen Sie?‘“

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