Anzeige

Fragen über Fragen

Bild: Efstathios Efthimiadis x KI

Die Welt(-wirtschaft) ist gerade massiv in Bewegung. Jemand, der sich an der Spitze der Nahrungskette sieht, schafft es über Nacht Billionen Dollar, Euro oder Yen verpuffen zu lassen. Weil er sich (und seine Nation) unfair behandelt sieht. Er stellt, als erste Fragen zu seinem Handeln auftreten, dann Vergleiche mit der zu schluckenden Pille an, die noch immer „in the long run“ gewirkt habe.

Stellt sich nur die Frage, wie viel Kalkül dahintersteckt und wie viel Borniertheit. Und ob man sich auch an einem Medikament verschlucken kann. Soll schon geschehen sein. Das Dumme daran ist für uns alle, niemals zuvor war die alte Weisheit „Zeit ist Geld“ so aktuell wie in diesen Tagen.

Doch der Blick über den weiten Teich endet eigentlich schon beim Blick aus dem Fenster. So ist hierzulande der Effekt verpufft, den sich nicht nur Wirtschaftsanalysten, sondern auch Ottonormalverbraucher von den holprigen Bundestags-Neuwahlen versprochen hatten. Glaubt man den Zahlen renommierter Marktforscher, sind die Deutschen trotz dieses Wahlausgangs am Behüten, sprich am Sparen, interessiert. Gestiegene Sparneigung nennt es der Experte.

Das verwundert gar nicht mal so sehr. Endlich im großen Stil das Portemonnaie öffnen? Das muss nun zum x-ten Male nach hinten verschoben werden! Verunsicherte Bürger, die befürchten müssen, dass es statt des politischen Re-Starts nun zum halbgaren Dahinsiechen kommt, stellen sich hier auch zu Recht die Frage, was denn noch passieren muss? Auch damit es nicht noch viel, viel schlimmer kommt.

Hoffen wir also alle, dass eine zügige Regierungsbildung und der neue Bundeshaushalt nicht nur bei Unternehmen, sondern auch bei den privaten Haushalten das Ruder (schleunigst) herumreißen.

Etwas mehr Planungssicherheit würde sicherlich auch den einen oder anderen Brillenträger wieder zurückbringen. Und damit eine beim Augenoptiker doch recht geschätzte Spezies, die aber auf lange Sicht nicht vom Aussterben bedroht ist. Sie wissen schon: Demografie, Myopie, Lethargie … Doch aufgepasst: sie schrumpft!

Anzeige
Essilor (Banner)

Laut jüngst veröffentlichter 26. Allensbach-Brillenstudie* war 2024 erstmals seit anderthalb Jahrzehnten der Anteil der Brillenträger in Deutschland rückläufig. Zwar „nur“ von 67% im Jahr 2019 auf 64% in 2024, aber immerhin.
Studienleiter Michael Sommer vom Institut für Demoskopie Allensbach erklärt das Artensterben primär mit wirtschaftlichen Unsicherheiten, steigenden Preisen und einem anderen Konsumverhalten. Das würde gerade gelegentlich Brillentragende noch eher dazu veranlassen, den Besuch beim Augenoptiker oder Augenarzt auf die lange Bank zu schieben.

Besonders auffällig war der Verlust bei den sogenannten „Twens“, den 20- bis 29-Jährigen. Ihr Anteil fiel zwischen der letzten Erhebung 2019 und 2024 von 35% auf 29%. In dieser Altersgruppe würden viele ihre Brille nur sehr unregelmäßig tragen und aktuell möglicherweise ganz darauf verzichten, heißt es.

Positiv stimmt uns aber, dass mit 40% die Gleitsichtbrille der Spitzenreiter unter den Brillenträgern bleibt: um 4% ist ihr Anteil gestiegen. Bei den über 60-Jährigen nutzt demnach etwa jeder zweite Brillenträger eine Gleitsichtbrille.

Die Studie spricht hier übrigens insgesamt von „überraschenden Ergebnissen“. Die Frage an Sie, lieber Leser, wäre nun: Hätten Sie es gewusst?

*Seit 1952 erhebt das Institut für Demoskopie Allensbach im Auftrag des Kuratoriums Gutes Sehen (KGS) regelmäßig Daten zum Umgang der Bevölkerung mit dem Thema Sehen. Die aktuelle, 26. Erhebung fand im 4. Quartal 2024 statt.

Ähnliche Beiträge

  • Handwerk: Am Puls der Zeit

    Ich bin mir sicher, wer heute eine Ausbildung zum Augenoptiker beginnt, kommt ganz schön schnell ins Staunen. Was man in den modern gestalteten Geschäften und während der von Hightech unterstützten Refraktion und optischen Anpassung einer Brille nämlich nicht sieht, ist das Handwerk, das dahintersteht.

  • Fachkräftemangel: Mitarbeiter, wo bist du?

    Neulich rief bei einem Augenoptiker in NRW ein Mitarbeiter eines Beraterunternehmens an. Nichts weniger wurde angeboten, als neue Kunden zu rekrutieren. Doch ein Problem, das wie ein Bremsklotz im Getriebe vieler Augenoptikgeschäfte steckt, ist das fehlende Fachpersonal, das diese Kunden überhaupt bedienen könnte.

  • Geht nicht

    Das geht doch nicht! Das kann man doch nicht machen! Warum sind wir eigentlich ein Land geworden, in dem gleich wenn eine neue Idee aufkommt, immer erst sondiert wird, wie man etwas verhindern kann, anstatt sich einzulassen auf Neues?

  • Machtblind 

    In den USA läuft aktuell die große Entlassungswelle. Vor allem in den Tech-Unternehmen, in denen die Mitarbeiter sich scheinbar unangetastet sicher fühlen konnten, bricht sie herein.

  • Zeit zu handeln

    Der Begriff Nachhaltigkeit tauchte in den vergangenen Monaten so ziemlich überall auf. Geradezu inflationär. Plötzlich agiert jeder irgendwie nachhaltig. 

  • Wellblechkonjunktur

    Das Jahr 2024 neigt sich dem Ende zu. Und während sich die einen mit vorgehaltener Hand freuen, gehen andere durch das Tal der Tränen. Unterm Strich lässt sich in Deutschland mit einer roten Null im Wirtschaftswachstum kein wirklich positives Resümee ziehen, das hängt allerdings davon ab, von wo aus man das betrachtet.